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Olympia 2014 in Sotschi: Größer, teurer, skrupelloser

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Olympia 2014  

Sotschi: "Größer, teurer, skrupelloser"

03.02.2014, 15:40 Uhr | sid

Olympia 2014 in Sotschi: Größer, teurer, skrupelloser. Sotschi ist bereit für die Olympischen Winterspiele. (Quelle: Reuters)

Sotschi ist bereit für die Olympischen Winterspiele. (Quelle: Reuters)

Für Juan Antonio Samaranch waren die Spiele von Lillehammer schlicht "the best Olympic Winter Games ever", wie der damalige IOC-Präsident am Abend des 27. Februar 1994 sagte. Das musste nicht viel heißen - Sportfunktionäre waren schon damals großzügig mit überschwänglichem Lob. Dennoch blicken Zuschauer wie Athleten noch heute mit funkelnden Augen zurück auf Spiele, die viele als familiär und herzlich empfanden.

Von einem "Märchen aus der Vergangenheit" schwärmte die "Neue Zürcher Zeitung" noch im Februar 2013. Heute, sollte das auch heißen, ist so etwas nicht mehr möglich. Und der Blick nach Sotschi bestätigt dieses Urteil auf eindrückliche Weise. "Größer, teurer, skrupelloser" schimpfte der Deutschlandfunk über den "Gigantismus" in Russland.

In Lillehammer stand dagegen schon der Name des damals von 23.000 Seelen bewohnten Ortes für Bescheidenheit: "Der kleine Berghang." Das Budget der Winterspiele 1994 betrug 7,4 Milliarden Kronen, was damals umgerechnet 1,7 Milliarden Mark entsprach. 1,3 Milliarden Kronen (300 Millionen Mark) wurden für Sportbauten aufgewendet.

Acht Millionen Euro für das Einlagern von Schnee

Zum Vergleich: In Sotschi soll allein die Straße, die den Küstenort mit der Wintersportregion Krasnaja Poljana im Kaukasus verbindet, 200 Millionen Euro gekostet haben - pro Kilometer. Acht Millionen Euro verschlingt das Einlagern von Schnee, das die Wettkämpfe gegen frühlingshafte Temperaturen sichern soll.

Der Gesamtetat der teuersten Spiele der Geschichte beträgt annähernd 40 Milliarden Euro. "Die Gigantomanie schreckt die Leute", sagt das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg. Der 74-Jährige war OK-Chef in Lillehammer. Auch damals sei nicht alles Gold gewesen, was heute im verklärten Rückblick glänzt, meint er. So hatten die Organisatoren ursprünglich mit einem Fünftel der tatsächlichen Kosten kalkuliert. Auch trage sich bis heute keine der damals errichteten Anlagen selbst, nicht einmal die weltberühmten Skisprung-Schanzen.

"Zu kompliziert, zu kostspielig"

Sotschi aber, sagt er, sei "negativ" für die olympische Bewegung. "Die Leute denken, dass das zu groß ist, zu kompliziert, zu kostspielig. Das darf nicht sein." 1994 fanden 61 Wettbewerbe in zehn Sportarten statt. In Sotschi sind es 98 Entscheidungen in 15 Sportarten.

Für jeden Baum, der damals bei den ersten "grünen Spielen" gefällt wurde, wurde ein Bußgeld von umgerechnet 11.600 Mark fällig. Auch in Sotschi gibt es ein Programm für Wiederaufforstung: Für jede entsorgte Fichte, scherzen Kritiker, lasse Wladimir Putin am Strand eine Palme pflanzen. "Olympia, wie es derzeit aufgeführt wird, hat mit der ursprünglichen Idee des Sports nichts mehr zu tun", sagt deshalb die Grünenpolitikerin Viola von Cramon.

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Schuld daran, da sind sich die Kritiker einig, trägt das Internationale Olympische Komitee. Dieses, sagte die frühere Fechterin Imke Duplitzer der "Zeit", wolle sicher irgendwann noch "die Eishockeystadien mit Blattgold verzieren".

"Die größte Baustelle der Welt"

Ski-Rennläufer Felix Neureuther hat "diese Herren" kürzlich im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ermahnt, sie müssten sich "Gedanken machen". Beim Publikum entstehe mehr und mehr der Eindruck, Olympia würde nur noch dort stattfinden, "wo am meisten bezahlt wird". Auch deshalb fiel die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2022 bei der Bevölkerung durch. "Kost ois zvui!" - alles viel zu teuer, schimpften die Leute.

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Oder, wie es Axel Doering von NOlympia ausdrückte: "Olympia ist zu groß." In Turin und Vancouver verhinderten nur ein paar Bilanz-Tricks ein Millionen-Minus. In Sotschi hat der Gigantismus auf der "größten Baustelle der Welt" (Eigenwerbung) einige Opfer gefordert - in der Natur, aber auch unter Bauarbeitern und der Bevölkerung.

Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch kritisieren wie zuvor in Peking oder bei der Fußball-WM 2022 in Katar "Ausbeutung und Missbrauch". Und das IOC? Präsident Thomas Bach will laut seiner "Agenda 2020" unter anderem die Bewerbungskriterien für potenzielle Ausrichter auf den Prüfstand stellen. Na dann, es gibt viel zu tun für Bach.

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