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Schwimm-EM 2014: Bundestrainer Lambertz hofft auf "kleines Comeback"

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Bundestrainer vor der Schwimm-EM  

Lambertz: "Müssen uns wieder hochkämpfen"

30.07.2014, 08:27 Uhr | t-online.de

Schwimm-EM 2014: Bundestrainer Lambertz hofft auf "kleines Comeback". Henning Lambertz ist seit 2013 Chefbundestrainer der deutschen Schwimmer. (Quelle: dpa)

Henning Lambertz ist seit 2013 Chefbundestrainer der deutschen Schwimmer. (Quelle: dpa)

Henning Lambertz verweilt im Trainingslager auf Sardinien. Der Schwimm-Bundestrainer bereitet sich mit seinen Schützlingen auf die Europameisterschaft im eigenen Land vor. Ab dem 18. August wollen die Schwimmer in Berlin angreifen und das schlechte Image, das sich bei den letzten Großereignissen entwickelte, ablegen. Olympia 2012 in London und die WM 2013 in Barcelona standen für die Schwimmer unter keinem guten Stern - die Gesamtbilanz beider Wettbewerbe belief sich auf eine Silbermedaille. Der 43-jährige Lambertz wurde anschließend zum Chefbundestrainer ernannt. Mit seinen Ideen soll er den deutsche Schwimmsport wieder zurück in die internationale Spitze führen.

Vor seiner Abreise sprach Lambertz mit t-online.de über die Vorfreude auf die EM, den Erwartungsdruck und seine Wünsche für die Zukunft des deutschen Schwimmsports.

t-online.de: Im August stehen die Europameisterschaften im eigenen Land an. Was ist größer, die Vorfreude oder der Druck?

Henning Lambertz: Definitiv die Vorfreude. Der Druck ist bei jeder Europameisterschaft annähernd gleich, man will immer bestmöglich abschneiden. Und deshalb ist für die EM im eigenen Lande, gerade in Berlin, in der Hauptstadt, die Vorfreude definitiv größer. Wir sind uns natürlich alle der besonderen Verantwortung bewusst. Im eigenen Land will man den Zuschauern, die ja überwiegend aus Deutschland, aus Berlin kommen werden, natürlich eine tolle Show bieten und auch gute Ergebnisse zeigen.

Die letzten Ereignisse waren eher von Enttäuschungen geprägt und die Erwartungen sind gestiegen. Sie sollen einen Imagewandel vollführen. Wie sieht Ihr Konzept für die Zukunft aus?

Von Jahr zu Jahr wird immer auf den Knall gewartet, dass Deutschland wieder wie ein Pilz aus dem Boden schießt und wieder erfolgreich ist. Das wird nicht passieren! Es soll nicht so sein, dass man das nach hinten schiebt. Aber all die Konzepte und Ideen, die man versucht zu verwirklichen, die kann man jetzt erst anfangen und anstoßen, mit Kindern und Jugendlichen. Die sind bei uns 13, 14, 15 vielleicht sogar 16 Jahre alt und mit denen versuchen wir jetzt, Konzepte zu entwickeln. Wir versuchen, die Kinder und Jugendlichen so zu fördern und zu fordern, dass sie bis 2016, eigentlich wirklich erst bis 2020, den richtigen Weg gegangen sind. Dann werden wir auch die Erfolge wieder feiern, wie sich das alle in Deutschland erhoffen.

Sie richten sich mit dem Perspektivteam also eher auf Rio 2016 aus. Was heißt das für die Heim-EM?

Jetzt bei den Europameisterschaften müssen das nochmal die Etablierten richten (lacht). Also diejenigen die bisher schon erfolgreich waren. Das sind Leute wie Paul Biedermann, Marco Koch oder Steffen Deibler. Auf der Damenseite ist das eventuell eine Dorothea Brandt oder eine Franzsika Hentke. Und wir haben natürlich noch ein paar gute Leute in der Hinterhand, die für Überraschungen sorgen könnten. Ob das Jenny Mensing ist oder Markus Deibler oder Philipp Heintz.

Sie haben mal gesagt, dass Sie die Schwimmer belohnen möchten, für das was sie leisten. Womit könnte denn jetzt zum Beispiel Paul Biedermann rechnen, wenn er erfolgreich wäre?

