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Darum geht in der Formel 1 der Pleitegeier um

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"Kein fairer Wettbewerb"  

Darum geht in der Formel 1 der Pleitegeier um

28.10.2014, 09:43 Uhr | t-online.de, sid

Darum geht in der Formel 1 der Pleitegeier um. Caterham kann aufgrund finanzieller Probleme in Austin nicht antreten. (Quelle: imago/Crash Media Group)

Caterham kann aufgrund finanzieller Probleme in Austin nicht antreten. (Quelle: imago/Crash Media Group)

Über der glitzernden Glamourwelt der Formel 1 kreist ein hässlicher Pleitegeier: Während die Hinterbänkler-Teams Caterham und Marussia längst am Rande des Abgrunds stehen, ächzen auch Rennställe wie Sauber, Force India und Lotus zunehmend unter der Last der immensen Kosten in der Königsklasse. Dabei sind die Probleme lange bekannt und hausgemacht.

"Wir werden weitere Teams verlieren, wenn wir so weitermachen. Hätten wir die Kostenkontrolle und eine gerechtere Verteilung der Preisgelder, hätten wir Caterham und Marussia vielleicht nicht verloren", sagte Robert Fearnley, stellvertretender Teamchef von Force India, und bringt das Problem auf den Punkt: "Nur fünf Teams haben in der Formel 1 etwas zu sagen." Der Rest muss sehen, wo er bleibt.

"Viele Teams werden das Schicksal von Caterham teilen"

"Es ist kein fairer Wettbewerb mehr. Es war abzusehen, dass diese Teams abstürzen", sagte Max Mosley der BBC. Der ehemalige Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA malte zudem ein schwarzes Zukunftsbild: "Sie könnten nicht die Letzten gewesen sein."

UMFRAGE
Sollten die Gelder in der Formel 1 anders verteilt werden?

Ex-Caterham-Teamchef Tony Fernandes schlägt in die gleiche Kerbe. "Ich glaube nicht, dass Privatteams langfristig überleben können. Der Sport hat einige Probleme. Viele Teams werden das Schicksal von Caterham teilen", sagte Fernandes, der gerade mit einer Schlammschlacht um den am Boden liegenden Rennstall für Negativschlagzeilen sorgte.

Red Bull und Co. ohne Interesse an Budget-Obergrenze

Seit Jahren reden die Teams davon, die ausufernden Ausgaben irgendwie eindämmen zu wollen. Doch bisher konnten sich die Rennställe nicht auf eine Budget-Obergrenze einigen. Besonders die großen und reichen Teams wie Red Bull und Ferrari, bei denen Geld keine Rolle spielt, sind nicht daran interessiert, ihren Etat zu deckeln. Der österreichische Getränkehersteller leistet sich mit Red Bull Racing und Toro Rosso sogar gleich zwei Rennställe. Die großen Teams verfügen über Etats jenseits der 250 Millionen Euro, die kleinen operieren gerade mal mit einem Drittel davon.

"Motorsport-total.com" berichtet, dass 2010 mit Lotus, Manor, Campos und US F1 vier Teams mit dem Versprechen einer Budget-Obergrenze in die Königsklasse gelockt wurden. Alle bis auf Lotus sind nicht mehr dabei. US F1 scheiterte sogar bereits vor dem Einstieg. Von Sauber, Force India und auch Lotus ist ebenfalls immer wieder von Finanzproblemen zu hören.

Fünf Teams bekommen Sonderzahlungen

Hinzu kommt die ungerechte Verteilung der Preisgelder durch Chefpromoter Bernie Ecclestone, die so genannte "Bernie Money". Der genaue Verteilungsschlüssel der rund 500 Millionen Euro, die pro Jahr ausgeschüttet werden, ist nicht bekannt. Aber klar ist: Die Starken werden überproportional begünstigt und damit immer stärker.

Laut "auto motor und sport" bekommen Ferrari, Red Bull, Mercedes, McLaren und Williams unabhängig von ihrer Platzierung Sonderzahlungen. Die anderen Teams können bei gleicher Platzierung nicht annähernd so viel aus dem Geld-Topf bekommen. Für den dritten Platz Ferraris 2013 errechnete das Blatt knapp 57 Millionen Euro plus knapp 78 Millionen Euro Sonderzahlungen. Lotus bekam für Platz vier etwa 51 Millionen Euro. Sonderzahlungen gab es nicht. Somit geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auf.

Mosley: "Es läuft etwas fundamental falsch"

Nur die besten zehn Teams bekommen überhaupt Geld. Damit geht derzeit ein Rennstall komplett leer aus. Eine zumindest im Ansatz solidarische Verteilung der Einnahmen wie etwa in der Fußball-Bundesliga ist der Formel 1 fremd. Und so können sich die meisten Rennställe das Millionenspektakel eigentlich nicht mehr leisten.

"Aus sportlicher Sicht sollte man das Geld gleichmäßig aufteilen und dann die Teams so viele Sponsoren wie möglich besorgen lassen", fordert Mosley. "Wenn alle das gleiche Basisgeld bekommen würden, würden alle mit gleichen Voraussetzungen starten." Dass am kommenden Wochenende in Austin nur 18 Autos am Start sein werden, sei kurzfristig nicht so schlimm, mittelfristig jedoch werde es Probleme geben, "weil etwas fundamental falsch läuft. Die Regeln sollten so sein, dass sich jemand von hinten nach vorne arbeiten kann, wenn er ein wirklich guter Ingenieur ist".

Kleinstes Fahrerfeld seit 2005

Sowohl Caterham als auch Marussia werden beim kommenden Grand Prix der USA in Austin aus finanziellen Gründen nicht am Start sein. Damit ergibt sich ein trauriges Bild in der Startaufstellung in Texas: Das kleinste Fahrerfeld seit 2005.

Am Montag gab Marussia bekannt, ein Insolvenzverfahren eingeleitet zu haben. Der Schritt sei trotz aller Bemühungen, die Zukunft des Teams zu sichern, "alternativlos", hieß es in einer Mitteilung. Bisher habe es keine Entlassungen im Team gegeben und die Mitarbeiter seien bis Ende Oktober voll bezahlt worden. Mit neuen Partnern wolle man das Aus abwenden. "Wir setzen weiterhin alles daran, interessierte Parteien ins Boot zu holen", sagte Insolvenzverwalter Geoff Rowley.

Die Königsklasse ist zu teuer

Immerhin besteht etwas Hoffnung auf eine kurzfristige Rettung. Dem Team winkt offenbar eine Finanzspritze in Höhe von rund 70 Millionen Euro. Laut eines Berichtes des englischen "Telegraph" ist das britisch-indische Unternehmer-Duo Baljinder Sohi und Sonny Kaushal an dem in argen finanziellen Nöten steckenden Team interessiert. "Wir sind sehr nahe an einem Abschluss", sagte Sohi: "Aber der Preis muss stimmen. Wir haben ein ernsthaftes Angebot eingereicht und warten nun ab, was passiert."

Doch das eigentliche Problem würde dadurch auch nicht gelöst. "Die Formel 1 ist einfach zu teuer und vollkommen untragbar für die kleineren Fische", sagte Narain Karthikeyan über die Finanzkrise in der PS-Branche. Nur die ohnehin schon reichen Teams würden große Gewinne einstreichen. Karthikeyan weiß, wovon er spricht. 2011 und 2012 fuhr der Inder für HRT. Dann war das Team pleite.

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