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Olympia 2014: Die teuerste Propaganda-Show der Olympia-Geschichte

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Olympia 2014  

Die teuerste Propaganda-Show der Olympia-Geschichte

05.02.2014, 17:31 Uhr | dpa

Olympia 2014: Die teuerste Propaganda-Show der Olympia-Geschichte. Thomas Bach und Wladimir Putin werden die Olympischen Winterspiele eröffnen.

Thomas Bach und Wladimir Putin werden die Olympischen Winterspiele eröffnen. Foto: Alexei Nikolsky. (Quelle: dpa)

Sotschi (dpa) - Wladimir Putin dachte sich das Olympia-Märchen bei einer Geländeausfahrt in seinem Jeep aus - vor zehn Jahren in seiner Sommerresidenz in Sotschi. Dass daraus die teuerste Propaganda-Show der olympischen Geschichte entstanden ist, scheint ihn nicht zu stören.

Der Kremlchef denkt gern in riesigen Dimensionen. Wenn er am Freitag im Fischt-Stadion von Sotschi die Winterspiele eröffnet, können sich mehr als drei Milliarden TV-Zuschauer von seinem neuen Russland überzeugen. "Wir sind uns bewusst, was für eine schwere Entscheidung es war, die Spiele an eine Stadt zu vergeben, die nur zehn bis 15 Prozent der notwendigen Infrastruktur hatte", erklärte das Staatsoberhaupt. Das IOC habe Vertrauen bewiesen.

Putin freut sich auf die gigantische Selbstdarstellung im Namen von Olympia. IOC-Präsident Thomas Bach verteidigt das Großereignis bei jeder Gelegenheit, kritisierte bei der Eröffnung der IOC-Session in Anwesenheit Putins aber deutlich, die Spiele sollten nicht politisch missbraucht werden. Namen nannte er keine. Das Reizklima um Putins Prestigeprojekt wirft schon vor der Eröffnung die Frage auf: Wem gehören diese politisierten Spiele eigentlich? Im Spannungsfeld zwischen olympischem Schein und Wirklichkeit hat sich eine globale Diskussion entwickelt, die dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nachhaltig schaden könnte.

"Weltklasse-Sportstätten" (Bach), ausgezeichnete Athletendörfer, Teilnehmer- und TV-Rekorde stehen Terrorgefahr aus dem Krisengebiet Nordkaukasus, Kritik am russischen Anti-Homosexuellen-Gesetz und ausgebeutete Wanderarbeiter gegenüber. Trotz seiner beharrlichen Ansagen, das IOC dulde Diskriminierungen jeglicher Art nicht, kann Bach das Sotschi-Dilemma nicht einfach weglächeln. Schließlich haben die ersten Winterspiele in Russland auch in den Bereichen Umweltsünden und Kosten Olympia-Rekorde aufgestellt. Die Macher von Olympia 2014 ließen in der Bergregion Krasnaja Poljana zwei komplette Urlaubsorte in den Kaukasus fräsen, mit samt Anbindung via Autobahnen und Eisenbahn.

Im Bewerbungsverfahren hatten die Russen noch versprochen, die Umwelt zu ehren. Knapp 51 Milliarden Dollar (37,5 Milliarden Euro) hat der Kreml insgesamt in die olympische Infrastruktur investiert. Elf Wettkampfstätten wurden neu gebaut - im Olympia-Park an der Küste unterstreichen die futuristische Bolschoi-Eisarena und der architektonisch gewagte Iceberg Russlands Anspruch auf Großartigkeit.

Die Bestmarken von 87 teilnehmenden Nationalen Olympischen Komitees und TV-Übertragungen in mehr als 200 Ländern passen dazu. Sotschi 2014 sei, so Putin, Russlands Beitrag zu einer besseren Welt durch Sport. 98 Entscheidungen und damit zwölf mehr als 2010 in Vancouver garantieren jede Menge Höhepunkte. Unter anderem die Skispringerinnen und Slopestyler feiern Olympia-Premiere und versprechen sich neben viel Hype vor allem Akzeptanz auf der großen Bühne.