Also das Belohnungssystem gegenüber dem Sanktionssystem, wie ich es nenne, bezieht sich nicht darauf, dass man die Hand aufhält und da Geld reingelegt wird. Das ist nicht das, was ich meine. Sondern das Belohnungssystem kann zum Beispiel so aussehen, dass man die Sportler an verschiedenen Trainingsmaßnahmen partizipieren lässt. Auch mal, dass man ihnen besonders schöne und exklusive Trainingslager bietet. Wir haben das Problem, dass wir all die Gelder, die dem Deutschen Schwimm Verband (DSV) zur Verfügung gestellt werden, nicht als Prämien an die Sportler auszahlen dürfen. Diese Gelder, die wir dann auszahlen wollen würden, die müssten wir über externe Sponsoren bekommen. Das heißt: Sollte es so ein großes Wirtschaftsunternehmen geben, was meinetwegen sagt "Mensch, für jede Goldmedaille lege ich 10.000 Euro auf den Tisch", wäre das natürlich irre. Da würden wir uns alle total freuen. Das passiert leider aber im Moment nicht, damit müssen wir leben. Das heißt wir können diese 1:1-Belohnungssysteme im Moment gar nicht umsetzen. Diese Luxussituation gibt es bei uns nicht. Auch sicherlich deshalb, weil wir momentan nicht sehr erfolgreich sind, sondern im Prinzip am Boden liegen und uns erst wieder hochkämpfen müssen.

Sie mögen sogenannte Medaillen-Vorgaben nicht besonders. Gibt es trotzdem eine interne Vorstellung, wie viele Medaillen die Beckenschwimmer zum Gesamtergebnis beitragen sollen?

Wir haben eine Vorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Da liegt dieser Korridor zwischen sechs und acht Medaillen im Becken und zwei bis drei Medaillen im Freiwasser. Insgesamt gilt die EM zwischen Becken und Freiwasser dann als erfolgreich, wenn wir zehn Medaillen gewonnen haben. Die peilen wir natürlich auch an. Im Moment sind wir aber sehr abhängig von ein paar großen Namen. Da hoffen wir darauf, dass diese großen Namen auch alle gesund und fit ins Rennen reingehen können.

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Woran arbeiten Sie jetzt noch im Trainingslager?

Auf der einen Seite sind da die positiven Effekte der Sonneneinstrahlung, die wir nutzen wollen - Vitamin-D-Ausschüttung und und und. Und wir wollen auf der anderen Seite noch am Feinschliff arbeiten. Wir haben ein großes Team von Physiotherapeuten dabei. Wir haben zwei Leistungsdiagnostiker dabei. Das sind Trainingswissenschaftler, die sich nochmal den Feinschliff bei Start und Wende anschauen wollen und Technikverbesserungen in den letzten Details geben. Wir haben einen riesigen Trainerpool dabei. Zehn absolute Toptrainer insgesamt, die uns zur Verfügung stehen. Bei 35 Athleten ist das also wirklich eine Luxussituation. Zusätzlich kommt ein Athletik-Trainer mit, der darauf achten wird, dass die Erwärmung und das Ausbereiten nach den Trainingseinlagen absolut professionell abläuft. Sodass das gesamte Letzte-14-Tage-Paket einfach so professionell wie irgend möglich auf die Beine gestellt wird.

Wenn Sie sich eine Schlagzeile für die deutschen Schwimmer nach der EM wünschen dürften. Wie würde die aussehen?

Oh, ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen: "Das Comeback der Schwimmer" oder "Wieder Auferstanden" oder so etwas in die Richtung. Etwas wo man fühlt, dass wir wieder im Aufwärtstrend sind. Ich hoffe, dass das passiert und wir deutlich besser abschneiden als im letzten Jahr oder bei den Olympischen Spielen. Deshalb glaube ich, wäre diese angepeilte Bilanz von sechs bis acht Medaillen mit einem hoffnungsvollen Auge zu sehen. Wenn wir das erreichen können, wäre das ein kleines Comeback und das würde mich sehr freuen.

Das Interview führte Julia Fischer

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