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Schwuler NFL-Profi Michael Sam: "Kann in dieser Liga spielen"

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American Football  

Schwuler NFL-Profi Sam: "Kann in dieser Liga spielen"

15.08.2014, 12:27 Uhr | dpa

Schwuler NFL-Profi Michael Sam: "Kann in dieser Liga spielen". Der erste offen schwule Footballer will sich in der NFL durchsetzen.

Der erste offen schwule Footballer will sich in der NFL durchsetzen. Foto: Chris Lee. (Quelle: dpa)

St. Louis (dpa) - Er ist ein Novum in einer Machowelt, darf in seinem Wohnort aufgrund seiner sexuellen Orientierung nicht heiraten und gilt als Hoffnung für die schwul-lesbische Gemeinde in den USA. Dabei will Michael Sam doch eigentlich nur eines: American Football spielen.

Doch das ist nicht so einfach. Denn einen wie den 24-Jährigen von den St. Louis Rams hat es unter den kräftigen Kerlen der National Football League NFL noch nie gegeben. Michael Alan Sam Jr. ist der erste NFL-Profi, der offen zu seiner Homosexualität steht. Und das in einer Liga, in der absolute Härte proklamiert wird, wo wahre Gefühle eigentlich keinen Platz haben und in der Gegner oder Schwächere schon mal mit homophoben Worten beleidigt werden.

In dieser Welt von knapp 1700 Männern will sich Sam durchsetzen und zeigen, dass er letztlich auch nur ein Football-Spieler ist wie jeder andere. "Ich kann in dieser Liga spielen. Und das ist das Wichtigste", betonte der Defensive End nach seinem ersten Einsatz vor einer Woche im Testspiel gegen die New Orleans Saints. Sam war danach umgeben von etlichen Reportern, schließlich hatte er soeben NFL-Geschichte geschrieben.

Es sei ein "ziemlich cooles" Gefühl gewesen, von den mehr als 50 000 Zuschauern mit Applaus empfangen zu werden, meinte Sam. Er ist den Rummel um seine Person seit Jahresbeginn gewohnt. Seitdem er bekanntgab, im Mai an der NFL-Draft der größten College-Talente teilzunehmen, steht Sam im medialen Mittelpunkt.

"Amerika ist bereit für Michael Sam", hatte die "Sports Illustrated" Mitte Februar groß auf ihrer Titelseite geschrieben. In etwas kleineren Buchstaben stand rechts daneben die berechtigte Frage: "Ist die NFL bereit für Michael Sam?" Der 1,89 Meter große Mann aus Galveston an der texanischen Golfküste hatte wenige Tage zuvor seine Homosexualität öffentlich gemacht.

Bis dato waren sich Experten einig, dass Sam bei der Draft, bei der die Nachwuchsspieler auf die 32 NFL-Teams aufgeteilt werden, in der dritten Runde genommen wird. Schließlich wurde er in der South Eastern Conference (SEC), die als stärkste College-Conference gilt, zum besten Defensivspieler 2013 gewählt. Nach seinem Coming out schrieb "The Advocate" - ein Magazin für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender - stolz: "Michael Sam - unsere große, schwule Hoffnung".

In Football-Kreisen wurden jedoch umgehend Stimmen laut, die bezweifelten, ob er die nötige Größe und Athletik habe, um Jagd auf die gegnerischen Quarterbacks zu machen. Sam wurde schließlich in der siebten Runde von St. Louis verpflichtet - als 249. der 256 Spieler. Als er den ersehnten Anruf bekam, brach Sam in Tränen aus. Neben ihm stand sein Lebenspartner Vito Cammisano. Sie hielten Händchen und küssten sich vor laufenden Kameras.

US-Präsident Barack Obama gratulierte umgehend Sam, den Rams und der NFL zu "einem wichtigen Schritt nach vorne für unser Land. Vom Spielfeld bis zum Sitzungssaal von Unternehmen beweisen Menschen der schwul-lesbischen Gemeinde Amerikas täglich, dass man danach beurteilt werden sollte, was man macht - nicht, was man ist."

Klingt gut, oft sieht es jedoch noch immer anders aus. Im Bundesstaat Missouri, wo Sam zum College ging und wo er jetzt für St. Louis spielt, ist die gleichgeschlechtliche Ehe nicht erlaubt. Tony Dungy, der erste farbige Meister-Trainer der NFL-Geschichte, betonte vor wenigen Wochen, dass er Sam nicht gedraftet hätte. "Nicht, weil ich glaube, Michael sollte nicht die Chance haben, in der NFL zu spielen, sondern weil ich nichts mit all dem anderen zu haben wollen würde. Das wird nicht komplett glatt, es wird was passieren", so Dungy. Er sprach von "Ablenkung", die solch eine Verpflichtung mit sich bringe.

Sam reagierte gelassen. "Gott sei Dank ist Dungy nicht Trainer der Rams." Das Sagen hat in St. Louis Jeff Fisher - und der wiederum konnte bislang "bis auf ein paar mehr TV-Kameras zu Beginn" nichts Ungewöhnliches im Trainingscamp ausmachen. Fisher muss in knapp zwei Wochen seinen Kader auf 53 Spieler reduzieren. Dann werden wieder viele Augen auf Sam gerichtet sein. "Wir haben 14 Defensive Lineman im Kader. Das wird ein sehr, sehr harter Kampf auf dieser Position. Jeder weiß das", betont Fisher.

Bei vielen Football-Fans hat Sam einen anderen Stammplatz sicher. In der Liste der meistverkauftesten NFL-Trikots der vergangenen Monate rangiert sein Jersey mit der Rückennummer 96 an sechster Stelle - vor Quarterback-Stars wie Tom Brady, Aaron Rodgers oder Drew Brees.

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