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Deutsche Athleten konzentrieren sich bei Olympia 2014 voll auf den Sport

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Olympia  

Heiße Themen, kühle Athleten: Konzentration auf Sport

06.02.2014, 09:29 Uhr | dpa

Deutsche Athleten konzentrieren sich bei Olympia 2014 voll auf den Sport. Tobias Angerer will sich vor allem auf den Sport und weniger auf die Politik konzentrieren.

Tobias Angerer will sich vor allem auf den Sport und weniger auf die Politik konzentrieren. Foto: Kay Nietfeld. (Quelle: dpa)

Sotschi (dpa) - Menschenrechte, Anti-Homo-Gesetz, Umweltzerstörung: Viele deutsche Athleten sehen es kritisch, wollen es aber bei den Winterspielen in Sotschi nicht laut sagen.

Sticker mit dem Regenbogen-Symbol der Schwulen tragen, lautstark die Menschenrechte einfordern oder energisch gegen Naturzerstörung protestieren? Die deutschen Athleten haben sich vor Olympia 2014 in Sotschi zwar viele Gedanken über das Anti-Homosexuellen-Gesetz oder die Meinungsfreiheit in Russland gemacht, doch in Sotschi wollen sie nur eines: physisch und psychisch gerüstet in die Wettbewerbe auf Eis und Schnee starten. "Ich bin in erster Linie Sportler und konzentriere mich darauf, was von mir erwartet wird: vorne mitzulaufen", sagte Skilangläufer Tobias Angerer.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein denkt ebenso. "Als Sportlerin gehe ich in die Halle rein. Ich will meine Leistung bringen und meinen Sport machen", meinte die fünfmalige Olympiasiegerin. "Ich bin keine Politikerin." Die Nationalmannschaft der Eishockeyfrauen hat ein gemeinsames Ziel, wie Kapitän Susann Götz erklärte: "Wir haben für uns festgelegt, dass es besser ist, wenn wir uns auf den Sport konzentrieren." Mit fehlendem Interesse habe das nichts zu tun. "Wir sind viele Studenten, beschäftigen uns viel mit Politik, das ist allgegenwärtig", ergänzte die Stürmerin.

Eine klare Ansage zum Thema Protest hat jedoch ihr Bundestrainer gemacht. "Wir wollen nicht, dass irgendeine Spielerin hier protestiert, das lassen wir auch nicht zu", sagte Peter Kathan. "Im Vorfeld unserer Trainingsvorbereitung für die Spiele können wir keine Spielerin einmarschieren lassen, die andere Gedanken hat. Die kann sie haben, aber sie braucht sie ja nicht äußern."

Snowboarderin Amelie Kober verzichtet freiwillig darauf. "Ich denke, man kann seine Augen nicht ganz verschließen, was da passiert", sagte die Olympia-Zweite von 2006 im Parallel-Riesenslalom und betonte: Der Sport komme an erster Stelle. Ähnlich sieht es Disziplin-Kollegin Selina Jörg. "In den zwei Wochen ist es nicht unsere Aufgabe, uns mit dem Thema zu beschäftigen", sagte sie. "Klar finde ich traurig, was im Vorfeld abgelaufen ist, aber ich werde mich auf meine Aufgaben konzentrieren."

Bedauerlich findet auch Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch, dass man sich beim größten Sportfest der Welt mit solchen Themen befassen muss. "Alles in allem versuchen wir, uns voll und ganz auf den Sport zu konzentrieren, deswegen sind wir hier", sagte die Doppel-Olympiasiegerin.

Andere Töne schlug ihr Ski-Kollege Felix Neureuther vor dem Olympia-Start am Freitag an. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die anderen Sportler das einfach ausblenden können", meinte die Slalom-Goldhoffnung zur Vergabe der Winterspiele nach Sotschi. "Das berührt mich alles schon. Ich glaube, man muss umdenken, den Sport wieder in den Mittelpunkt stellen."

Den deutschen Athleten ist es im übrigen frei gestellt, ihre Meinung kund zu tun. "Die Athleten sind mündige Bürger. Sie können sich politisch äußern, sie dürfen auch schweigen", erklärte Chef de Mission Michael Vesper. "Niemand wird gedrängt, sich zu äußern, und niemandem untersagt, seine Meinung kund zu tun."

Die Regel 50 der olympischen Charta besagt nur, dass an den Sportstätten und im Wettkampf nicht politisch demonstriert werden darf. "Das ist eine einleuchtende Regel. Denn jede Demonstration würde eine Gegendemonstration hervorrufen, und flugs würde die Arena vom Sport- zum Demo-Platz", so Vesper. "Das kann niemandes Interesse sein."

Die Vorsitzende der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Claudia Bokel findet es legitim, wenn ein Sportler sich äußern möchte. "Wenn er es nicht machen will, sollte er es lassen. Das muss jeder für sich entscheiden", meinte die frühere Degen-Weltmeisterin, betonte jedoch: "Ich finde es nicht verwerflich, wenn ein Athlet sagt, lasst mich auf meinen Sport konzentrieren, das ist der Wettkampf meines Lebens und ich will eine gute Leistung bringen."

IOC-Präsident Thomas Bach billigt jedem Sportler das Recht auf freie Meinungsäußerung zu, warnt jedoch, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. "Wir müssen die Sportler davor bewahren, dass sie in politische Auseinandersetzungen hineingezogen werden. Dass zum Teil auch Druck auf sie ausgeübt wird, sich politisch zu positionieren", sagte er.

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