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Doping-Affäre von Evi-Sachenbacher-Stehle wird zum Krimi

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Olympia 2014  

Fall Sachenbacher wird zum Krimi: DOSB erstatte Anzeige

24.02.2014, 12:51 Uhr | dpa

Doping-Affäre von Evi-Sachenbacher-Stehle wird zum Krimi. Evi Sachenbacher-Stehle wurde positiv getestet.

Evi Sachenbacher-Stehle wurde positiv getestet. Foto: Kay Nietfeld. (Quelle: dpa)

Sotschi (dpa) - Strafanzeige gegen unbekannt, Hausdurchsuchungen, verdächtige Teebeutel und ein mysteriöser Mentaltrainer: Die Doping-Affäre von Evi-Sachenbacher-Stehle bei Olympia 2014 wird zum Fall für die Justiz.

Während die von den Sotschi-Spielen ausgeschlossene Biathletin in der Heimat von ihrem Mann und Manager betreut wird und sich einen Rechtsbeistand genommen hat, stellte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Sonntag Strafanzeige gegen unbekannt. "Damit wollen wir sicherstellen, dass das gesamte Umfeld ausgeleuchtet wird und die Hintermänner erwischt und vor Gericht gestellt werden", sagte Chef de Mission Michael Vesper.

Sachenbacher-Stehle war der Einnahme eines im Wettkampf verbotenen Stimulanzmittels überführt und am Freitag auf die Heimreise geschickt worden. "Es soll ein spezifisches Stimulans sein, dass durch Nahrungsergänzungsmittel oder wie auch immer in den Körper gelangt ist", erklärte Vesper.

Der DOSB werde der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft alle ihm vorliegenden Informationen zur Verfügung stellen, hieß es in der Mitteilung. Die bayerische Behörde hatte bereits den Bundesstützpunkt der Athletin in Ruhpolding und zwei private Unterkünfte durchsucht.

Heftige Kritik am DOSB übte Doping-Experte Fritz Sörgel. "Kurz vor Ende der Winterspiele lässt der längst nicht mehr tragbare Herr Vesper seinen üblichen Kracher bei Großveranstaltungen los", sagte Sörgel. Er vergleiche das Stimulanzmittel Methylhexanamin mit Heroin und komme zu der "beglückenden Feststellung für den deutschen Sport", dass der Energieriegel ja doch nicht so schlimm sei wie Heroin. "Man mag solche Vergleiche am primitivsten Stammtisch hören, aber von einem Topfunktionär des deutschen Sports?", kritisierte er.

Die Strafanzeige gegen unbekannt, die der DOSB im Fall Sachenbacher-Stehle gestellt hat, und dessen Ankündigung, der Staatsanwaltschaft München alle Informationen zur Verfügung zu stellen, hält er für Unfug. "Was soll das nun wieder. Die ermitteln bereits. Vom DOSB werden sie nicht viel Verwertbares brauchen. Er hat bereits versagt, als er Evi Sachenbacher-Stehle nicht um die Schachtel mit dem Inhalt von was auch immer bat", sagte der Pharmakologe. "Die Verbände haben schon immer gemauert."

Licht in das Dunkel des Falls will auch der Deutsche Skiverband (DSV) bringe. "Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und in Ruhe besprechen, wie es mit ihr weitergeht", sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. "Die Hauptaufklärungsarbeit muss die Evi leisten." Der Verband werde sie soweit es ginge unterstützen.

Über eine Sperre der ehemaligen Langläuferin entscheidet der Biathlon-Weltverband. "Aber letztendlich ist nicht nur das Strafmaß der IBU entscheidend, sondern auch die Untersuchungsergebnisse von LKA, von WADA und von allen anderen Behörden, die sich mit dem Fall beschäftigen", erklärte Schwarzbach.

Wenn die Nachforschungen ergeben, dass bei ihr keine Absicht zum Doping vorlag, könnte dies zu einer Minderung der Höchststrafe von zwei Jahren Sperre führen oder sie sogar mit einer Abmahnung davonkommen lassen. "Es wird nichts an der Bewertung und dem Eindruck zu dem Thema ändern", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Fest steht: Die Nahrungsergänzungsmittel von Sachenbacher-Stehle stammten nicht vom deutschen Team. "Es war ihre private, persönliche Entscheidung. Sie hat gesagt, dass sie mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet, von dem sie die Produkte bekommen hat", sagte Vesper. Möglicherweise könnte das verbotene Mittel namens Methylhexanamin auch in einem Gute-Laune-Tee gewesen sein, wie die "Bild"-Zeitung berichtete.

Bei den Nahrungsergänzungsmitteln soll es sich um vier bis sieben Produkte gehandelt haben, von denen einige im Institut für Biochemie in Köln auf verbotene Substanzen überprüft wurden. "Hat sie bewusst gedopt? Das glaube ich sicherlich nicht", sagte Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Labors, dem Fernsehsender Phoenix.

"Es ist die große Frage, ob es Dummheit oder Naivität war. Das müssen die Untersuchungen zeigen", so Vesper. DSV-Präsident Franz Steinle vermutet eher "Blauäugigkeit" als "vorsätzlichen Betrug". Im ZDF stellte er aber auch klar: "Das ist ein Dopingvergehen."

Bei den Hausdurchsuchungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einem der Gebäude Nahrungsergänzungsmittel gefunden worden. Es ist noch unklar, ob sie in einem Zusammenhang mit dem Dopingfall Sachenbacher-Stehle stehen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Sportlerin richten. Ermittelt wird wegen unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport.

Neben der deutschen Athletin wurden noch vier weitere Winterspiele-Teilnehmer des Dopings überführt. Dabei sorgt acht Jahre nach dem Skandal von Turin Österreich wieder für Doping-Schlagzeilen. Skilangläufer und Medaillenhoffnung Johannes Dürr wurde positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet. Zuvor waren Eishockey-Spieler Vitalijs Pavlovs (Lettland), der Bobfahrer William Frullani (Italien) und die Skilangläuferin Marina Lisogor (Ukraine) überführt worden.

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