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Hätte der Unfall von Jules Bianchi verhindert werden können?

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F1-Sicherheitsdebatte entbrannt  

Hätte der Unfall von Jules Bianchi verhindert werden können?

06.10.2014, 11:25 Uhr | sid, dpa, t-online.de

Hätte der Unfall von Jules Bianchi verhindert werden können?. Nach dem Crash bemühen sich Ärzte und Streckenposten um den verunglückten Jules Bianchi. (Quelle: imago/HochZwei)

Nach dem Crash bemühen sich Ärzte und Streckenposten um den verunglückten Jules Bianchi. (Quelle: imago/HochZwei)

Der Schock über den schweren Unfall von Jules Bianchi ist noch nicht verdaut, da wird bereits eine Sicherheitsdebatte in der Formel 1 geführt. Wer trägt die Verantwortung für den Crash? Hätte er womöglich verhindert werden können?

Die Experten sind sich uneins. "Meiner Ansicht nach hätte man das Rennen später starten und früher abbrechen müssen", kritisierte Williams-Pilot Felipe Massa die Rennleitung. "Ich schrie schon eine Runde vor dem Safety-Car in den Funk, weil die Strecke viel zu nass war." Mercedes-F1-Aufsichtsratsboss Niki Lauda ist da anderer Meinung: "Man kann nicht sagen, dass Fehler gemacht wurden." McLaren-Fahrer Jenson Button sieht das genauso. "Ich denke, die FIA hat gute Arbeit gemacht, die Situation zu kontrollieren", wird er bei "autosport.com" zitiert.

Nach einem Ausrutscher von Adrian Sutil war Bianchi beim Großen Preis von Japan gegen den Abschleppwagen geprallt, der zur Bergung von Sutils Sauber ausgerückt war. Anschließend wurde er mit dem Rettungswagen abtransportiert und nach einem ersten operativen Eingriff auf die Intensivstation verlegt.

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Hätte der Unfall von Jules Bianchi verhindert werden können?

FIA entscheidet sich gegen Renn-Verschiebung, aber für Safety-Car-Start

Beim Grand Prix in Suzuka kamen einige Faktoren zusammen, die zumindest Fragen aufwerfen. Bereits vor dem Wochenende war klar, dass ein Taifun auf die Strecke zurollte. Dieser würde starke Windböen und Regen mitbringen. Bei einem langen Rennen würde in der Endphase bereits die Dämmerung einsetzen, die die Sicht deutlich verschlechtert. Eine Verschiebung des Rennens stand im Raum. Am Samstag entschied der Motorsport-Weltverband FIA jedoch, das Rennen planmäßig durchzuführen. "Man hätte früher starten können", räumte auch Lauda ein. "Es war vorhersehbar. Man hätte um 13 Uhr Ortszeit beginnen können."

Zum Rennstart regnete es über der Strecke heftig. Auf dem Asphalt stand das Wasser. Aus Sicherheitsgründen wurde der Grand Prix hinter dem Safety Car gestartet. In der dritten Runde wurde der Grand Prix unterbrochen. Die Fahrer schwammen regelrecht auf der überschwemmten Strecke. Es war zu gefährlich. 15 Minuten später ließ Rennleiter Charlie Whiting das Feld dann hinter dem Safety Car wieder auf die Strecke.

Vettel: "Das war sehr, sehr großes Pech"

Der Kurs trocknete in dieser Phase recht schnell ab. Die Fahrer wollten endlich um Positionen kämpfen und Lewis Hamilton forderte mehrfach die Freigabe des Rennens. "Charlie, die Strecke ist in Ordnung", sprach der WM-Führende den Rennleiter Charlie Whiting sogar direkt an. Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo sprach sogar davon, dass die Strecke trocken genug für Intermediate-Reifen sei. Nach neun Runden gab Whiting das Rennen schließlich frei.

"Bei so einem Rennen wie heute ist immer das Risiko größer, irgendwie schließt das jeder im Vorhinein aus", erklärte Vettel die Sichtweise der Rennfahrer. "Man sieht, wie schnell etwas passieren kann." Kurz vor dem dramatischen Vorfall war Adrian Sutil mit seinem Sauber in den Reifenstapel gerutscht, Bianchis Auto prallte dann gegen den angerückten Bergungswagen. "Das war sehr, sehr großes Pech, das Auto gerade dort in diesem Moment zu verlieren", sagte Sebastian Vettel.

