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Deutscher Olympia-Fan fährt mit Trabi nach Sotschi

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Olympia  

Mit dem Trabi nach Sotschi

11.02.2014, 15:41 Uhr | dpa

Deutscher Olympia-Fan fährt mit Trabi nach Sotschi. Rolf Becker fuhr mit seinem Trabi bis nach Krasnaja Poljana.

Rolf Becker fuhr mit seinem Trabi bis nach Krasnaja Poljana. Foto: Kay Nietfeld. (Quelle: dpa)

Sotschi (dpa) - "Da, Plastmassa!" - "Ja, aus Plaste!" - sagt D-Rolf aus Halle an der Saale den Russen in der Fußgängerzone von Sotschi. Der 66-Jährige steht mitten auf dem Bürgersteig mit seinem grauen Trabi.

Der Zweitakter ist beklebt mit jeder Menge Werbestickern, die Rolf Becker gewinnen konnte für seine Olympia-Reise nach Sotschi. "Kruto! Klass!" die russische Worte für toll und klasse fallen immer wieder. Das Modell hier am Park mit den Palmen am Schwarzen Meer steht vor der blauen Buchstaben- und Zahleninstallation Sotschi 2014.

Keiner läuft an dem DDR-Automobil aus dem VEB Zwickau und dem Fahrer in seinem roten Overall mit echter Kunstfellmütze auf dem Kopf gleichgültig vorbei. "Druschba!" - "Freundschaft!" - ruft er den Passanten zu - das D steht für Drehorgel. Im Plüsch seiner Schapka hat Drehorgel-Rolf, wie er sich auch nennt, in Stirnhöhe ein Abzeichen angesteckt mit dem russischen Wort Gwardija - Garde. Das hat er von den in der DDR stationierten Sowjetsoldaten.

Neugierig klopfen Autofans auf das Auto. "Fährt das wirklich?", "Meine Güte, ein Oldtimer", "Wie haben Sie das denn hierher gekriegt?" D-Rolf spricht fließend Schul-Russisch, das in der DDR Pflicht war. Ältere unter den Passanten kennen den Trabant noch. Als er den Motor anwirft, sagt einer: "Das riecht nach Kindheit."

"Skolko?", fragt eine wuchtige Frau. Sie will wissen, was ein Foto kostet. "Besplatno!" pariert D-Rolf. "Kostenlos." Aber sie könnte das Auto kaufen. Für 20 000 Euro würde es der Weltenbummler abgeben. Becker hat schon viele Olympia-Touren hinter sich - zu den Winterspielen nach Salt Lake City zum Beispiel. In Sotschi besucht er Wettkämpfe und das Deutsche Haus in den Bergen von Krasnaja Poljana.

Leisten kann er sich das durch Sponsoring und von Einnahmen aus Reisevorträgen. Er bedauert, dass die auch als Geburtsort von Georg Friedrich Händel bekannte Stadt Halle ihn nicht unterstütze, als Botschafter nutze, damit er das Stadtwappen in die Welt trägt. "Im eigenen Land gilt der Prophet nichts", sagt Becker.

"Wy Geroj!" - "Sie sind ein Held!" - rufen ihm Russen begeistert zu - daraus spricht auch Respekt für die 3000-Kilometer-Fahrt im unbequemen Vehikel. Fußgänger staunen, dass D-Rolf mit der im Reich von Kremlchef Wladimir Putin üblichen Bürokratie kaum Probleme hatte. Immerhin sind wegen der Terrorgefahr bei Olympia die Sicherheitsvorkehrungen extrem.

Durch die Windschutzscheibe ist die offizielle russische Behördenzulassung zu sehen - wie sie jeder in der Sicherheitszone haben muss. Wie er das geschafft hat? "Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind" - lautet sein Leitspruch. Geduld hilft. Aber natürlich hätten die Straßenposten der Polizei rund 80 Kilometer von Sotschi entfernt - wo die Olympia-Sicherheitszone beginnt - doch ziemlich gestaunt.

Wenn er wieder in Deutschland ist, will D-Rolf bei seinen Reisevorträgen erzählen davon, wie er mit seiner Partnerin über Krakau in Polen und die Ukraine nach Russland fuhr. "Wir waren auch auf dem Maidan in Kiew, wo die Demonstrationen sind", sagt Becker. In Russland machten sie Station in Rostow am Don, "wo mein Vater im Zweiten Weltkrieg kämpfte".

In der Region Krasnodar, zu der auch Sotschi gehört, überstanden sie frierend minus 20 Grad im Trabi. D-Rolf hatte zudem einen Auftritt im russischen Staatsfernsehen. Angekommen im subtropischen Klima von Sotschi, gibt es Sonne und mildes Wetter bei den ersten Winterspielen der olympischen Geschichte unter Palmen. Was aus D-Rolfs nun schon 80. Trabi wird, muss sich aber zeigen.

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