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Tischtennis - Ungewohntes EM-Gefühl für Boll: Platz zwei tut weh

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Tischtennis  

Ungewohntes EM-Gefühl für Boll: Platz zwei tut weh

29.09.2014, 10:48 Uhr | dpa

Tischtennis - Ungewohntes EM-Gefühl für Boll: Platz zwei tut weh. Rang zwei ist für die deutschen Tischtennis-Herren ein ungewohnter Platz.

Rang zwei ist für die deutschen Tischtennis-Herren ein ungewohnter Platz. Foto: Tiago Petinga. (Quelle: dpa)

Lissabon (dpa) - Timo Boll bekämpfte seinen Frust mit Bier und einem großen Burger. Beim Bankett im Restaurant Jeronymo in Lissabon war das unerwartete Ende einer Superserie schwer zu verdauen.

Die 1:3-Pleite im EM-Finale gegen Portugal hatte die Gefühlswelt der deutschen Tischtennis-Herren kräftig durcheinandergewirbelt. "Das tut schon weh", bekannte der 16-malige Rekord-Europameister. "Zweiter zu sein auf Weltebene hinter China, das kennen wir ja. In Europa ist das aber ein sehr ungewohntes Gefühl."

Nach sechs Titeln seit 2007 und 37 siegreichen EM-Matches konnte auch der formstarke Boll das Ruder nicht herumreißen. Im Spitzeneinzel gegen Portugals Top-Mann Marcos Freitas kassierte der 33 Jahre alte Linkshänder seine einzige Turnier-Niederlage. Zuvor hatte Boll mit neun Siegen das DTTB-Team trotz widriger Umstände ins Finale geführt. "Freitas hatte vielleicht einen Tick mehr Kondition. Ich hatte ein paar Konzentrationslöcher und habe mich durch ein paar Dinge rausbringen lassen", sagte der Düsseldorfer Bundesligaprofi.

An den umstrittenen Aufschlägen der frenetisch gefeierten Gastgeber, die in der Vorrunde 1:3 gegen Deutschland verloren hatten, wollte keiner die Niederlage aufhängen. "Wir haben uns gut verkauft, die Vorzeichen standen aber schlecht", sagte Europameister Dimitrij Ovtcharov. Der Einzel-Champion war wegen einer Zahnoperation mit Verspätung angereist und nicht in Top-Form. "Mir fehlte die Kraft, für meinen Körper war das nicht gut. Ich wollte aber nicht zu Hause sitzen und das Team mit zwei Mann spielen lassen", meinte der 26 Jahre alte Hamelner.

"Die Portugiesen haben fast über ihrem Limit gespielt. Für uns ist kein Beinbruch", stellte Bundestrainer Jörg Roßkopf fest. Er hatte in jeder Partie nur drei Spieler zur Verfügung. Trotz der misslichen Umstände war die Niederlage, die den EM-Nimbus der Unbesiegbarkeit beendete, auch ein Warnschuss zur richtigen Zeit. Bei der Fokussierung auf die Weltmacht China hatten die Seriensieger die europäische Konkurrenz vielleicht etwas aus den Augen verloren.

Ähnlich sah es Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig, der mit Gold für die Damen und Silber für die Herren immer noch ein respektables Resultat für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) erzielte. "Jede Serie reißt. Für uns ist das ein schmerzhaftes Erlebnis, für das Tischtennis in Europa ist es aber von Vorteil", argumentierte Schimmelpfennig.

Später kam auch die gute Laune zu den DTTB-Herren zurück, die zunächst völlig konsterniert an der Spielerbox saßen und die emotionale Siegerehrung fast regungslos über sich ergehen ließen. Boll, Ovtcharov, Steffen Mengel und Patrick Franziska schrieben Autogramme und erfüllten Foto-Wünsche. Top-Star Boll hatte gegen Mitternacht sogar noch einen Grund zur Freude. Die San Francisco 49ers, sein Lieblingsteam im American Football, gewann nach Rückstand gegen die Philadelphia Eagles.

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