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Volkshelfer und Machtfigur: Vereinspatron Uli Hoeneß

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Fußball  

Volkshelfer und Machtfigur: Vereinspatron Uli Hoeneß

03.03.2014, 10:35 Uhr | dpa

Volkshelfer und Machtfigur: Vereinspatron Uli Hoeneß. Seine Macht im Verein konnte Uli Hoeneß bislang erhalten.

Seine Macht im Verein konnte Uli Hoeneß bislang erhalten. Foto: Frank Leonhardt. (Quelle: dpa)

München (dpa) - Vor kurzem durfte sich Uli Hoeneß mal wieder als mächtiger Patron des FC Bayern in Szene setzen.

Gerade hatten er und seine Kollegen beim Fußball-Rekordmeister die Millionen-Partnerschaft mit einem dritten namhaften Investor besiegelt und den deutschen Vorzeigeclub mit dem Millionendeal auch beim eigenen Stadion gänzlich entschuldet, da sprach der Vereinspräsident von "einem Traum" und "großem Stolz". Ein wenig hatte es den Anschein, als erzählte Hoeneß von seinen Kindern. Wobei: Eigentlich stimmt das sogar. Eigentlich ist der FC Bayern Hoeneß' erfolgreichster Zögling.

Hoch oben auf der Stadiontribüne sitzt der Machtmensch meist mit angespannter Miene, Brille und einem rot-weiß-gestreiften Schal. Und oft dient Hoeneß als personifizierter Beleg für die Stimmung im Fußballverein: Läuft's schlecht, schaut der 62-Jährige bedrückt und deprimiert drein. Er ist damit für die Fans viel leichter zu fassen als sein Stammnachbar, der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der Niederlagen wie Siege viel ausdrucksloser wegsteckt.

Als der FC Bayern im Sommer vor zwei Jahren im eigenen Stadion das Champions-League-Endspiel gegen den englischen Topclub FC Chelsea verloren hatte, kauerte Hoeneß derart mitgenommen und geknickt in seinem Arenasessel, dass sich viele Anhänger noch ein Stückchen mehr mit ihrem Big Boss verbandelt sahen. Ein Jahr später konnte Hoeneß im Londoner Wembley-Stadion den 2:1-Finalsieg gegen Borussia Dortmund bejubeln. Er tat das allerdings bei weitem nicht so ausgelassen, wie es wohl ohne die belastende Steueraffäre der Fall gewesen wäre.

Uli Hoeneß als Mann des Volkes - das passte über Jahrzehnte fast immer. Nicht nur auf den Stadiontribünen dieser Fußballwelt. Auch weit über den Sport hinaus gab er gerne den Vorkämpfer für Gerechtigkeit, Fairness und Loyalität. Seine Meinungen, Aussagen und Stellungnahmen hatten oft genug politische Sprengkraft.

Immer wieder untermauerte der Metzgersohn seine Glaubwürdigkeit mit Taten. Er spendete großzügig oder trat in Talkshows meinungsstark fürs Gemeinwohl ein. Tage nach dem S-Bahn-Mord an Manager Dominik Brunner nahm er vor einem Bundesligaspiel 69 000 Zuschauer ins Gebet und forderte Zivilcourage. "Es ist schockierend, dass viele Passanten dieses Drama miterlebt und nicht aktiv eingegriffen haben", sagte er.

In ungezählten Fällen unterstützte Hoeneß ehemalige Bayern-Spieler, die in persönliche Krisen geraten waren. Er verhalf ihnen zu Jobs und Zukunft. Selbst als der brasilianische Verteidiger Breno vor zwei Jahren wegen schwerer Brandstiftung kurz vor einer Haftstrafe stand, versuchte Hoeneß alles, um seinen Profi vor dem Gefängnis zu bewahren. Hoeneß und die Münchner Staatsanwaltschaft begegnen sich also nicht zum ersten Mal, wenn am 10. März der Steuerhinterziehungsprozess gegen ihn beginnt.

Wie kein anderer hat Hoeneß im deutschen Fußball Werte gepredigt. Für in Not geratene Vereine verordnete er seinen Profis zahlreiche Benefizspiele. Er setzte sich als Vorreiter des Financial Fair Plays in Szene, das den Graben zwischen finanzstarken und ärmeren Clubs international etwas kleiner machen soll. Andererseits war er immer eine streitbare Figur, die polarisiert. Legendär sind die Dauerfehden mit seinem früheren Managerkollegen Willi Lemke oder Fußballcoach Christoph Daum. Auch in Talkshows verteidigte er seine Meinungen lautstark, emotional und mit hochrotem Kopf. Understatement war nie seine Stärke; Großspurigkeit und Selbstgerechtigkeit wurden ihm oft vorgeworfen.

Andererseits wäre der FC Bayern ohne Uli Hoeneß nicht das, was er heute ist: Die Nummer eins in Deutschland und einer der ganz wenigen Triple-A-Clubs in Europa. Seit Jahrzehnten steht Hoeneß mit seinem Gesicht persönlich für den mächtigsten und erfolgreichsten, aber auch polarisierendsten Fußballclub Deutschlands. Mit 19 Jahren schon war er Profi, mit 20 Fußball-Europameister, mit 22 Weltmeister - und mit 27 Sportinvalide. Umgehend begann er 1979 seine Manager-Laufbahn bei den Münchnern und formte den damals verschuldeten Verein zu einer Weltmarke mit Riesenumsätzen. Großen Erfolg hatte er nebenbei mit seiner florierenden Wurstfabrik in Nürnberg. 2009 zog er sich vom Manageramt zurück und ist seither Vereinschef der Münchner.

Hoeneß' Gutmenschen-Image hat durch den Steuerfall gewaltige Risse bekommen. Da halfen auch die Tränen bei der Jahreshauptversammlung Ende 2013 wenig. Einem wie ihm, der gerne mit erhobenem Zeigefinger Moralpredigten hielt, verzeihen die Menschen nicht ohne weiteres.

Hoeneß hat Sympathien eingebüßt, aber seine Macht im Verein bisher weitgehend erhalten. Er führt weiter den Aufsichtsrat der FC Bayern AG an. Mächtige Mit-Aufsichtsräte und Wirtschaftsführer wie Martin Winterkorn (VW), Herbert Hainer (Adidas) oder Rupert Stadler (Audi) standen bislang zu ihm. Daran könnte wohl allein Richter Rupert Heindl etwas ändern, sollte dieser Hoeneß ins Gefängnis schicken.

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