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Nach Paralympics hoffen Russlands Behinderte auf Wandel

16.03.2014, 11:54 Uhr | dpa

Nach Paralympics hoffen Russlands Behinderte auf Wandel. Im russischen wie im amerikanischen Sledge-Hockey-Team traten Kriegsversehrte an.

Im russischen wie im amerikanischen Sledge-Hockey-Team traten Kriegsversehrte an. Foto: Sergei Chirikov. (Quelle: dpa)

Sotschi (dpa) - So politisch wie in Sotschi waren die Paralympics noch nie - und kurz vor der Schlussfeier holte die Krim-Krise die Wettkämpfe noch einmal ein. Ein "sehr spezielles Treffen" mit Kremlchef Wladimir Putin habe er gehabt, sagte der Präsident des ukrainischen Paralympics-Komitees, Waleri Suskjewitsch.

Dabei kam am Rande des Wettkampfes auch das Referendum auf der Krim zur Sprache. Trotz internationaler Proteste soll die zur Ukraine gehörende Halbinsel, die nur 450 Kilometer von Sotschi entfernt ist, Russland beitreten - auch auf Druck Moskaus.

"Niemals zuvor in der Geschichte der paralympischen Bewegung hat eine Gastgeber-Nation zur gleichen Zeit eine Aggression oder eine Intervention ausgeübt gegen ein anderes Land, das an den Paralympics teilnimmt", kritisierte Suskjewitsch das Gastgeberland hart. Er sprach von einer "schrecklichen Situation", in der die ukrainischen Sportler auch mehrfach an eine vorzeige Abreise dachten.

Höchste politische Brisanz bot zum Ende der Wettkämpfe auch das Schlitten-Eishockey-Finale. Mitten in der größten Krise seit dem Ende des Kalten Krieges lieferten sich Russland und die USA eine erbitterte Partie, in der Amerika mit einem 1:0-Erfolg Gold holte. Eine Besonderheit auch: In beiden Teams spielen Kriegsversehrte. Josh Sweeney, dem eine Landmine in Afghanistan beide Beine wegriss, erzielte das Siegtor. Auf der anderen Seite: zum Beispiel Wadim Seljukin, dem nach einer Splitterbombe im Tschetschenienkrieg beide Beine amputiert werden mussten. Er sagte nach dem Endspiel, das russische Team widme die Silbermedaille seinen Familien, seinem Land - und seinen Kameraden.

Das sei doch "eine Ermutigung für die russische Armee in diesen schweren Tagen", kommentierte das Staatsfernsehen - wohl auch mit indirektem Hinweis auf den Ukraine-Konflikt. Dass mehrere Sportfunktionäre, darunter der Deutsche Friedhelm Julius Beucher, einen Empfang mit Putin aus Protest gegen Russlands Krim-Politik boykottiert hatten, erwähnten die vom Kreml gelenkten Medien nicht.

Geschadet hat es dem Präsidenten nicht. Im Gegenteil: Nach Jahren schwächelnder Zustimmungswerte gewinnt der Kremlchef in Umfragen kräftig an Popularität. Gründe dafür sehen Experten im Ringen um die Krim - und in den Erfolgen bei den Paralympics. "Ausländische Kritik hin oder her: Die Wettkämpfe waren milliardenteure Propaganda und haben Putin geholfen", meinte etwa der Oppositionelle Alexej Nawalny.

"Breaking the Ice", hatten die Organisatoren die Eröffnungsfeier der Paralympics genannt. Das "Eis brechen" - das war wohl auch auf das Verhältnis vieler Russen und vor allem der Behörden im Riesenreich im Umgang mit Behinderten gemeint. Jahrzehntelang seien diese ignoriert und ausgegrenzt worden, klagt etwa Denise Roza. Die US-Amerikanerin lebt seit 1997 in Russland und hat hier die unabhängige Behindertenrechts-Organisation Perspektiva gegründet.

"Putin hat die Spiele als Zeichen eines gesellschaftlichen Wandels in seinem Land bezeichnet, und ich möchte daran glauben", sagte Roza dem Rundfunksender Echo Moskwy. Dem Gesundheitsministerium zufolge leben in Russland etwa 13 Millionen Menschen mit Behinderung, das wären rund neun Prozent der Bevölkerung. "Es bleibt zu hoffen, dass das milliardenschwere Förderprogramm, das die russische Regierung 2011 aufgelegt hat, nach den Wettkämpfen weiterläuft", betont Roza.

Täglich viele Stunden Paralympics im Fernsehen und zahlreiche Texte in den Zeitungen: Noch nie standen Behinderte in Russland so positiv im Rampenlicht. "Unsere Sportler sind unterschätzte Helden", titelte etwa das Fachblatt "Sport Express". Bestaunt wurde auch die hochmoderne Technik, mit der sich die Athleten fortbewegen. "Das sind längst keine Prothesen mehr", schrieb die Zeitung "Kommersant".

Die Sowjetführung in Moskau hatte sich noch geweigert, Paralympics auszutragen, weil es in Russland keine Behinderten gebe. "Die Fortschritte sind unübersehbar", lobt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Allerdings sei es direkt nach den Paralympics viel zu früh, schon von einem Stimmungswandel zu sprechen.

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