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Ironman-Einsteiger Frodeno: "Ein dicker Brocken"

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Triathlon  

Ironman-Einsteiger Frodeno: "Ein dicker Brocken"

04.07.2014, 11:47 Uhr | dpa

Ironman-Einsteiger Frodeno: "Ein dicker Brocken". Jan Frodeno gibt seinen Ironman-Einstand.

Jan Frodeno gibt seinen Ironman-Einstand. Foto: Markus Scholz. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno wagt den Ironman-Einstieg. Ein Jahr nach seinem Abschied von der olympischen Distanz wird der 32-Jährige bei der EM in Frankfurt/Main erstmals über die Langstrecke antreten - und gleich auf starke Konkurrenz treffen.

"Natürlich ist dies zu Anfang gleich ein dicker Brocken. Andererseits ist es natürlich auch etwas wert, wenn du gleich ein gutes Resultat ablieferst", sagte Frodeno in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Er kommt immerhin mit der Empfehlung von drei Siegen in diesem Jahr über die halb so lange 70.3-Strecke.

Das Jahr 2013 war ein Jahr der Veränderungen für Sie - privat und sportlich. Sie haben Ihre Freundin Emma Snowsill geheiratet und sind auf die längeren Strecken umgestiegen. Welche Umstellung fiel Ihnen schwerer: von ledig auf verheiratet oder von Kurz- auf Langstrecke?

Frodeno: "Jeder, der verheiratet ist, weiß, das ist ein kleiner, aber schöner Unterschied. Grundlegend ändert sich ja nicht soviel. Aber es ist ja schon cool, im Hotel als Herr und Frau Frodeno einzuchecken. Die Langstrecke habe ich ja noch nicht hinter mir. Aber ich habe das Gefühl, das wird deutlich härter."

Was sind die Unterschiede zwischen Rennen über die Kurz- und Rennen über die Langstrecke?

Frodeno: "Es hat sich viel getan. Vom Training her hat sich einiges geändert. Auch im Wettkampf. Allein von der Vorbereitung her. Was man alles bedenken muss, wie man da an den Start geht, wieviel Verpflegung man zu sich nimmt. Man hat da einen halben Rucksack dabei. Im Gegensatz dazu hieß es vorher: "Zack, Schuhe hier, Anzug da und das Fahrrad noch dazu'. Das ist schon ein krasser Unterschied."

Wie hat sich das Training konkret geändert?

Frodeno: "Durch Dan (Lorang; Frodeno-Trainer und Bundestrainer) hat sich grundsätzlich viel geändert. Es wird viel wert auf die Qualität jeder Einheit gelegt. Es ist nie mehr so nach dem Motto "Geh mal zehn Kilometer schlappen'. So ist das überhaupt nicht mehr. Es wird sehr viel gemessen: der Puls, die Leistung auf dem Rad und das Kilometer-Tempo beim Laufen. Dementsprechend kann ich täglich genau sehen, was sich an meinem Fitnesszustand getan hat."

Sind die Umfänge größer geworden?

Frodeno: "Insgesamt nein. Ich hatte schon zu Kurzstrecken-Zeiten krasse Tage und Wochen. Aber es ist sehr viel kontinuierlicher geworden. Insgesamt mache ich sicherlich über das Jahr gesehen mehr. In den letzten Wochen hatte ich einen Wochenschnitt von 35 Stunden. Früher hätte ich Wochen mit 45 Stunden pro Wochen trainiert, die nächste Woche dann nur 20."

Ihr Einstand über die halb so lange Mittelstrecke war vielversprechend. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Frodeno: "Kontinuität ist ein Teil des Erfolgsrezepts, warum es seit Anfang des Jahres so gut läuft. Der andere Teil des Erfolgsrezepts ist, dass ich einen Physiotherapeuten gefunden habe, mit dem ich permanent zusammenarbeite. Er kommt überall mit und sieht zu, dass im Körper alles rundläuft."

Hat sich Ihr Körper noch einmal verändert?

Frodeno: "Es ist im Training sehr viel Radfahren dabei. Daher hat sich an den Beinen muskulär noch etwas getan. Mein Körperfettanteil liegt derzeit bei fünf Prozent. Was sich wirklich getan hat, ist, dass ich ohne Verletzung bin, dass ich nicht morgens nach dem Aufstehen die ersten Meter zur Kaffeemaschine humpeln muss. Ich kann mich voll und ganz den Schmerzen des Trainings widmen und nicht meiner Achillessehne oder meiner Hüfte oder sonst irgendwas."

Wie kommt das?

Frodeno: "Wie gesagt, durch meinen Physio. Mit ihm mache ich beispielsweise sehr viel Pilates mache, das ich für mich entdeckt habe. Und ich sehe zu, dass die Kräfte richtig wirken."

Warum haben Sie für Ihr Ironman-Debüt gleich ein Rennen gegen die beinahe vollständige Weltelite ausgesucht?

