Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport >

Turn-WM 2014: Vater von Fabian Hambüchen muss manchmal bremsen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Turn-WM 2014  

Vater Hambüchen muss als Trainer manchmal bremsen

07.10.2014, 14:28 Uhr | dpa

Turn-WM 2014: Vater von Fabian Hambüchen muss manchmal bremsen. Vater Wolfgang Hambüchen und sein Sohn Fabian.

Vater Wolfgang Hambüchen und sein Sohn Fabian. Foto: Marijan Murat. (Quelle: dpa)

Nanning (dpa) - "Schweiß, Tränen, Glück" - nach kurzem Nachdenken umreißt Wolfgang Hambüchen mit diesen drei Worten sein Leben für das Turnen.

Viel Zeit hatte er nicht, nach seinem 60. Geburtstag im Trainingslager Kienbaum seine Karriere als Aktiver und vor allem als Trainer des erfolgreichsten deutschen Turners Fabian Hambüchen zu bilanzieren: Seit Freitag läuft die Turn-WM in Nanning.

Natürlich erinnert er sich daran, wie Fabian schon "mit vier Jahren durch die Turnhalle heizte und Blödsinn ohne Ende" machte. "Es hat ihm unheimlich Spaß gemacht. Aber er war so steif. Ich hätte damals nie gedacht, dass der mal Turner wird", sagt der Coach schmunzelnd.

Stets hätten sich seitdem Vater- und Trainerrolle vermischt. Dabei scheint es eine Kunst, das Risiko bei den spektakulären Elementen unter Kontrolle zu halten. "Fabian war immer ein Draufgänger, er ist noch heute sehr impulsiv und lässt sich für manch riskante Sache schnell begeistern." Seine eigene Aufgabe sei es hingegen, als Bremse zu funktionieren. "Insofern wäre Misserfolgs-Verhinderungs-Typ vielleicht die treffende Bezeichnung für mich", sagt Vater Hambüchen.

"Natürlich haben wir mal unterschiedliche Meinungen. Früher flogen aber mehr die Fetzen", bestätigte Fabian. "Jetzt geht jeder seiner Wege und am nächsten Morgen wird das vernünftig ausdiskutiert." Dank hervorragender Zusammenarbeit mit Biomechaniker Mauno Nissinen und Fabians Onkel Bruno Hambüchen als Mental-Coach sei es gelungen, das Risiko zu beherrschen, weiß Vater Wolfgang. Daher zählt er die Verletzungen von Fabian - den Bänderriss im Podiumtraining der WM 2009 und den Achillessehnenriss 2010 - zu den schwärzesten Teilen seiner Laufbahn, die mit sieben Jahren im Turnverein Krefeld begann.

Nicht gern erinnert sich der Coach an den bösen Absturz seines Schützlings im Reck-Finale der EM im Mai. "Da funktioniert man nur und überlegt: Was muss ich tun? Die Gedanken kommen erst später", beschreibt er die heikle Situation, die in Sofia glimpflich für seinen Sprössling ausging. Und er gesteht: "Fabian war danach in einer Krise, weil er nicht wusste, wie das passieren konnte. Er hat wochenlang mit Bruno an der mentalen Seite gearbeitet." Auch im Training habe es gefährliche Szenen gegeben. "Wenn ich sehe, dass es kritisch wird, brülle ich sofort Stopp. Manchmal hilft das noch."

Doch nicht der Gedanke an solche Momente überwiegt im Rückblick, sondern die Sternstunden mit beiden Söhnen. Aus der ersten Hälfte seiner Trainer-Tätigkeit benennt Wolfgang Hambüchen zwei Highlights: "Das Erreichen des olympischen Reck-Finals durch Fabian mit 16 Jahren in Athen und den ersten Länderkampf für seinen vier Jahre älteren Bruder Christian 1997."

Für alle Zeiten im Kopf gespeichert ist für den Vater der Siegeszug von Fabian bei der Heim-WM 2007 in Stuttgart. "Die perfekte Organisation hatte die Dimension des Fußballs angenommen. Tausende Menschen bei der Siegerehrung auf dem Schlossplatz und ein hoch emotionales Reck-Finale. Damals dachte ich: Wenn er da runterfällt, sind wir die Deppen der Nation", erinnert er sich an den einzigen WM-Titel deutscher Turner in den vergangenen 17 Jahren.

Meilensteine seiner eigenen Laufbahn waren für den Jubilar die langen Aufenthalte in Japan, auch wenn er 1974 als Neuling damals die Flure im Sportinternat Tokio putzen musste. "Mit acht Japanern habe ich auf einer Bude gelegen, aber das hat mich geprägt", erzählt er über den Austausch der Sporthochschulen Köln und Tokio, den seine Eltern strikt ablehnten. "Doch mit 5000 D-Mark vom Opa habe ich den Flieger bezahlt", sagt er. Von seinen Kontakten profitiert heute auch Fabian: Mehr als ein Dutzend Mal weilte er schon zum Training in Tokio.

Das Ende seiner Trainingslaufbahn verknüpft Wolfgang Hambüchen, der in der Vergangenheit zehn Operationen zu überstehen hatte, nicht mit dem Karriereschluss seines Top-Athleten. Aber er bedenkt: "Der Job wird körperlich und nervlich immer mehr eine Herausforderung. Mein Hexenschuss beim American Cup im Frühjahr war ein Warnschuss."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Amateur am Werk 
Ungeschickter Bauarbeiter löst Kettenreaktion aus

Es kommt wie es kommen muss. Zum Glück kam der Mann noch einmal glimpflich davon. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal