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Schicksalstage eines Präsidenten - Hoeneß vor Gericht

03.03.2014, 10:35 Uhr | dpa

Schicksalstage eines Präsidenten - Hoeneß vor Gericht. Der Fall von Uli Hoeneß hat von Anfang an hohe Wellen geschlagen.

Der Fall von Uli Hoeneß hat von Anfang an hohe Wellen geschlagen. Foto: Andreas Gebert. (Quelle: dpa)

München (dpa) - Es wird ernst für Uli Hoeneß. Knapp 14 Monate nach seiner Selbstanzeige muss der Präsident des FC Bayern auf der Anklagebank des Münchner Landgerichts Platz nehmen und sich wegen Steuerhinterziehung verantworten.

Vier Verhandlungstage sind angesetzt, an denen Richter Rupert Heindl dem Fall unter den Argusaugen der Öffentlichkeit auf den Grund gehen wird (Az: W5 KLs 68 Js 3284/13). Dem 62 Jahre alten Hoeneß droht nach seinem öffentlichen Imageverlust eine weitere Strafe, im schlimmsten Fall könnte ihn Heindl sogar ins Gefängnis schicken.

Hoeneß hat im Vorfeld seiner persönlichen Schicksalstage wohl auch auf Anraten seiner Anwälte öffentliche Äußerungen zum Prozess vermieden. Auch seine drei Verteidiger, mit denen er im Gericht auftreten wird, halten sich bedeckt. Seine Ängste und Sorgen aber hatte er im Zuge der Ermittlungen und nach der Zulassung der Anklage publik gemacht. Auf der letzten Jahreshauptversammlung seines FC Bayern äußerte er die Hoffnung und Überzeugung, "dass es zu einem fairen Prozess" kommen werde.

Zum Jahresende hatte er in einem Interview des Bayerischen Rundfunks letztmals einen Einblick in sein angegriffenes Seelenheil gegeben. Als er mit seinem Club in Marokko weilte und dort mit dem Gewinn der Club-Weltmeisterschaft das erfolgreichste Jahr des FC Bayern in der über 100-jährigen Geschichte beschließen konnte, sagte er: "Privat ist es für mich und meine Familie das schwierigste Jahr in unserem Leben."

Hoeneß hat angekündigt, "gut vorbereitet" in den Gerichtssaal zu gehen. Das Verfahren wird von einem gigantischen Medienrummel begleitet. 454 Akkreditierungsgesuche waren beim Gericht eingegangen. Doch nur 49 davon waren erfolgreich, denn die Zahl der Sitzplätze ist begrenzt.

Hoeneß hatte die Begleitumstände mehrfach beklagt: "Ich bin der einzige unter 70 000 Selbstanzeigen, der in epischer Breite in der Öffentlichkeit dargestellt wurde. Von einem Steuergeheimnis kann schon lange keine Rede mehr sein, ein Prominenten-Bonus ist weit und breit nicht zu sehen. Es ist von einem riesigen Prominenten-Malus zu sprechen", erklärte Hoeneß.

Er stellte Strafanzeige, um herauszufinden, wer Dokumente aus seiner Steuerakte an die Presse weitergeleitet haben könnte. Im April 2013 hatte das Magazin "Focus" seinen Fall öffentlich gemacht. Drei Monate zuvor hatte sich Hoeneß wegen eines geheimen Kontos in der Schweiz selbst bei den Finanzbehörden angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren, ließ Hoeneß' Haus am Tegernsee durchsuchen. Ein Haftbefehl wurde angeblich gegen Zahlung einer hohen Kaution außer Vollzug gesetzt. In Medienberichten wurden immer wieder Millionensummen genannt, aber erst im Prozess werden harte Fakten und reelle Zahlen auf den Tisch kommen. Die wohl alles entscheidende Frage aber liegt schon vorher auf der Hand: Wird Richter Heindl, der in der Vergangenheit auch durch strenge Urteile aufgefallen ist, die Selbstanzeige anerkennen - zumindest als strafmildernd?

Hoeneß glaubt nach wie vor, dass sie korrekt ist. Und er hatte im vergangenen November vor den Mitgliedern des FC Bayern, die ihm mit Beifallsstürmen Zuspruch leisteten, beteuert, dass er trotz eines schweren privaten Fehlers kein schlechter Mensch, kein schlechter Bürger sei.

Er wolle sich "nicht reinwaschen", erklärte er an jenem Abend, als er als Anwalt in eigener Sache auftrat: "Ich habe keine Hunderte Millionen Euro Steuern hinterzogen. Ich habe seit vielen Jahren zig Millionen Euro Steuern gezahlt. Ich habe die letzten fünf Jahre über fünf Millionen Euro gespendet, indem ich bei Vorträgen kein Honorar angenommen habe", zählte Hoeneß auf. Er stehe dazu, zu "meinen Fehlern".

Der Verein war neben seiner Familie und engen Freunden der große Rückhalt für Hoeneß in den vergangenen Wochen und Monaten. Seine Stimmungsschwankungen blieben aber auch im Club nicht verborgen - und in die Hoffnung auf ein mildes Urteil müssen sich zwangsläufig auch große Befürchtungen mischen. Die Sache ist kompliziert, auch wenn der Bundesgerichtshof in einer Feststellung aus dem Jahr 2008 eine Million Euro als Grenze angesetzt hat, von der an Steuerhinterzieher in der Regel ins Gefängnis müssen.

Der Fall Hoeneß hat von Anfang an hohe Wellen geschlagen. Der FC Bayern und sein oberster Repräsentant haben Millionen Anhänger im Lande, aber nicht weniger Neider und Gegner. Einen Rücktritt von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG hielt der frühere Nationalspieler und jahrzehntelange Manager nie für angemessen.

Hoeneß galt vor seiner Steuersünde vielen - sogar Nicht-Bayern-Fans - als ein Vorbild. Auch weil er sich selbst als solches inszenierte. "Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern", sagte er zum Beispiel 2005 in einem Interview der "Bild"-Zeitung. Er wurde von Politikern hofiert. Er traf sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die ihn schätzen gelernt hatte, er war ein gern gesehener Klartext-Redner der Fernsehsender in Talkshows.

Die große Berliner Politik wandte sich aber von Hoeneß ab. Die Kanzlerin zeigte sich "enttäuscht" von ihm, Bundespräsident Joachim Gauck erklärte im Magazin "Stern": "Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial." So oder so - das Urteil wird ein vielfältiges Echo finden. Leben mit dem Richterspruch muss vor allem aber Uli Hoeneß. Das Lied in der Warteschleife seines Anwalts Hanns W. Feigen klingt nach Hoffnung: "Freiheit" singt da Marius Müller-Westernhagen.

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