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Ski-Techniker in Sotschi: "Kein Beruf, eher Berufung"

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Olympia 2014  

Ski-Techniker in Sotschi: "Kein Beruf, eher Berufung"

04.02.2014, 09:06 Uhr | dpa

Ski-Techniker in Sotschi: "Kein Beruf, eher Berufung". Enrico Heisig arbeitet im Container des deutschen Teams an der Optimierung des Materials.

Enrico Heisig arbeitet im Container des deutschen Teams an der Optimierung des Materials. Foto: Kay Nietfeld. (Quelle: dpa)

Krasjana Poljana (dpa) - Die Maschine, die Andrea Henkel, Eric Frenzel, Severin Freund oder Claudia Nystad bei der olympischen Goldsuche den entscheidenden Vorteil bringen kann, steht im Parkhaus von Krasjana Poljana in einem kleinen Container.

Nebenan thronen die riesigen Wachstrucks der Finnen, Russen und Norweger - die Deutschen haben ihren Laster diesmal auch aus Kostengründen zu Hause gelassen. Auf der anderen Straßenseite fährt die Seilbahn hinauf zum olympischen Dorf und den Wettkampfstätten. Enrico Heisig, der Cheftechniker des Deutschen Skiverbandes, ist in der Früh extra heruntergekommen, um die Schleifmaschine in Empfang zu nehmen. Kurz vor Mitternacht hat er alles erledigt und trotz aller Widrigkeiten die Ruhe bewahrt. Erst hatte der Lkw mit der Maschine an Bord eine Panne, dann wurde der bestellte und schon bezahlte Strom nicht geliefert. "Aber jetzt können die Athleten kommen", sagt Heisig.

Der Schliff am Ski ist das Basispaket, das erst einmal stimmen muss. Der 43-jährige Heisig vergleicht das gerne mit der Formel 1. "Auf trockener Strecke fährt man einen Slick-Reifen ohne Profil, wird es nass, kommt der Regenreifen mit Rillen raus. So in etwa kann man sich das bei uns auch vorstellen. Mit dem Unterschied, dass es dazwischen noch ganz viele Abstufungen gibt."

Auf das Material wird es ankommen bei den Winterspielen und es wird nicht einfach werden, den richtigen Sotschi-Ski zu finden. "Ich würde es schon als schwierig einschätzen. Aufgrund der Wetterkapriolen, die entstehen können", sagt Heisig über die Sotschi-Mission. Der Oberhofer ist seit dem Frühjahr 2011 vor allem für die Entwicklung und Forschung im Materialbereich verantwortlich, koordiniert die verschiedenen Aktivitäten, Projekte und Tests aller nordischen Disziplinen inklusive Biathlon.

In Sotschi sind die Techniker besonders gefordert, das Wetter in den Bergen ist unberechenbar. "Es kommt darauf an, dass man einen Allround-Ski findet, der in allen Bereichen gut funktioniert", weiß Heisig. Ehe die deutschen Skilangläufer, Kombinierer, Biathleten und Skispringer an diesem Mittwoch erstmals an Ort und Stelle trainieren, haben Heisig und weitere sieben Techniker alles vorbereitet. Denn mancher Sportler scheitert, nur weil er glaubt, im Nachteil zu sein.

Schon im Juni 2013 wurde mit der Planung begonnen. Doch all das wird schnell in Vergessenheit geraten, wenn es nicht klappt, wenn die schwache Leistung auf den falsch gewachsten Ski und damit auf den Techniker geschoben wird. "Wir hoffen natürlich, dass dieser Fall nicht eintritt. Wir versuchen", sagt Heise, "den Athleten das schnellstmögliche Material an die Füße zu schnallen."

Wenn es richtig losgeht, sind der Cheftechniker und weitere 25 Spezialisten vor allem in den Wachskabinen und auf der Strecke tätig. Zum Langlauf-Team gehören zehn Mann, im Biathlon sind es sechs. Vier sind es in der Nordischen Kombination. Einer ist für die Skispringer dabei. "Wir haben eine eigene Datenbank, auf die jede Disziplin zurückgreifen kann. Das ist ein gebündeltes Wissen, das kann uns eigentlich nur in der Gesamtheit helfen", sagt Heisig.

20 bis 30 Paar Skier sind pro Athlet im Gepäck. "Man muss den besten Ski im Vorfeld heraustesten, dazu muss man mit ihm mindestens eine Stunde laufen", sagt Heisig. Deshalb muss ein Skitechniker auch ein Sportler sein, vier bis sechs Stunden sind die Männer im Hintergrund am Tag im Schnitt unterwegs.

"Viele Leute denken immer, die Techniker stehen nur in der Wachskabine und schmieren Wachs drauf. Aber da gehört viel mehr dazu", sagt Heisig. Die meisten Techniker waren ehemalige Athleten, sie werden getrieben durch die Liebe zum Sport, durch das Interesse, das Material zu verbessern. "Das ist kein Beruf, eher eine Berufung", weiß Heisig, der bis 1998 selbst als Kombinierer mit Sprung- und Langlaufski unterwegs war. "Seitdem", sagte er, "bin ich dabei mit Herz und Seele." Und mit Bügeleisen zum Wachsauftragen und Schutzmaske gegen die giftigen Dämpfe.

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