Auch für den deutschen Sport ist Sotschi eine wichtige Bewährungsprobe. Nach dem ersten Platz in der Nationenwertung von Turin 2006 mit 29 Medaillen (11 Gold/12 Silber/6 Bronze) reichte es vier Jahre später in Vancouver mit 30 Medaillen (10/13/7) zu Rang zwei. Genaue Prognosen lehnen die Leistungsplaner des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ab. Es werde für das 153-köpfige Team "sehr, sehr schwer, das Vancouver-Ergebnis zu wiederholen", erklärte der neue DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Schwer, aber keine Utopie, so DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Besonders die erfolgsverwöhnten Asse im Ski alpin, Ski nordisch und Bob und Rodeln haben Aussichten auf Gold. ARD und ZDF werden im Wechsel 740 Stunden im Fernsehen und im Internet von den Sotschi-Spielen berichten.

Putin will mit seinem langjährigen Olympia-Traum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Zukunftsfähigkeit seines Landes soll sich auch in sportlichen Großtaten ausdrücken. In Vancouver enttäuschte das russische Team als Elfter im internationalen Vergleich mit nur 15 Medaillen (3/5/7). "Jeder in Russland will gewinnen. Deshalb wurde entschieden, dass die besten Geschäftsleute des Landes Führungsrollen in nationalen Verbänden übernehmen sollen", gab Biathlon-Funktionär Sergej Kuschtschenko zu. Die Oligarchen Michail Prochorow, Andrej Bokarew, Alexej Krawtsow und Wagit Alekperow engagieren sich in verschiedenen Verbänden und stecken Dutzende von Millionen in Personal und Trainingsbedingungen. Prochorow sei allein durch seinen Patriotismus motiviert worden, behauptete Kuschtschenko. "Der Nationalstolz kommt vor allem andern."

Russland ist bemüht, sich während Olympia als moderne und facettenreiche Wirtschaftsmacht zu präsentieren. Allein schon der Fackellauf über 65 000 Kilometer habe die Vielfalt und Möglichkeiten seines Landes eindrucksvoll dokumentiert, tönte Putin am Dienstag. Schlittenhunde schleppten die Fackel in die Arktis, ein Eisbrecher transportierte sie zum Nordpol, Kosmonauten nahmen sie per Rakete sogar mit ins All. Der Größenwahn ist ganz nach dem Geschmack des Präsidenten. Genauso wie die russischen Eishockey-Cracks aus der nordamerikanischen Profiliga NHL im Bruderkampf mit den USA. Oder Putins Liebling Jewgeni Pluschenko. Der Eiskunstlauf-Star taugt selbst nach 13 Operationen noch für eine Heldengeschichte.

Spektakel und Superlative werden von den russischen Fans bis zur Schlussfeier am 23. Februar erwartet. Dopingskandale - trotz der Rekordzahl von 2453 Tests - Demonstrationen oder Sicherheitsparanoia werden befürchtet. Nach offiziellen Angaben verteidigen 40 000 Sicherheitskräfte Olympia. Inoffiziell sollen es mehr als 60 000 sein, aber sogar Russlands Kontrollwahn kann Auftritte ausländischer Aktivisten gegen Menschenrechtsverstöße kaum verhindern.

Bach wertet die aktuellen Diskussionen als positive Wirkung der Spiele. "Nelson Mandela hat einen ganz einfachen Satz gesagt", zitierte der Ober-Olympier aus Tauberbischofsheim. "Sport kann die Welt verändern." Durch die Vergabe der Spiele an Sotschi hat das IOC Russland die gewünschte Entwicklungshilfe beim Wiederaufbau eines Wintersportzentrums nach der Auflösung der Sowjetunion geleistet. Warum dieses Wintersportzentrum ausgerechnet bei subtropischem Klima unter Palmen an der russischen Riviera entstanden ist, konnten weder Bach noch sein Vorgänger Jacques Rogge überzeugend erklären.

Tatsächlich ist der auch vom IOC hochgelobte Wandel Sotschis und der Bergregion Krasnaja Poljana von einem leicht angestaubten Kurort in ein ganzjährig attraktives Touristen- und Kongresszentrum auf der Grundlage von Missständen aufgebaut. Putin-Spiele? Natürlich seien es Putin-Spiele, stellte Dmitry Tschernyschenko, Präsident des lokalen Organisationskomitees SOCOG klar. "Hier geht es um Spiele und Athleten", sagte Bach. Deshalb freue er sich riesig, wenn es am Freitag endlich losgeht. Es klang fast nach Erleichterung.

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