Dunkelheit und Aquaplaning erhöhen das Risiko

Bis zum Abflug von Sutil in der 42. Runde gab es keine größeren Unfälle. Bis auf einige kleine Ausrutscher hielten alle Fahrer ihre Boliden auf der Strecke. Sutil beschrieb, wie es zu dem Unfall gekommen ist: "Ich habe das Auto in der Kurve verloren, weil Aquaplaning war. Der Regen wurde immer schlimmer, und es wurde auch immer dunkler. Man konnte nicht erkennen, wo Aquaplaning ist", sagte der Sauber-Pilot.

Die einbrechende Dunkelheit verbunden mit Aquaplaning hat diese Kurve besonders heikel gemacht. "Es war eine der gefährlichsten Stellen, weil der Auslauf sehr gering ist. Und weil die Aquaplaning-Gefahr dort am höchsten war", erklärte Sutil. "In den 15 Jahren, in denen ich zu Formel-1-Rennen komme, habe ich so ein dunkles Rennen noch nie erlebt", zitiert der "Express" Massas Ingenieur Rob Smedley.

Sutil: "Es wäre richtig gewesen, vorher abzubrechen"

"Ich bin ausgestiegen und dann ist eine Runde später das gleiche passiert mit Bianchi", so Sutil. Als dessen Wagen von einem Bergungskran geborgen wurde, krachte Bianchi ihn diesen hinein. Die Tatsache, dass für die Bergung von Sutils Wagen das Safety Car nicht erneut auf die Strecke geschickt wurde, wirft zumindest Fragen auf.

Im Nachhinein wäre es besser gewesen, das Rennen vorher bereits zu beenden. "Ich denke, es wäre richtig gewesen, wenn man ein paar Runden vorher schon abgebrochen hätte. Besonders wir mit den langsameren Autos mit weniger Abtrieb spüren das auf so einer Strecke als erste. Das ist sehr tückisch. Es sind viele langgezogene Kurven. Wenn dann ein bisschen Aquaplaning kommt, hat man keine Chance mehr. Man verliert das Auto einfach. Ich habe auch noch andere Autos während der Safety-Car-Phase gesehen, die da am Limit durchgefahren sind", sagte Sutil.

Villeneuve fordert Safety Car bei jedem Unfall

Bei der Bergung des Saubers wurden doppelt Gelbe Flaggen geschwenkt. Diese signalisieren eine besondere Gefahrenstelle. Die Fahrer sollen bereit sein, anzuhalten. Vettel hat die Flaggen gesehen, viel mehr aber nicht. "Es hat ja stark geregnet und die Gischt der Fahrzeuge davor war auch noch da", erklärte der Red-Bull-Pilot.

Erst nach Bianchis Unfall kam das Safety Car gemeinsam mit dem Medical Car auf die Strecke. Das kritisierte Ex-F1-Pilot Jacques Villeneuve und forderte bei "motorsport-total.com": "Die Safety-Car-Regeln müssen geändert werden, da sollte man sich Amerika zum Vorbild nehmen. Dort kommt das Safety Car jedes Mal, wenn es einen Unfall gibt, auf die Strecke. Es sollte keinen Spielraum mehr für subjektive Einschätzungen geben."

Lauda: "Motorsport ist immer gefährlich"

Auch der Abtransport Bianchis wirft Fragen auf. Einigen Medienberichten zufolge habe der Rettungshubschrauber bereitgestanden, sei aber nicht entsprechend ausgestattet gewesen. Andere Medien berichten, dass das schlechte Wetter einen Start verhindert habe. Deshalb sei Bianchi mit dem Krankenwagen in die Klinik gebracht worden. Sollte der Hubschrauber nicht einsatzbereit gewesen sein, hätte das Rennen abgebrochen werden müssen. So wollen es die Sicherheitsbestimmungen der Formel 1.

Einige Experten weisen bei aller Kritik aber daraufhin, dass Rennfahren ein gefährlicher Sport per se ist, egal wie groß die Sicherheitsvorkehrungen sind. "Man kann nicht alles 100-prozentig absichern. Ein Restrisiko besteht. Das ist leider heute eingetreten", sagte Sutil. Bei "motorsport-total.com" nennt Streckenposten Christian Eibner die Tragödie "Pech im Unglück". F1-Experte Marc Surer sieht das genauso: "Was da während der Safety-Car-Phase passiert ist, ist ein sehr, sehr dummer Unfall. Sutil schlägt nicht sehr heftig ein, und Bianchi wahrscheinlich auch nicht, aber weil der Bergungsbagger im Weg steht, hat der Crash ganz andere Folgen." Lauda, selbst Unfall-Opfer in seiner aktiven Formel-1-Zeit, weist ebenfalls auf ein generelles Risiko im Rennsport hin: "Man muss sich bewusst sein, das Motorsport immer gefährlich ist."

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