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Sportpolitik: IOC nach Oslo-Verzicht vor nächster Herausforderung

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Olympia  

IOC nach Oslo-Verzicht vor nächster Herausforderung

03.10.2014, 12:48 Uhr | dpa

Sportpolitik: IOC nach Oslo-Verzicht vor nächster Herausforderung. Thomas Bach bedauert die Absage von Oslo.

Thomas Bach bedauert die Absage von Oslo. Foto: Jean-Christophe Bott. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Auch nach Oslos Olympia-Verzicht wollte IOC-Präsident Thomas Bach von einer Krise der Winterspiele nichts wissen. Der Ober-Olympier gab sich kämpferisch und ging nach dem "Nei" der wintersportbegeisterten Norweger zu einer Kandidatur für die Winterspiele 2022 in die Offensive.

"Das Hochglanzprodukt Winterspiele ist nach wie vor ein Hochglanzprodukt, wahrscheinlich mehr denn je", erklärte der 60-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.

Eine Änderung des Bewerbungsverfahrens oder gar eine Neuausschreibung für das Ringe-Spektakel 2022 schloss er aus. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) werde nicht mitten im Rennen seine Regeln ändern. Nach Oslos Ausscheiden bleiben bei der Vergabe am 31. Juli 2015 in Kuala Lumpur nur noch Peking und das kasachische Almaty als Bewerber für 2022 übrig. Beide bekamen nach einer Prüfung des IOC nur mäßige Vornoten. Die Ringe-Organisation steht vor ihrer nächsten Herausforderung und bekommt jetzt, da sie den Weg in die Zukunft eingeschlagen hat, die Rechnung der Vergangenheit präsentiert.

Der asiatische Olympia-Hattrick - nach den Spielen 2018 in Pyeongchang und 2020 in Tokio werden auch die in 2022 in Asien stattfinden - ist für Bach nur eine logische Konsequenz der weltweiten Gesamtkonstellation: "Asien befindet sich im Aufschwung. Asien ist der treibende Motor der Weltwirtschaft." Tatsächlich wirken die Sotschi-Spiele als abschreckendes Beispiel noch nach - mit dem Ergebnis, dass sich viele traditionelle Wintersportländer abwenden.

Im Kampf um Olympia 2022 hatten bereits die Bewohner von München und Graubünden Nein gesagt, in Stockholm votierte der Stadtrat gegen eine Kandidatur. Krakau und das ukrainische Lwiw verzichteten ebenfalls. Widerstand in der Bevölkerung oder massive Sorgen vor einem nicht zu stemmenden finanziellen Kraftakt waren die Hauptgründe für die Absagen aus Europa.

Bei der Entscheidung in Norwegen wurden von vielen Beteiligten Sotschis 51 Milliarden Dollar teure Reißbrettspiele mit all ihren Umweltsünden als einer der Hauptgründe für den Rückzug des Wintersportmekkas Oslo genannt. "Es ist wichtig, für ein so teures Projekt breite Unterstützung zu haben, und davon gibt es nicht genug", sagte Regierungschefin Erna Solberg mit Blick auf das rund 35 Milliarden Kronen (4,3 Milliarden Euro) teure Großprojekt. Die Zusicherung des IOC an Oslo, Peking und Almaty, sich an den Kosten der Spiele mit einem Zuschuss in Höhe von 880 Millionen Dollar zu beteiligen, blieb ohne Wirkung.

Bach sprach von einer politisch motivierten Entscheidung einer Minderheitenkoalition. "Es tut mir leid für den Sport in Norwegen und die Athleten, die eine großartige Gelegenheit verpasst haben, Olympische Spiele in ihrer Heimat zu zelebrieren", sagte der Franke. Exekutiv-Direktor Christophe Dubi warf den norwegischen Politikern sogar vor, ihre Entscheidung auf Grundlage von "Halbwahrheiten" und "faktischen Ungenauigkeiten" getroffen zu haben.

Bach will heraus aus dieser Sackgasse. In rasantem Tempo arbeitet er daran, das IOC neu auszurichten. Am 8./9. Dezember soll bei der außerordentlichen Vollversammlung sein Reformplan "olympische Agenda 2020" abgesegnet werden, der das IOC zukunftsfähig machen soll. Der Vertrag mit künftigen Olympia-Gastgebern wurde bereits ratifiziert. Dabei hat das IOC den jeweiligen Ausrichter verpflichtet, auf jegliche Art von Diskriminierung im Rahmen der Spiele zu verzichten. Bach will die Olympischen Spiele und ihr Geschäftsmodell reformieren. Der Strippenzieher aus Tauberbischofsheim will die Bewerbungsausgaben durch eine Kostenbeteiligung des IOC reduzieren und wünscht sich mehr Flexibilität und Individualität der Kandidaten - Olympia soll sich dem jeweiligen Gastgeber anpassen und nicht die Stadt den Spielen. Auch auf temporäre Bauten wird stärker gesetzt. "In manchen Köpfen hat sich der falsche Eindruck festgesetzt, dass Winterspiele viele Milliarden Dollar kosten. Wir müssen erklären, erklären und erklären", sagte Bach. Vor allem die zwei getrennten Budgets jedes Olympia-Gastgebers - die Ausgaben für eine nachhaltige Stadtentwicklung und die operativen Kosten für die Spiele - müssten immer wieder erläutert werden.

Für das Rennen um die Spiele 2022 kommen alle vielversprechenden Reform-Maßnahmen zu spät. Es bleiben zwei Bewerber, die in einer ersten IOC-Benotung ein "Mangelhaft" bekamen. Peking ist der Favorit und wäre nach Olympia 2008 erster Ausrichter für Sommer- und Winterspiele. Chinas Hauptstadt bewirbt sich mit der 160 Kilometer entfernten Provinz Hebei, aber es fehlt eine geeignete Strecke für den Abfahrtslauf. Auch die zahlreichen Diskussionen im Vorfeld der politisierten Peking-Spiele 2008, die das IOC in eine Identitätskrise stürzten, sind unvergessen. Die schlechte Menschenrechtssituation in der kasachischen Diktatur ist ebenfalls hinreichend dokumentiert, die Bewerbung gilt zudem als technisch unausgereift.

Es seien zwei interessante, völlig verschiedene Kandidaturen, so Bach. Almaty wäre eine Wiederbelebung eines wichtigen Wintersportzentrums, Peking ein Beispiel für gelebte Nachhaltigkeit. Zahlreiche Sportstätten von 2008 könnten wieder benutzt werden, "und es kreiert ein neues Wintersportzentrum für Hunderte von Millionen von Menschen, die in der Region leben". Das Dilemma Winterspiele ist damit aber noch nicht gelöst.

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