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WM 2022: Ein Gastarbeiter berichtet über die Arbeitsbedingungen in Katar

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Fußball  

Rückkehr ins Leben - Ein Gastarbeiter in Katar

18.11.2013, 16:19 Uhr | dpa

WM 2022: Ein Gastarbeiter berichtet über die Arbeitsbedingungen in Katar. Bhupendra Malla und seine Frau vor ihrer Wohnung in Kathmandu.

Bhupendra Malla und seine Frau vor ihrer Wohnung in Kathmandu. Foto: Doreen Fiedler. (Quelle: dpa)

Kathmandu (dpa) - Als Bhupendra Malla im Juni 2011 seine Heimat Nepal verließ, ahnte er noch nicht, dass es eine Reise wird, die sein Leben von Grund auf verändern würde. Ein Job als Lkw-Fahrer in Katar sollte helfen, das Einkommen seiner Familie zu sichern.

Eines Abends habe ihn sein neuer Chef angerufen, erinnert sich der 31-Jährige. "Er sagte, ein anderer nepalesischer Fahrer sei auf der Autobahn mit seinem Laster liegengeblieben, und bat mich, diesem zu helfen."

Malla fuhr hin, kletterte unter das Fahrzeug, und machte sich ans Reparieren. Genau in diesem Moment verlor der Fahrer eines anderen Lastwagens die Kontrolle über sein Fahrzeug und krachte in jenen Lkw, unter dem sich gerade Malla befand. "Ich habe zu mir selbst gesagt, dass ich nicht sterben darf, weil ich Familie und jede Menge Schulden habe. Danach verlor ich das Bewusstsein."

Wie durch ein Wunder überlebte der junge Nepalese den Unfall, doch sein rechtes Bein ist seitdem gelähmt. Der andere Fahrer fiel für sechs Monate ins Koma. Mittlerweile ist er zwar wieder erwacht, kann aber nicht stehen und kaum sprechen.

Bhupendra Malla ist seit einiger Zeit zurück und lebt in einem kleinen Häuschen in den Außenbezirken der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht vergessen. Drei Monate lag er mit Schmerzen in einem katarischen Krankenhaus. Danach nahmen ihn Landsleute, die ebenfalls zum Arbeiten in den Golfstaat gekommen waren, in ihrer Sammelunterkunft auf. Malla, noch immer arbeitsunfähig, durfte auf dem Boden schlafen.

Eine weitere medizinische Behandlung konnte er sich nicht leisten. Also hätten seine Zimmergenossen bei den Mahlzeiten auf Fleisch verzichtet, um mit dem Geld seine Arztrechnungen zu begleichen, erinnert sich Malla.

Andere Gastarbeiter forderten die nepalesische Botschaft auf, sich für ihn einzusetzen. Die Botschaft schickte einen Brief an Mallas Arbeitgeber, damit dieser die Versicherung und die Gehaltsnachzahlungen überwies. Doch so schnell wollte der Arbeitgeber nicht einlenken.

"Die Firma versuchte mich dazu zu bringen, ein Papier zu unterschreiben, wonach ich bereits mein gesamtes Gehalt erhalten hatte und wieder nach Hause zurückkehren wollte", berichtet Malla. "Glücklicherweise kann ich ein bisschen Englisch und weigerte mich."

Zwei entbehrungsreiche Jahre sollte es dauern, in denen der behinderte Gastarbeiter mal bei der Polizei, mal bei der Botschaft, mal vor Gericht erschien, bevor er doch noch sein Geld erhielt.

Und doch ist sein Schicksal alles andere als einzigartig. Jeden Tag kommen Hunderte von Gastarbeitern in Katar zu Schaden. Viele würden sterben, sagt Malla, weil sie "Sprachprobleme und Angst davor haben, in einem fremden Land um Hilfe zu bitten". Dabei ist die Arbeit im Ausland ein wichtiger Pfeiler der nepalesischen Wirtschaft, die sich zu 28 Prozent aus den Überweisungen aus dem Ausland speist - Tendenz steigend.

Im September tauchten Berichte auf, wonach allein zwischen dem 4. Juni und dem 8. August 44 nepalesische Arbeiter in dem Golfstaat ums Leben gekommen seien. Nepal forderte die Regierung in Katar auf, die Behandlung der Arbeiter genauer unter die Lupe zu nehmen. Immerhin geht die Regierung davon aus, dass in den vergangenen zehn Jahren 7200 nepalesische Gastarbeiter in den Golfstaaten und Malaysia umgekommen sind.

Scharfe Kritik an den Zuständen in Katar äußerte am Wochenende auch Amnesty International. So habe man im Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" festgestellt, so die Menschenrechtsorganisation.

Dabei reichen die sozialen Folgen der Arbeitsmigration weit über den Golfstaat hinaus. Nepal etwa verzeichne steigende Scheidungsraten, Kinder würden zurückgelassen und Probleme mit HIV nähmen zu, sagt der Soziologe Ganesh Gurung.

Bhupendra Malla ist im Juli nach Nepal zurückgekehrt. Zwar hatte er zuvor noch sein Geld von seinem früheren Arbeitgeber erhalten, doch geblieben ist ihm davon so gut wie nichts. Immerhin galt es, jene Schulden zurück zu bezahlen, die er in den zwei Jahren zuvor angehäuft hatte.

Nun wartet er auf die Versicherung der nepalesischen Regierung. Mit dem Geld will er einen Laden eröffnen. "Meine Frau kann die Waren bringen und ich kann mich sitzend ums Geschäft kümmern", sagt Malla - und greift nach seiner Krücke.

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