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Freitag: "Aus Desaster in London nichts gelernt"

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Olympia 2014  

Freitag: "Aus Desaster in London nichts gelernt"

21.02.2014, 14:57 Uhr | dpa

Freitag: "Aus Desaster in London nichts gelernt". Für Dagmar Freitag kommt die Entwicklung bei den Winterspielen nicht überraschend.

Für Dagmar Freitag kommt die Entwicklung bei den Winterspielen nicht überraschend. Foto: Rainer Jensen. (Quelle: dpa)

Sotschi (dpa) - Dagmar Freitag sieht angesichts des enttäuschenden Abschneides des deutschen Olympia-Teams bei den Winterspielen viel Gesprächsbedarf. Die Sportausschussvorsitzende des Bundestages im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

30 Medaillen zu gewinnen, war das DOSB-Ziel für Sotschi. Wahrscheinlich werden es nicht mal 20 Plaketten werden. Wurde der Mund zu voll genommen?

Dagmar Freitag: Das sieht so aus. Vorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes war dieses Mal ein sogenannter Medaillenkorridor von 27 bis 42 zu erwartenden Medaillen für die deutsche Mannschaft. Nach Einschätzung von DOSB-Generaldirektor Vesper noch im Januar ein realistisches Ziel. Dies war wohl der Versuch des DOSB, nach der heftigen Diskussion über die Zielvereinbarungen in London 2012 sich an der Stelle ein wenig Luft zu verschaffen. Jetzt sieht es aber erneut so aus, als wenn die Mindesterwartungen bei weitem nicht erfüllt werden. Wir sehen im Bobfahren das schlechteste Ergebnis seit 1956; im Eisschnelllauf gab es zum ersten Mal seit 50 Jahren keine Medaille. Das sind Ergebnisse, um nur zwei von mehreren Beispielen zu nennen, die Fragen aufwerfen, die nicht im Vorbeigehen zu beantworten sein werden.

In den vergangenen Tagen ruderte der DOSB etwas zurück!

Freitag: Erkennbar ja. Vom Chef de Mission Dr. Vesper höre ich im Moment eher wenig, Präsident Hörmann wurde in diesen Tagen zitiert, er wäre zufrieden mit einer Anzahl, die über 25 Medaillen liegt. Einen Tag später erklärte DOSB-Vizepräsidentin Christa Thiel, 20, 23, oder 24 Medaillen seien auch kein Beinbruch. Plötzlich sind Medaillen nicht mehr das Maß aller Dinge. Diese Haltung würde ich ausdrücklich begrüßen, wenn sie nicht zu spät käme. Ich frage mich, warum der DOSB aus dem kommunikativen Desaster der Sommerspiele 2012 in London nichts gelernt hat. Das wird nach Sotschi sicher noch Thema sein.

Ist das Konzept mit einem Medaillenkorridor sinnvoll?

Freitag: Natürlich macht es grundsätzlich Sinn, intern auch Leistungserwartungen zu formulieren. Im Spitzensport geht es vorrangig um das Erzielen von Leistungen, Leistungsentwicklungen kann man durchaus planen. Ob sie sich unter dem Strich am Tage X in Medaillen umsetzen lassen, aber eben nicht. Von daher wird sich der DOSB auf eine erneute Debatte einstellen müssen. Dieses Mal wohl über das Verfehlen des angepeilten Medaillenkorridors.

Was muss sich ändern?

Freitag: Wir müssen eine vernünftige Strukturdiskussion über die tatsächlich gewollten und erreichbaren Ziele führen. Wenn wir zum wiederholten Male erleben, dass die formulierten Ziele völlig unrealistisch sind, muss man sich doch fragen: Wo liegen die Fehler? Die wirklich ergebnisoffene Strukturdiskussion auch mit Mut zu unbequemen Schlussfolgerungen hat im deutschen Sport noch nicht wirklich stattgefunden.

Es stehen Verhandlungen mit dem Bund über die zukünftigen Fördermittel für den Spitzensport an. Kann das sich abzeichnende enttäuschende Olympia-Abschneiden helfen, mehr Geld zu bekommen? Fakt ist: Der internationale Konkurrenzkampf wird immer härter!

Freitag: Das will ich gar nicht bestreiten. Ob jedoch allein die Höhe der Steuermittel der Garant für Erfolg ist, stelle ich nicht erst seit heute infrage. Bei den Bobfahrern gibt es eine heftige Diskussion um das Material. Lag es am Geld? Oder am verfügbaren Zeitfenster für die Neuentwicklung? Oder an Kommunikationsproblemen zwischen Athleten, Trainern und Entwicklern? Allein dieses Beispiel zeigt, dass Geld nicht der allein entscheidende Faktor ist. Der Sportausschuss ist bereit, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.

Die Zahl der in Sotschi gewonnenen Goldmedaillen ist ansehnlich. Freuen Sie sich über diesen Glanz?

Freitag: Natürlich freue ich mich mit jedem Athleten, der Gold, Silber oder Bronze gewinnt, und leide mit jedem, der enttäuscht ist oder einfach fürchterliches Pech hatte. Die bisherigen acht Goldmedaillen sehen gut aus, werfen aber gleichzeitig Fragen auf. Schließlich wurde der überwiegende Teil von den Rodlern geliefert. Die Breite der Sportarten und Disziplinen spiegelt sich in den acht Goldmedaillen nicht wieder - und das sollte zu denken geben.

Der positive Doping-Test eines deutschen Olympia-Teilnehmers sorgt in Sotschi für Aufsehen. Sind Sie schockiert?

Freitag: Wer sich so lange mit der Dopingproblematik beschäftigt wie ich, ist so leicht nicht mehr zu schockieren. Also ist die Nachricht weder wirklich schockierend noch überraschend. Allerdings muss man natürlich vor einer endgültigen Bewertung der Nachricht abwarten, was die Öffnung der B-Probe ergibt.

Der deutsche Winterriese wankt in Sotschi: Kann man ihn bis zu den Winterspielen in Pyeongchang wieder stark machen?

Freitag: Da bin ich sehr skeptisch. Manchmal dauert es auch zwei Olympiaden, also acht Jahre, um verlorenen Anschluss wieder zu finden. Egal, ob in vier oder acht Jahren: Wenn nicht eine kritische Analyse stattfindet in Sportarten oder Disziplinen, in denen das Abschneiden nicht wie erwartet war, dann wird sich auch kaum etwas zum Positiven ändern. Bevor man sagt, ich will zurück an die Spitze, muss ich erst einmal wissen, warum ich da bin, wo ich heute bin.

Kann der neue DOSB-Präsident Alfons Hörmann das Schiff wieder auf Erfolgskurs steuern?

Freitag: Ich würde es ihm wünschen.

ZUR PERSON: Die SPD-Politikerin Dagmar Freitag ist Sportausschussvorsitzende des Deutschen Bundestages und Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Sie gilt als Befürworterin eines Anti-Doping-Gesetzes in Deutschland.

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