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Russland-Boykott für F1-Teams kein Thema: FIA-Aufgabe

07.09.2014, 10:33 Uhr | dpa

Motorsport - Russland-Boykott für F1-Teams kein Thema: FIA-Aufgabe. Die Formel-1-Teams drücken sich um Aussagen zu einem Sotschi-Boykott und verweisen auf die Zuständigkeit der FIA.

Die Formel-1-Teams drücken sich um Aussagen zu einem Sotschi-Boykott und verweisen auf die Zuständigkeit der FIA. Foto: Peter Steffen. (Quelle: dpa)

Monza (dpa) - Trotz des blutigen Konflikts in der Ukraine beschäftigen sich die Formel-1-Teams nicht mit einem Boykott der russischen Grand-Prix-Premiere. Führende Vertreter verwiesen in Monza auf die Zuständigkeit des Internationalen Automobil-Verbandes FIA.

"Wir haben bislang noch keine offizielle Meinung oder Leitlinie der FIA bekommen und ich denke, wir sollten darauf warten, was sie sagt. Dies ist die Aufgabe der FIA", erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff vor dem Großen Preis von Italien.

Sebastian Vettel freut sich sogar auf das Russland-Rennen am 12. Oktober in der Olympiastadt Sotschi. "Das Rennen wird Spaß machen", sagte der viermalige Weltmeister nach einigen Runden auf dem 5,853 Kilometer langen Kurs in einem Straßenwagen am vergangenen Dienstag. Dass nur rund 750 Kilometer entfernt seit Monaten ukrainische Truppen gegen pro-russische Separatisten kämpfen, die offensichtlich von der russischen Regierung unterstützt werden, interessiert in der Formel-1-(Schein)-Welt nicht.

Während in den Grand-Prix-Kreisen Abwarten oder gar Vorfreude herrschen, hat in Ari Vatanen erstmals ein führender FIA-Funktionär offen die Absage des Großen Preises von Russland gefordert. Der ehemalige Rallye-Weltmeister, der eine Kommission des Dachverbandes leitet, kritisierte: "Es wird oft gesagt, dass die Formel 1 Politik und Sport nicht vermischen soll, aber das russische Regime vermischt bereits Politik und Sport auf eine krasse Art, weshalb wir reagieren müssen."

Vatanen appellierte an Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und den Mehrheitseigner CVC: "Bernie und die Eigentümer müssen das Rennen canceln." Der Finne versicherte der englischen Zeitung "The Telegraph" vor ein paar Tagen, FIA-Präsident Jean Todt stimme mit ihm in vielen Positionen überein. Aber dem seien "die Hände gebunden". Todt erschien zwar in Monza, bezog aber zu dem heiklen Thema keine Stellung.

Den Rennstall-Repräsentanten waren die Fragen zu Sotschi sichtlich unangenehm. Red-Bull-Teamchef Christian Horner erklärte kurz und bündig: "Wenn dort ein Rennen stattfindet, werden wir dort sein." Sein Ferrari-Kollege Marco Mattiacci beließ es bei einem knappen: "Einverstanden." John Booth vom russischen Marussia-Team berief sich auf den Status als Sportsleute: "Wir arbeiten auf Basis der Regeln des Dachverbandes und wir haben seinen Anweisungen zu folgen, wo wir fahren." Lotus-Vertreter Federico Gastaldi pflichtete bei: "Wir sind Teil des Events und müssen deshalb da sein. Politik hin oder her, wir kontrollieren das nicht."

Paul Hembery, der Motorsportchef von Reifenlieferant Pirelli, wies auf den geschäftlichen Aspekt hin. "Russland ist ein wichtiges Land für uns, wir haben dort zwei Fabriken", sagte der Brite. Pirelli sei seit über 140 Jahren international tätig. "Wir werden weiterhin rund um die Welt arbeiten", erklärte Hembery. "Sie können sich vorstellen, dass es da alle Arten von weltweiten Zwischenfällen gegeben hat."

Klarer kann nicht ausgedrückt werden, dass eventuelle Bedenken hinter Business-Interessen zurückstehen, zumal dem russischen Konzern Rosneft 13 Prozent an Pirelli gehören. Zudem ist Russland auch für die Automobilindustrie ein attraktiver Markt. Da zählen Forderungen von verschiedenen politischen Kreisen und Menschenrechtsorganisationen, den Grand Prix abzusagen, nichts.

Dessen ungeachtet griff Vatanen Präsident Wladimir Putin und die russische Regierung scharf an: "Unterstützen wir dieses Regime, das dieses Blutvergießen steuert? Oder sagen wir, das ist nicht korrekt. Nach Russland zu gehen, würde eine Botschaft der Akzeptanz setzen." Er sprach von einer "beispiellosen Situation seit dem Zweiten Weltkrieg". Russland hat internationale Anschuldigungen, eigenes Militär in der Ukraine einzusetzen und die pro-russischen Separatisten im monatelangen Kampf direkt zu unterstützen, mehrfach bestritten.

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