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Fußball  

Sylvia Schenk: "FIFA hat nichts mehr im Griff"

18.12.2014, 16:08 Uhr | dpa

Sylvia Schenk: "FIFA hat nichts mehr im Griff". Sylvia Schenk kritisiert die FIFA scharf.

Sylvia Schenk kritisiert die FIFA scharf. Foto: Paul Zinken. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Nach dem Rücktritt von FIFA-Chefermittler Michael Garcia hat Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk scharfe Kritik am Fußball-Weltverband geäußert und den Abgang des umstrittenen Präsidenten Joseph Blatter gefordert.

"Es wird deutlich, dass die FIFA nichts mehr im Griff hat. Das war vorher schon so, aber jetzt wird es noch deutlicher. Irgendwann muss auch das letzte Kongressmitglied merken, dass Blatter überhaupt nichts mehr steuert und dass weder Glaubwürdigkeit noch Ruhe mit ihm zu finden ist", sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland der Deutschen Presse-Agentur. Wer Blatter dies noch zutraue, müsse an Wunder glauben.

Das Konstrukt der Ethikkommission sei längst gescheitert. "Die FIFA hat zwei renommierte Personen verbrannt. Garcia hat für sich den Ausstieg mit Rückgrat geschafft, Hans-Joachim Eckert steht ziemlich begossen da", ergänzte Schenk, die die Rolle des Münchner Richters kritisch sieht. Eckert hätte niemals seinen Bericht machen dürfen. Er habe sich zu sehr auf das Strafrecht zurückgezogen. Dabei sei es seine Aufgabe als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer innerhalb der Ethikkommission gewesen, eine ethisch-moralische Bewertung abzugeben.

Hintergrund für den Rücktritt Garcias war die Entscheidung der FIFA, den Einspruch des Amerikaners gegen Eckerts Zwischenbericht zurückzuweisen. Der deutsche Jurist hatte nach Durchsicht der Garcia-Akten zu möglichen Korruptionsfällen rund um die WM-Vergaben 2018 in Russland und 2022 in Katar "keine gravierenden Verstöße" festgestellt.

Für Schenk war dies ein konsequenter Schritt. Die frühere Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer glaubt, dass der Tiefpunkt bei der FIFA noch nicht erreicht ist. "Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, ob es noch schlimmer geht. Bisher hat es die FIFA immer noch steigern können. Ich traue ihr da noch viel zu", betonte Schenk, die aber die leise Hoffnung hat, dass innerhalb der Exekutive ein Umdenken stattfindet.

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat als Mitglied der FIFA-Exekutive den Antrag eingereicht, den Garcia-Report zu veröffentlichen. "Vielleicht gibt es mal eine Entscheidung, die nicht einstimmig ist. Das wäre schon ein Fortschritt", sagte Schenk, die kaum glaubt, dass sich an den WM-Vergaben noch etwas ändern könne: "Selbst wenn Korruption nachgewiesen wird, kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass der Vertrag anschließend nichtig ist."

Zwischen dem Krisenmanagement der FIFA und des Internationalen Olympischen Komitees liegen laut Schenk Welten. "Das IOC ist ein Musterbeispiel, wie man es machen sollte, auch wenn es weiter Probleme gibt. Die FIFA hat viel zu lange gewartet."

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