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Snooker-WM ohne britische Ikone Davis

16.04.2014, 15:42 Uhr | dpa

Snooker-WM ohne britische Ikone Davis. Steve Davis hat sein Ticket für die Snooker-Main-Tour verloren.

Steve Davis hat sein Ticket für die Snooker-Main-Tour verloren. Foto: Dennis M. Sabangan. (Quelle: dpa)

Sheffield (dpa) - Wenn am Samstag wie jedes Jahr in Sheffield die Snooker-WM beginnt, wird der Name einer britischen Sport-Ikone auf dem Spielplan fehlen.

Der sechsmalige Weltmeister Steve Davis vermasselte im Vorfeld die Qualifikation und verlor damit auch seinen Platz unter den besten 64 Athleten der erstklassigen Main Tour, die auch ein automatisches Startrecht bei den meisten großen Turnieren bekommen. Erstmals nach 36 Jahren flog der einst beste Profi der Welt aus der Geldrangliste - und gilt fortan formal als Amateur. Seine Karriere beenden will der 56-Jährige trotzdem nicht.

"Davis ist einer der ganz wenigen All-time Greats. In den Achtzigern hat er den Snooker-Boom ganz entscheidend geprägt, auch im Herbst seiner Karriere ist er noch ein exzellenter Botschafter für den Sport", urteilt Rolf Kalb, Snooker-Experte und Kommentator beim TV-Sender Eurosport. Bei zwei Qualifikationsturnieren im Mai im südwestenglischen Gloucester hätte Davis noch die Chance, sich seinen Platz auf der Tour zu erhalten. Doch ob er bei den beiden "Q School"-Ausscheidungen antritt, ließ er bis zuletzt offen. Die Alternative wäre ein Start bei der zweitklassigen European Tour.

Überhaupt hat sich der einst fast Unschlagbare ziemlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen seit seiner 8:10-Niederlage in der WM-Qualifikation gegen Landsmann Craig Steadman vor knapp einer Woche. Vielleicht auch deshalb, weil der sportliche Abstieg so schmerzhaft ist. Davis gilt neben dem inzwischen zurückgetretenen Stephen Hendry und Ronnie O'Sullivan als einer der Größten in der populären Billard-Variante. In den 80er-Jahren wurde er gleich sechsmal Weltmeister. Insgesamt hat er 28 Weltranglistenturniere gewonnen und ist damit hinter Hendry Zweiter der ewigen Bestenliste. Seit 1978 stand er immer unter den besten 64 der Ranglistentableaus, von 1980 bis 2000 und von 2003 bis 2008 sogar in den Top 16.

Das Alter ist natürlich ein gewichtiges Argument dafür, dass Davis nicht mehr mithalten kann mit den Allerbesten: Der Londoner geht strikt auf die 60 zu, Fitness und Zielgenauigkeit lassen nach. Sein letzter großer Titel liegt schon 17 Jahre zurück. Und obwohl beim Snooker die adrette Abendgarderobe mit Weste und Stoffhose mehr zählt als die reine Ausdauer, sind die Alterserscheinungen ein entscheidendes Merkmal von Davis' sportlichem Abstieg.

"Davis ist noch immer aktiv, weil er Spaß dran hat, Snooker zu spielen und in seinem hohen Alter die Jungen zu ärgern", sagt Rolf Kalb, "seine nicht nachlassende Begeisterung für den Sport reißt jeden mit." Die meisten großen Spieler hören spätestens dann auf, wenn sie von der Main Tour runterfallen, Hendry hat sogar noch eher Schluss gemacht. "Aber Hendry spielte auch nicht deshalb Snooker, weil er das so gerne gemacht hat. Seine Motivation bestand vor allem immer darin, zu gewinnen und Titel zu holen", sagt der Experte.

Nicht bei einer WM dabei zu sein, ist Davis gewöhnt: Schon 2001, 2002 und in den vergangenen drei Jahren verpasste er die Qualifikation, da in Sheffield im Gegensatz zu den meisten anderen Turnieren immer nur die besten 16 automatisch starten dürfen. Anreisen wird er trotzdem, weil Davis seit Jahren schon nebenbei als Experte für den britischen Fernsehsender BBC arbeitet. Auch jetzt wird er die Spiele von außen begleiten und neben Vorjahressieger O'Sullivan vor allem auf Neil Robertson und Mark Selby (alle England) sowie den Chinesen Ding Junhui achten müssen. Sie alle gelten als Titelfavoriten - eine Rolle, die früher noch Steve Davis selbst ausfüllte.

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