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1899 Hoffenheim im Teamcheck: Spektakel soll es nur noch in der Offensive geben

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1899 Hoffenheim im Teamcheck  

Spektakel soll es nur noch in der Offensive geben

12.08.2014, 05:26 Uhr | Von Maximilian Köhling, t-online.de

1899 Hoffenheim im Teamcheck: Spektakel soll es nur noch in der Offensive geben. Antrittsstark, technisch versiert, torgefährlich: Roberto Firmino ist der Motor der Hoffenheimer Offensive. (Quelle: imago/Stockhoff)

Antrittsstark, technisch versiert, torgefährlich: Roberto Firmino ist der Motor der Hoffenheimer Offensive. (Quelle: Stockhoff/imago)

Von Maximilian Köhling

Jede Menge Torfestivals, insgesamt 72 eigene Treffer und 70 für die Gegner, darunter das schon jetzt legendäre Phantomtor von Leverkusen: Die vergangene Saison der TSG 1899 Hoffenheim war an Spektakel kaum zu überbieten. Die Kraichgauer landeten auf Rang neun der Tabelle und hatten mit dem Abstieg – nach dem knappen Klassenerhalt im Vorjahr – diesmal nichts zu tun. Mit 44 Punkten spielte die TSG ihre zweitbeste Bundesliga-Saison nach 2008/09, doch auf Coach Markus Gisdol wartet vor seiner zweiten kompletten Spielzeit bei 1899 viel Arbeit. Die Defensive soll kompakter werden, auch wenn das "geordnete Chaos" weiter erwünscht bleibt.

1. Personelle Situation

Wie schon in den Vorjahren herrscht auch in diesem Sommer hohe Fluktuation beim noch immer ungeliebten Retortenklub. Diesmal wurden 19 Spieler abgegeben oder verliehen. Besonders wichtig hingegen ist der Verbleib der umworbenen Topscorer Roberto Firmino (16 Tore, elf Vorlagen) und Kevin Volland (11/9), die trotz großem nationalen und internationalen Interesse im Kraichgau bleiben wollen. In Fabian Johnson (zu Bor. M'gladbach) hat nur ein Stammspieler den Klub verlassen. Den zuletzt an Frankfurt verliehenen Joselu ließ man trotz neun Saisontoren nach Hannover ziehen. Alle anderen Abgänge waren zuvor verliehen oder kaum eingesetzt worden.

Auf der Habenseite der TSG stehen sieben Neuzugänge. Mit dem Freiburger Schlussmann Oliver Baumann wurde ein Ersatz für den lange verletzten Koen Casteels (Schienbeinbruch) verpflichtet. Aus der eigenen Regionalliga-Reserve ist Nachwuchs-Keeper Marvin Schwäbe zu den Profis aufgerückt. Von Eintracht Braunschweig kam Innenverteidiger Ermin Bicakcic. Linksverteidiger Jin-Su Kim soll die von Johnson hinterlassene Lücke schließen.

Für das defensive Mittelfeld wurde Pirmin Schwegler aus Frankfurt verpflichtet. Er soll für ein besseres Gleichgewicht zwischen Angriff und Verteidigung sorgen. Nach einer enttäuschenden Saison ist Adam Szalai von Schalke 04 gekommen und wird um einen Platz im Sturm kämpfen. Zudem kam der 20-jährige Angreifer Janik Haberer aus Unterhaching.

2. Stärken und Schwächen

Ein Blick auf das Torverhältnis des Gisdol-Teams sagt alles: Mit 72:70 Toren haben die Kraichgauer nicht nur die drittmeisten Treffer erzielt, sondern auch die zweitschlechteste Defensive gestellt. Das Umschaltspiel von 1899 ist die große Stärke. Mit vertikalen Bällen in die Spitze konterten Firmino, Volland und Co. die Gegner immer wieder aus. Zudem hatten die Hoffenheimer mit 13 Treffern die torgefährlichsten Abwehrspieler. "Die meisten Tore fallen, wenn der Gegner nicht organisiert ist", weiß Gisdol, dessen Team auch dank der Verteidiger bei Standards stets gefährlich war - 20 Tore bedeuteten in dieser Statistik Platz drei hinter dem BVB und FCB.

Genauso oft klingelte es allerdings auch im eigenen Kasten nach ruhenden Bällen – nur Absteiger Nürnberg (21) war in dieser Statistik schlechter. "Man könnte das geordnetes Chaos nennen. Das haben wir bewusst praktiziert", sagte Trainer Gisdol im Frühjahr zur Spielweise seines Teams. "Die Chance, den Ball zu gewinnen, muss immer höher sein als die, ein Tor zu kassieren", erklärte Gisdol damals seine Rechnung, die angesichts des Torverhältnisses knapp aufging. An der Konstanz wird der Coach aber arbeiten müssen. Ein weiterer Beleg: Fünfmal wurde ein Zwei-Tore-Vorsprung verspielt - und damit ein 23 Jahre alter Rekord des Karlsruher SC eingestellt.

3. Der Trainer

Seit April 2013 hält Markus Gisdol die Zügel bei der TSG in der Hand. Der 44-Jährige lässt modernen Fußball spielen, Pressing und Gegenpressing sind die wichtigsten Vokabeln. Das ständige Anlaufen des Gegners verlangt ein extrem hohes Laufpensum der Offensivspieler - doch mit Firmino und Volland weiß Hoffenheim aber auch zwei der laufstärksten Bundesligaspieler in seinen Reihen.

Mit Gisdol ist nach einer turbulenten Zeit, die fast im ersten Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus geendet wäre, Ruhe eingekehrt bei dem Hopp-Klub. Der Verein steht wieder für den erfolgreichen Offensiv-Fußball, den er bereits nach dem Bundesliga-Aufstieg unter Ralf Rangnick spielte. Die Mannschaft zieht an einem Strang, Nebenkriegsschauplätze wie die Querelen mit Tim Wiese oder Tobias Weis sind unter Gisdol Geschichte.

4. Die Prognose

"Wir hatten Glück, dass wir wenige Verletzte hatten. Und wir wissen, dass wir nicht jede Saison so viele Tore schießen. Jetzt suchen wir Spieler, die uns besser, stabiler machen", lautete das Fazit von Manager Alexander Rosen. In der Vorbereitung sah das bei 46:1 Toren in acht Testspielen schon recht ordentlich aus. Wie von Rosen angesprochen, hängt der Hoffenheimer Saisonverlauf vor allem von drei Faktoren ab.

Der erste ist die Form von Firmino und Volland, die jedes knappe Spiel entscheiden können. Bleibt die Offensive so stark wie bisher, wird das Abstiegsgespenst auch dieses Jahr einen Bogen um den Kraichgau machen. Wenn sich zweitens das Verletzungspech in Maßen hält und die Neuzugänge der Defensive mehr Stabilität verleihen können, sollte ein einstelliger Tabellenplatz im Bereich des Möglichen liegen. Wenn die TSG zudem konstanter wird, darf sie sogar von Europa träumen, ansonsten landet sie zwischen Rang 7 und 9.

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