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Bob Hanning: Mindestlohn im Sport gefährdet Nachwuchsarbeit

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Manager: Mindestlohn im Sport gefährdet Nachwuchsarbeit

16.01.2015, 09:40 Uhr | dpa

Bob Hanning: Mindestlohn im Sport gefährdet Nachwuchsarbeit. Der Mindestlohn bereitet Bob Hanning bei der Vereinsarbeit Kopfzerbrechen.

Der Mindestlohn bereitet Bob Hanning bei der Vereinsarbeit Kopfzerbrechen. Foto: Jens Wolf. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Bob Hanning steht in diesen Tagen in engem Kontakt mit dem Steuerbüro. Der Mindestlohn bereitet dem Geschäftsführer des Handball-Pokalsiegers Füchse Berlin Kopfzerbrechen.

"Das ist eine schwierige Situation für uns", sagt Hanning. Das Problem: Bislang bekamen die Nachwuchsspieler in der zweiten Mannschaft nur eine Aufwandsentschädigung von 250 Euro im Monat, doch nun steht einigen Amateuren der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zu. Die zusätzlichen Kosten schätzt Hanning auf etwa 45 000 Euro im Jahr. "Das können wir als kleiner Verein nicht stemmen. Die Nachwuchsarbeit ist gefährdet." Nun erwägt der Club sogar, die Verträge mit den betroffenen Amateurspielern aufzulösen.

Die Füchse Berlin sind kein Einzelfall. Auch in anderen Vereinen und Sportarten sorgt das neue Gesetz für Verunsicherung. Der von der Großen Koalition durchgesetzte Mindestlohn gilt vom 1. Januar an. Viele sogenannte Vertragsspieler im Amateurbereich sind mit einem 250-Euro-Kontrakt ausgestattet. Sie dürfen aber laut Mindestlohngesetz nur 29 Stunden im Monat arbeiten. Dies wiederum ist durch mehrfache Trainingseinheiten in der Woche und die Fahrten zu Auswärtsspielen häufig nicht umsetzbar.

Das Ehrenamt bleibe vom Mindestlohn weiterhin unangetastet, betont Reinhard Grindel, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem Interview auf der Homepage des Verbandes. Ebenso wenig fielen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung unter das Gesetz. Für Amateur- und Vertragsspieler gelte der Mindestlohn aber, wenn eine "finanzielle Gegenleistung ihrer Tätigkeit" im Mittelpunkt stehe. Doch gerade diese Trennlinie zwischen Ehrenamt und Arbeitsverhältnis lässt sich bei den Amateurvereinen häufig nicht leicht ziehen.

Gerade in den Spielklassen unterhalb der dritten Liga könnte die Berechnung der Arbeitszeit Vereine und Sportler vor Probleme stellen. "Die Spieler sollten für jeden Tag schriftliche Arbeitsaufzeichnungen machen und diese möglichst auch von einem Vorgesetzten - dies könnte beispielsweise der Trainer sein - gegenzeichnen lassen", rät Frank Rybak, Justiziar der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). Sollte ein Club den Mindestlohn nicht in voller Höhe oder verspätet zahlen, drohe eine Geldbuße in Höhe von bis zu 500 000 Euro.

Für Füchse-Chef Hanning macht das keinen Sinn. Er fordert die Gesetzgeber auf nachzubessern. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) soll dafür eintreten, dass Amateure vom Mindestlohn ausgenommen werden. "Wir entwickeln junge Menschen, damit sie hinterher Geld verdienen können - und werden dafür bestraft", sagt Hanning. "Das kann es nicht sein". