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Doping-Fall Evi Sachenbacher-Stehle: Comeback einer Affäre

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Doping-Fall Sachenbacher-Stehle  

Comeback einer Affäre

21.02.2014, 22:05 Uhr | Peter Ahrens, Spiegel Online

Doping-Fall Evi Sachenbacher-Stehle: Comeback einer Affäre. Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle hat den positiven Dopingtest bei den Olympischen Spielen in Sotschi bestätigt. (Quelle: imago/Kosecki)

Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle hat den positiven Dopingtest bei den Olympischen Spielen in Sotschi bestätigt. (Quelle: Kosecki/imago)

Aus Sotschi berichtet Peter Ahrens

Evi Sachenbacher-Stehle hat ihre positive Dopingprobe in Sotschi bestätigt. 2006 in Turin waren erhöhte Blutwerte bei ihr festgestellt worden. Damals galt eine angeborene Anomalie als Ursache - kritische Stimmen wurden einfach überhört.

Evi Sachenbacher-Stehle ist bei den Dopingkontrollen des IOC aufgefallen. Bei den Winterspielen in Sotschi wurde sie positiv auf das Stimulanzmittel Methylhexanamin getestet. Das bestätigte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Sowohl die A- wie auch die B-Probe seien positiv ausgefallen. Die 33-Jährige aus Reit im Winkl sei aus dem deutschen Olympiateam ausgeschlossen worden und bereits aus Sotschi abgereist.

"Jeder Dopingfall ist zuerst einmal eine große Enttäuschung. Er ist aber auch ein Beleg dafür, dass das Kontrollsystem funktioniert", sagte Chef de Mission Michael Vesper. Es ist nicht das erste Mal, dass ihr Name mit Doping in Verbindung gebracht wird. Die Affäre Sachenbacher-Stehle hat eine kompliziertere Vorgeschichte.

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2006 Schutzsperre wegen erhöhter Blutwerte

Die damalige Langlaufspezialistin war 2006 gerade bei den Winterspielen in Turin angekommen, da war sie schon in den Schlagzeilen. Bei Dopingproben war ihr erhöhter Hämoglobinwert im Blut aufgefallen. Der Anteil der roten Blutkörperchen überstieg den zulässigen Grenzwert. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte mit einer zunächst auf fünf Tage beschränkten sogenannten Schutzsperre.

Der Deutsche Skiverband (DSV) hatte damals empört darauf reagiert, Bundestrainer Jochen Behle hatte von einer unerträglichen Vorverurteilung gesprochen. Dass Sachenbacher-Stehle dazu neige, vor allem nach Höhentrainings erhöhte Blutwerte aufzuweisen, liege an einer geburtsbedingten Anomalie. Dies sei seit langem bekannt.

Tränenreich die Unschuld beteuert

Die Athletin selbst beteuerte damals tränenreich ihre Unschuld. Mit Unmengen von getrunkenem Wasser gelang es ihr ein paar Tage später, den Hämoglobinwert unter die kritische Marke zu drücken. Sie durfte anschließend mit Verspätung doch bei den Spielen eingreifen und gewann sogar noch Silber in der Staffel.

Der Fall hatte 2006 zunächst zu großer Aufregung geführt, bis die weitaus spektakuläreren Dopingfälle um die österreichischen Biathleten bekannt wurden und den Fall im DOSB medial überlagerten. So ging damals auch fast unter, dass im Nachgang der Spiele der damalige Anti-Dopingbeauftragte des DSV, der renommierte Gießener Sportmediziner Paul Nowacki, zum Rücktritt gedrängt worden war. Nowacki hatte Zweifel an der offiziellen Version der Blutanomalie geäußert und musste sein Amt deswegen aufgeben.

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Merkwürdigkeiten vor Saisonhöhepunkten

Eine Merkwürdigkeit tauchte damals bereits auf: Nach Messungen des Weltverbandes Fis hatte Sachenbacher-Stehle tatsächlich mehrfach erhöhte Hämoglobinwerte vorzuweisen - allerdings jedes Mal nur vor den Saisonhöhepunkten der Olympischen Spiele. Auch vor den Winterspielen 2002 in Salt Lake City, als Sachenbacher erstmals im deutschen Olympiateam stand, waren die hohen Werte aufgetaucht. Damals jedoch existierte der Grenzwert noch nicht und Sachenbacher-Stehle durfte dessen ungeachtet an den Start gehen.

Der DSV bemühte sich im Nachgang der Spiele von Turin um eine Ausnahmegenehmigung für die Athletin, mit der sie trotz erhöhter Werte jeweils hätte starten dürfen. Diese wurde jedoch durch die Fis zum Unwillen der DSV-Leitung verweigert. Besonders der damalige Chef des Deutschen Skiverbandes, Alfons Hörmann, hatte sich immer wieder für Sachenbacher-Stehle eingesetzt. Hörmann ist heute Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Für ihn ist die Situation bei seinen ersten Olympischen Spielen als oberster deutscher Sportfunktionär daher doppelt unangenehm.

2012 zum Biathlon gewechselt

In den Jahren danach wurde es ruhig um Sachenbacher-Stehle und ihre Blutwerte. Bei den Spielen 2010 gab es keinerlei Beanstandungen. Ihre Leistungsschwankungen waren jedoch beträchtlich: So konnte sie im Anschluss an eine starke Olympiasaison keine Top-Platzierungen im folgenden Winter landen. Sie selbst sprach damals von Nahrungsunverträglichkeiten, die sie beeinträchtigt hätten. Anschließend gab sie ihren Wechsel vom Langlauf zum Biathlon bekannt.

Die heute 33-Jährige zählt zu den erfolgreichsten Sportlerinnen, die der DSV vorzuweisen hat. Eine Vorzeige-Athletin geradezu: Gold 2002 in der Staffel, Silber im Sprint, Silber 2006 in der Staffel, Gold 2010 im Teamsprint und noch einmal Staffelsilber. Sotschi sollte ihr letzter großer olympischer Auftritt werden - der fast erneut mit einer Medaille gekrönt worden wäre. Im Biathlon-Massenstartrennen wurde sie trotz ausgezeichneter Schießergebnisse nur Vierte. Den Sprung aufs Podest vergab die gelernte Langläuferin ausgerechnet in der Loipe.

Der DOSB wird im Nachhinein sagen: zum Glück. Wenigstens muss man den Medaillenspiegel dadurch nicht noch nach unten korrigieren.

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