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Olympia 2014  

Rodel-König Felix I. vor langer Regentschaft

10.02.2014, 20:04 Uhr | dpa

Rodel-König Felix I. vor langer Regentschaft. Felix, der Glückliche, posiert mit seinem Gold bei der Medaillenvergabe.

Felix, der Glückliche, posiert mit seinem Gold bei der Medaillenvergabe. Foto: Michael Kappeler. (Quelle: dpa)

Krasnaja Poljana (dpa) - Nachdem Felix Loch sein Goldstück Lisa auf dem Weg zur Siegerehrung am Flughafen abgesetzt hatte, wollte der Rodel-König mit der Medaille schmusen.

"Ich habe ein Doppelbett, da liegt sonst noch keiner", scherzte der 24 Jahre alte Olympiasieger nach der emotionalen Zeremonie vor Tausenden Zuschauern auf der Medal Plaza von Sotschi. "Die Tage danach, da wird der Traum erst wahr, jetzt mit der Medaille." Als sein Name am Montagabend aufgerufen wurde, musste Loch mit feuchten Augen kurz schlucken und bewegte die Lippen zur deutschen Nationalhymne.

In der Nacht nach seinem zweiten Olympia-Triumph hatte Loch mit seinem Idol Georg Hackl im Kufenstüberl gefeiert, von Rekord-Rechnereien oder einer eigenen Regentschaft der Superlative wollte er aber nichts wissen. Eine weitere Goldmedaille bei der olympischen Premiere der Team-Staffel, und Loch würde nach Olympiasiegen bereits zu seinem Vorbild aufschließen.

"Auf das dritte Einzel-Gold muss ich ja noch vier Jahre warten", stellte der Überflieger am Morgen nach seiner Gala im Deutschen Haus in Krasnaja Poljana klar. Und mit Blick auf seinen wohl wichtigsten Helfer Hackl betonte er: "Ihn zu übertrumpfen ist nicht mein Ziel. Ich gehe meinen Weg und vergleiche mich nicht mit ihm. Er hat seine Fußstapfen hinterlassen und ich meine."

Unzweifelhaft ist Loch nach seinem zweiten Olympia-Gold aber auf dem besten Wege, sich an die Spitze sämtlicher Rekordlisten in seinem Sport zu setzen. Jüngster Weltmeister war der Berchtesgadener 2008, jüngster Olympiasieger 2010 - am Donnerstag könnte Loch erster Doppel-Olympiasieger im Rodeln werden.

Dreimal Gold hätte Loch dann schon - und das mit gerade einmal 24 Jahren. "Wenn Felix gesund bleibt, ist er der Mann, der alle Rekorde bricht", prophezeite Lochs italienischer Vorgänger-Regent Armin Zöggeler nach dem Rennen am Sonntag im Sanki Sliding Centre.

Loch wurde bei seinem zweiten olympischen Streich den riesigen Ansprüchen gerecht. Als Top-Favorit war der viermalige Weltmeister zu den Winterspielen gereist, schon Silber wäre wohl als herbe Enttäuschung gewertet worden. "Er hatte enormen Druck", erklärte Altmeister Zöggeler, der das Gefühl kennt. 2006 in Turin hatten alle seinen zweiten Olympiasieg erwartet, der ihm am Ende auch gelang.

Zöggeler sah man den Druck damals an, bei Felix I. sieht dagegen alles locker aus. Nie scheint er um ein Lachen oder einen lässigen Spruch verlegen zu sein. Dass es hinter der Fassade beim jungen Berchtesgadener durchaus anders aussieht, zeigte sich am Sonntag nach dem Finaleinlauf. Der ganze Druck musste raus, ausgelassen wie selten bejubelte Loch seinen Sieg.

"Da fällt alles von einem ab, was sich über das Rennen hinweg so ansammelt", erklärte er später den für ihn ungewöhnlich heftigen Gefühlsausbruch. Freundin Lisa war jedenfalls von den überschäumenden Emotionen ihres Lebensgefährten überrascht. "Felix hatte Tränen in den Augen, so kenne ich ihn gar nicht", sagte sie. Auch Lochs Papa Norbert war zumindest noch im dritten Durchgang angespannt. Vor dem letzten Lauf plauderte der Bundestrainer dann schon ausgelassen mit Bekannten an der Bahn.

Felix Loch hat noch viel vor. "Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Jahre machen. Ich werde das so lange machen, wie es erfolgreich funktioniert", kündigte er an. Wenn man sich anschaut, wie lange man im Rodel-Sport konkurrenzfähig sein kann, ist ein Ende von Lochs Regentschaft in naher Zukunft nicht absehbar.

Sein hartnäckigster Gegenspieler in Sotschi war der Russe Albert Demtschenko, auch schon 42 Jahre alt. Zöggeler, der sich mit Bronze über seine sechste Olympia-Medaille in Serie freuen durfte, ist 40. "So lange fahre ich aber auf gar keinen Fall", betont Loch. "Mit 40 werde ich mich mit Sicherheit nirgendwo mehr eine Bahn herunterstürzen."

Muss er auch nicht, denn die Rekorde der Rodel-Welt kann er schon lange vorher brechen. Mentor Hackl hat jedenfalls keine Angst davor, dass Loch ihm die Rolle als erfolgreichster Rodler bei Olympia streitig macht. "Wenn es jemand anders wäre, der mich einholt, dann würde es mich vielleicht stören. Aber der eigene Mann? Das ist ja irgendwie auch mein Werk."

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