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JayJay bereitet Weg für Togos Debüt bei Winter-Olympia

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JayJay bereitet Weg für Togos Debüt bei Winter-Olympia

30.01.2014, 14:19 Uhr | dpa

München (dpa) - Kurz vor Sotschi steckt Gervacio "JayJay" Madja im Gefühlsdilemma. Seinen Traum vom eigenen Start als erster Togolese bei Olympia kann sich der Münchner zwar nicht erfüllen, dennoch hat der Ski-Exot maßgeblich den Weg für die Winterspiel-Premiere der Westafrikaner bereitet.

"Mir persönlich tut es weh, es ist viel Wehmut dabei, ich wäre gerne bei Olympia gelaufen", erzählt Madja, der nach seiner Teilnahme im Langlauf bei der nordischen Ski-WM vor elf Monaten von einer Verletzung gebremst wurde. "aber natürlich macht es mich stolz, dass man für die Nation einiges erreicht hat, dass die Mathilde jetzt diese Möglichkeit hat." Unterstützt von Knowhow und Begeisterung aus Bayern wird nun die in Frankreich lebende Mathilde Petitjean im Langlauf die Farben Togos vertreten - trotz aller Hürden in diesem verrückten Vorhaben.

Die Geschichte von der ungewöhnlichen Wintersportnation begann in Deutschland. Ennio Herrgen und Steve Grundmann, zwei Hobby-Skicrosser, wollten sich als Team Togo ihre Olympia-Sehnsucht erfüllen. Der Plan scheiterte wegen beruflicher Verpflichtungen und Schwierigkeiten auf deutscher Seite mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. Doch die Grundidee stand: Ihr Freund Eve-Roger Evenamede aus Wiesbaden wurde Präsident des 2012 gegründeten togolesischen Skiverbands, Grundmann organisiert den Olympia-Trip.

Als gebürtiger Togolese kam Madja vor der Weltmeisterschaft in Val di Fiemme mit an Bord des Teams, in nur zweieinhalb Monaten stieg der Software-Entwickler vom absoluten Anfänger zum WM-Teilnehmer auf. "Das Interesse war sehr groß, vielleicht weil ich etwas pigmentierter bin und auf Langlaufski stand", erinnert der 27-Jährige schmunzelnd.

Im Sprint brauchte Madja als 128. und Letzter zwar mehr als doppelt so lange wie Weltmeister Nikita Krijukow, doch der Bayer war Liebling von Fans und Medien. Bei einem erneuten Besuch im italienischen WM-Ort eine Woche später bat ihn der Hotelmanager in den Speisesaal, wo 400 Norweger saßen. "Als sie mich erkannt haben, standen sie während des Essens auf und haben fünf Minuten lang applaudiert", berichtet Madja. "Das hat mich sehr gerührt."

Ein Beckenschiefstand zwang ihn danach zu einer Trainingspause, machte Olympia unmöglich. Via Facebook meldete sich bei ihm Petitjean, die früher im französischen Juniorenkader stand und für Togo starten will. "Sie ist ein zielstrebiges Mädel, das die Basis hat auf längere Sicht etwas zu erreichen. Das war mein Ziel: Dass so jemand gefunden wird", sagt Madja.

Petitjean schaffte locker die Olympia-Norm, erreichte bei der Junioren-WM einen achtbaren 43. Platz im Sprint. "Wenn mir jemand eines Tages gesagt hätte, dass ich bei den Olympischen Spielen teilnehme, hätte ich das nicht geglaubt - und noch weniger, dass ich die Farben Togos trage", schwärmt die 19-Jährige. Am Mittwoch wird die sechsköpfige Delegation nach Sotschi starten. "Es hat uns kaum jemand zugetraut, dass wir in so einer kurzen Zeit ein Team aufstellen und dann noch mit einer Sportlerin, die Potenzial hat, an den Start gehen", sagt Toni Hiltmair, Sprecher der Unternehmung, voller Stolz über das "Wahnsinnsprojekt".

Die Wege nach Togo seien weit, umschreibt der Münchner die aufwendige Zusammenarbeit mit dem Nationalen Olympischen Komitee. Visa für Russland, Flüge, Akkreditierungen müssen organisiert werden, möglicherweise geht auch noch eine zweite Athletin aus Italien für Togo in Sotschi an den Start.

Und auch JayJay hat seine Karriere noch nicht aufgegeben, gemeinsam mit Petitjean will er mit Blick auf die WM 2015 in Falun noch einmal angreifen. Zuvor wird Madja seine Teamkollegin möglicherweise als Olympia-Tourist unterstützen. "Wenn das nicht klappt, werden wir in Togo-T-Shirts in unserem Lokal zusammensitzen und die Mathilde kräftig anfeuern." Mit viel Stolz und wohl auch ein bisschen Wehmut.

Aus elf afrikanischen Nationen haben nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees bislang Sportler an Winterspielen teilgenommen. Bislang waren erst neunmal Sportlerinnen für ein afrikanisches Land am Start.

Olympische Spiele

afrik. Teilnehmer

Länder

Vancouver 2010

7 (7 Männer)

Algerien, Äthiopien, Ghana,

Marokko, Südafrika, Senegal

Turin 2006

9 (8 Männer, 1 Frau)

Algerien, Äthiopien, Kenia,

Madagaskar, Südafrika,

Senegal

Salt Lake City 2002

3 (3 Männer)

Kamerun, Kenia, Südafrika

Nagano 1998

3 (2 Männer, 1 Frau)

Südafrika, Kenia

Lillehammer 1994

3 (2 Männer, 1 Frau)

Südafrika, Senegal

Albertville 1992

19 (16 M, 3 F)

Algerien, Marokko, Senegal,

Swasiland

Calgary 1988

3 (3 Männer)

Marokko

Sarajewo 1984

6 (6 Männer)

Ägypten, Marokko, Senegal

Grenoble 1968

5 (5 Männer)

Marokko

Squaw Valley 1960

4 (1 Mann, 3 Frauen)

Südafrika

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