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Posterboy Carlsen weckt Hoffnungen der Schach-Welt

23.11.2013, 13:40 Uhr | dpa

Posterboy Carlsen weckt Hoffnungen der Schach-Welt. Der Norweger Magnus Carlsen ist neuer Schach-Weltmeister.

Der Norweger Magnus Carlsen ist neuer Schach-Weltmeister. Foto: Manjunath Kiran. (Quelle: dpa)

Chennai (dpa) - Die rauschende Titelparty ließ Magnus Carlsen ausfallen. Der neue König der Schach-Welt verzog sich nach einem kurzen Jubelbad im Swimmingpool bald auf sein Hotelzimmer und verzockte die Nacht beim Pokern.

Schon bald aber wird sich der 22 Jahre alte Norweger den großen Hoffnungen stellen müssen, die viele mit seinem WM-Triumph gegen den indischen Titelverteidiger Viswanathan Anand verbinden. "Der Beginn einer neuen Ära", titelten indische Zeitungen.

Jung, sexy, erfolgreich - Carlsen könnte den Schachsport als Posterboy von der eher muffigen Gegenwart in eine leuchtende Zukunft führen. Das zumindest ersehnen diejenigen, die genug von den Querelen im erstarrten Weltverband FIDE haben und sich dringend frische Impulse für das Schachspiel wünschen. Hohe Erwartungen an den als Wunderkind und Schach-Mozart gefeierten Twen aus Oslo. "Ich bin erstmal glücklich, gewonnen zu haben. Lasst uns doch die Geschichtsbücher später schreiben", meinte Carlsen zurückhaltend.

Doch mit seinem rasanten Aufstieg zum Besten seiner Zunft hat der neue Champion selbst die Fantasien beflügelt. Mit 13 war er bereits Internationaler Großmeister, seit vier Jahren führt er die Weltrangliste an. Im Februar dieses Jahres erreichte Carlsen eine Elo-Zahl von 2872 Punkten, die höchste in der Geschichte. Die Elo-Zahl beschreibt die Stärke eines Schachspielers, also sein wahres Können.

Auch als Werbe-Botschafter einer Modemarke machte Carlsen eine gute Figur, wurde mit den Stil-Ikonen David Beckham und Justin Bieber verglichen. Die norwegische Zeitung "Verdens Gang" kürte den neuen Nationalhelden nach seinem Titelgewinn zum Schachspieler mit dem größten Sexappeal weltweit. Das "Time Magazin" hievte ihn sogar schon im April auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten. Carlsen fühlt sich mit dem Hype jedoch eher unwohl. "Vielleicht höre ich jetzt auf mit dem Schachspiel und bin einfach nur eine Berühmtheit", scherzte er.

Die Regierungserklärung eines neuen Anführers klingt anders. Die Frage, ob Carlsen seinen Sport als globaler Botschafter wieder aus der Nische herausführen und Schach zu neuer Popularität verhelfen kann, muss zunächst einmal er selbst entscheiden. Seine Heimat hat er hinter sich. "Ganz Norwegen hat gebannt vor den Fernsehschirmen gesessen und den WM-Kampf verfolgt", sagte Regierungschefin Erna Solberg. Doch Norwegen ist auf der Weltkarte des Sports eher keine entscheidende Größe. Wenn Carlsens beeindruckender Triumph von Chennai tatsächlich den Beginn einer neuen Ära markieren soll, dürfte dem Wunderjungen nur noch wenig Zeit für Poker-Nächte bleiben.

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