Frodeno: "Den Anspruch habe ich als Profisportler, mich mit den Besten der Welt zu messen. Natürlich ist dies zu Anfang gleich ein dicker Brocken. Andererseits ist es natürlich auch etwas wert, wenn du gleich ein gutes Resultat ablieferst. Bei allen drei Rennen, die ich gewonnen habe, auch wenn es über die Mitteldistanz war, waren jedes Mal Topfelder am Start. Da ist der Erfolg auch ein bisschen was wert. Was ich an der Profiseite am Ironman beklage, ist, dass es zu viele Rennen gibt. Zwischen Timbuktu und dem Nordpol gibt es Hunderte von Rennen. Manchmal gibt es drei, vier Stück an einem Wochenende. Dadurch wird der Titel Ironman-Champion verwässert. Aber wenn das Ganze mit einem regionalen Titel wie jetzt in Frankfurt mit der Europameisterschaft behangen ist, dann ist die Wertigkeit so, dass ich sage, sie ist dem Profisport würdig."

Und warum geben Sie Ihren Ironman-Einstand gerade in Deutschland?

Frodeno: "Ich habe immer gesagt, dass ich meinen ersten Ironman in Deutschland machen will. Wir haben in Deutschland eine riesige Triathlon-Gemeinde. Zuschauermäßig wird bombastisch etwas geboten. Das Rennen in Frankfurt hat schon Kultstatus. Es ist außerhalb von Hawaii das sicher am besten besetzte Rennen. Aber natürlich hilft es auch, dass es 150 Kilometer von meiner Haustür in Saarbrücken entfernt ist und der ein oder andere Kumpel kommt und mich über die Strecke peitscht, was sicherlich hilft, wenn es irgendwann richtig hart wird."

Wie wichtig ist der Titel?

Frodeno: "Mir geht es mental nicht um den Titel. Ich konzentriere mich auf jeden einzelnen Teil des Wettkampfes. Ich will mich ein wenig vom Resultat lossagen und auf die einzelnen Schritt konzentrieren. Denn davon gibt es schon genug beim Ironman."

Mit welchen Gefühlen sehen Sie dem Start am Sonntag in Frankfurt entgegen?

Frodeno: "Ich gehe mit einer positiven Nervosität und sehr viel Respekt in dieses Rennen. Ich weiß nicht, was mich erwartet. Ich weiß, dass ich vom Training her nicht mehr hätte machen können, dass ich auf jeden Fall optimal aufgestellt bin. Da kommen aber noch Fragen wie Ernährung, Ruhe bewahren und Renngestaltung dazu. Ich freue mich darauf, habe aber auch ordentlichen Respekt davor."

Wie bereiten Sie sich mental auf eine Strecke und eine Tortur vor, die Sie noch nie bewältigt und erlebt haben?

Frodeno: "Das Mentale läuft schon seit eh und je im Training mit. Die Einheiten sind nicht mehr so kurz und knackig, bei denen du dich durchbeißen musst. Jetzt siehst du den Schmerz schon kommen. Der schleicht sich langsam ein. Das Schlimme ist, dass du noch halbwegs normal atmest. Du könntest auch noch einen halbwegs gescheiten Satz rausbringen. Deine Beine schreien aber, als ob es kein Morgen mehr gebe, als ob sie gleich abfallen. Das ist der innere Dialog, den muss man im Training sehr viel üben."

Wie sind Sie von der Ironman-Gemeinde aufgenommen worden?

Frodeno: "Am Anfang war es schon eine gewisse Skepsis. Zunächst war das ein Beschnuppern: Meint der das ernst oder will er uns nur abziehen? Inzwischen ist es echt gut. Ich glaube, dass ich mir mit den ersten Rennen in diesem Jahr und auch schon im vergangenen Jahr den Respekt erworben habe, mit dem ich auch den Jungs von Anfang an entgegengetreten bin."

Können Sie sich vorstellen, mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio noch einmal auf die Kurzstrecke zurückzukehren?

Frodeno: "Wenn ich mir angucke, was da momentan vorne gelaufen wird, ist das echt fix. Und sicherlich erfordert das auch ein ganz anderes Training. Ich muss sagen, mir macht im Moment das Langstreckentraining richtig viel Spaß. Einfach auf den Zug Olympia zu springen ist unrealistisch. Den Gedanken habe ich zwar immer im Hinterkopf, weil Olympia immer eine Riesennummer ist, aber im Moment macht mir das hier viel, viel Spaß."

ZUR PERSON : Jan Frodeno ist seit seinem Olympiasieg 2008 der bekannteste deutsche Triathlet. 2013 stieg der 32-Jährige auf die Mittel- und Langstrecken um. Seit Oktober ist er mit der Australierin Emma Snowsill verheiratet, die wie er in Peking Olympia-Gold gewann.

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