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Prokop zu Doping-Tests: "Nur die Doofen werden erwischt"

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Leichtathletik  

Prokop zu Doping-Tests: "Nur die Doofen werden erwischt"

17.11.2013, 09:37 Uhr | dpa

Prokop zu Doping-Tests: "Nur die Doofen werden erwischt". Clemens Prokop ist der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Clemens Prokop ist der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Foto: Sebastian Kahnert. (Quelle: dpa)

Dresden (dpa) - Seit Jahren engagiert sich Clemens Prokop, der auf dem Verbandstag in Dresden wiedergewählte Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), für ein Anti-Doping-Gesetz.

Als Berater bei den Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD hat er den Eindruck gewonnen, dass der Staat beim Thema Anti-Doping das Heft des Handelns übernehmen will. "Es ist eine merkwürdige Situation, dass die Politik dem Sport beim Doping davonläuft", sagte Prokop in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat die Schiedsgerichtsvereinbarung des DLV nicht unterschrieben, auch die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein lehnt diese Sportgerichte ab. Was halten Sie davon?

Prokop: Ich finde diese Bewertung bedauerlich, weil die Schiedsgerichtsbarkeit für den Sport unverzichtbar ist, weil wir hier eine schnelle abschließende Entscheidung in einem Verfahren nach den gleichen Grundsätzen der zivilen Gerichtsbarkeit treffen können. Und auf internationaler Ebene ist es wichtig, wenn wir Verfahren gegen Doping-Verstöße nicht auf die nationale Bewertungsschiene geben wollen, gibt es nur die Alternative, das vor dem Internationalen Sportgerichtshof zu verhandeln. Die Systemkritik, die Schiedsgerichte generell abzulehnen, wäre ein großer Rückschritt für den Sport und der Vergleichbarkeit der Wettkampfbedingungen. Ich glaube, die Diskussion wird von diffusen Ängsten begleitet. Ich würde mir wünschen, dass alle Athleten die Vorteile der Schiedsgerichtsbarkeit erkennen könnten.

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, hatte eine Rekordzahl von Doping-Tests bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi angekündigt. Ist das ein gutes Signal?

Prokop: Die tatsächliche Härte dieser Maßnahmen entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als nicht ganz so hart. Bei den Doping-Tests bei und im unmittelbaren Umfeld der Olympischen Spiele werden nur die ganz Doofen erwischt. Intelligentes Doping findet weit vor den Spielen, in den Phasen höchster Trainingsbelastung, statt. Die intelligenten Doper werden von solchen Maßnahmen nicht erfasst. Ich begrüße sie, sie werden die Doping-Bekämpfung aber substanziell nicht voranbringen.

Ist die Diskussion um eine schärfere Anti-Doping-Gesetzgebung in Deutschland erst nach dem Rücktritt von Bach als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) möglich geworden?

Prokop: Ich kann da nur spekulieren, aber der DOSB hat noch einen Entwurf gemacht für seine Mitgliederversammlung am 7. Dezember in Wiesbaden, die substanziell keine wesentlichen Neuerungen gegenüber dem beinhaltet, was der DOSB auf der letzten Mitgliederversammlung mit Bach gemeinsam zum Doping propagiert hat. Ich habe eher den Eindruck, dass sich die politische Führung nicht mehr so beeinflussen lässt durch die Willensbildung des DOSB.

Hat die Politik bei der Anti-Doping-Gesetzgebung nun selbst das Zepter in die Hand genommen?

Prokop: Ja. Die Politik beabsichtigt schärfere Gesetze zur Doping-Bekämpfung zu schaffen als der Sport es je wollte. Es ist eine merkwürdige Situation, dass die Politik dem Sport beim Doping davonläuft. Eigentlich müsste es umgekehrt sein und der Sport die Politik in dieser Frage vor sich hertreiben.

Sie setzen sich seit Jahren für ein Anti-Doping-Gesetz ein. Wahrscheinlich wird es ein Gesetz mit diesem Namen nicht geben.

Prokop: Es kommt letztendlich nicht darauf an, wie ein solches Gesetz heißt. Ob es nun Gesetz zur Verschärfung der Doping-Bekämpfung oder Anti-Doping-Gesetz heißt. Das ist nicht das Entscheidende. Es kommt auf den Inhalt an - und die Inhalte, die von der möglichen Großen Koalition angestrebt werden, gehen in die richtige Richtung.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) steht seit Jahren auf finanziell sehr wackeligen Beinen und muss immer wieder um die Mittelzuwendung vom Bund kämpfen. Ist da eine Lösung in Sicht?

Prokop: Ich habe den Eindruck, dass es in der Politik inzwischen ganz klar ist, dass ein finanzielles Vor-Sich-Hin-Darben der NADA nicht mehr akzeptiert werden soll. Da gibt es mehrere Vorstellungen, die das Ziel haben, dass es der NADA strukturell in Zukunft besser geht.

Die Zielvereinbarungen zwischen DOSB und den Spitzenverbänden müssen nun offengelegt werden. Ein guter Schritt?

Prokop: Wir waren schon immer für Transparenz. Wenn der Bund Förderungskriterien festlegt, sollte man sie auch offen legen. Dazu stehen wir. Ich finde richtig, dass die Zielvereinbarungen offen gelegt werden. Jeder kann uns daran messen. Ich möchte aber nicht verhehlen, dass der Kanu- und der Leichtathletik-Verband die einzigen waren, die die Vereinbarungen punktgenau erfüllt haben.

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