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"Redaktioneller Missgriff": Blindenfußballer wird bloßgestellt

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"Redaktioneller Missgriff"  

Fragwürdiger Satire-Beitrag stellt Blindenfußballer bloß

03.12.2013, 14:02 Uhr | dpa

"Redaktioneller Missgriff": Blindenfußballer wird bloßgestellt . Der Spieler Robert Warzecha (Mitte) vom Deutschen Meister im Blindenfußball, der SSG Blista Marburg, schießt während des Blindenfußballmasters den Ball an Renee Thissen (re) von den Guide Dogs Mainz vorbei. Alle Spieler tragen Augenbinden, damit Spieler mit einem Rest Sehvermögen nicht im Vorteil sind. Die Bälle sind mit Rasseln gefüllt. (Quelle: dpa)

Der Spieler Robert Warzecha (Mitte) vom Deutschen Meister im Blindenfußball, der SSG Blista Marburg, schießt während des Blindenfußballmasters den Ball an Renee Thissen (re) von den Guide Dogs Mainz vorbei. Alle Spieler tragen Augenbinden, damit Spieler mit einem Rest Sehvermögen nicht im Vorteil sind. Die Bälle sind mit Rasseln gefüllt. (Quelle: dpa)

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), verlangt von der Berliner Tageszeitung "taz" wegen eines "redaktionellen Missgriffs" eine Entschuldigung. Am vergangenen Samstag hatte die "taz" in ihrer Satire-Rubrik "Gurke des Tages" zur Ankündigung einer Reportage des TV-Senders EinsPlus über den Blindenfußballer Robert Warzecha geschrieben: "Wer immer auch Robert Warzecha ist, dafür braucht es doch keine Fernsehreportage. Der Weg des blinden Fußballers lässt sich doch auch in wenigen Worten nacherzählen: 'Aua, huch, oh, nanu, uups, oje, hoppla, ach, seufz, o weh - Sorry, Schiri. Ich dachte, Sie wären dieser verdammte Torpfosten!'"

Beucher wandte sich in einem Brief an "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl. "Wir sind weder humorlos noch haben wir etwas gegen Satire. In diesem Fall bitten wir Sie, den redaktionellen Missgriff, der nicht das Werk eines Einzelnen sein kann, zu tadeln. Niemand soll sagen, er habe das nicht bemerkt", schrieb Beucher und forderte die "taz" zu einer Entschuldigung "für die Entgleisung" auf.

Warzecha: "Es hat weh getan"

Mit ihren Bemerkungen habe die "taz" das gemeinsame Anliegen der DFB-Stiftung Sepp Herberger, des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) und des DBS, Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, eklatant missachtet, so Beucher weiter.

Satire-Opfer Warzecha gab derweil an, dass er beim Hören des Textes "erst einmal sprachlos" gewesen sei. Es habe ihm "weh getan, dass da einer, der noch nie ein Fußballspiel der Blinden gesehen hat, der den Film nicht gesehen hatte, mir unterstellt, ich könnte einen Schiedsrichter - also einen Menschen - nicht von einem Stück Aluminium unterscheiden".

Entschuldigung des verantwortlichen Redakteurs bleibt aus

Die "taz"-Chefredaktion kündigte eine Stellungnahme durch den verantwortlichen Redakteur Michael Ringel an, die in der Samstagsausgabe der Zeitung veröffentlicht werden soll.

Ringel antwortete Beucher, dass "wir normalerweise nicht auf Stellvertreter-Empörung reagieren". Aber wenn ihn der 26-jährige Warzecha fragen sollte, was an dem Text komisch sein solle, dann würde er ihm Folgendes sagen: "Stellen Sie sich vor, Sie sind blind ... Das müssen Sie sich selbstverständlich nicht vorstellen, Sie sind es ja. Aber stellen Sie sich vor, Sie sind blind, und ständig kommt jemand auf Sie zu und sagt: 'Sie sind ja blind, Sie armer, armer Mensch.' Wäre das nicht ganz schrecklich?"

In der Tat sei dies laut Ringel "ganz schrecklich, weil es nämlich dauernd passiert und diese lauen Mitfühler Sie mit Mitleid überschütten. Mitleid aber ist die schlechteste Medizin. Es trübt den Blick und vernebelt die Sinne. Besser ist es, wenn jemand über Sie lacht, weil Sie damit Teil einer Gemeinschaft werden."

Auch ein Telefonat mit Ringel half Warzecha nach eigenem Bekunden nicht weiter: "Entschuldigt hat er sich bei mir nicht. Er hat in einem neuen Beitrag ja sogar so getan, als hätten wir gemeinsam gescherzt." Blindenfußball-Bundestrainer Ulrich Pfisterer sprach dem Autoren "emotionale Reife" ab.

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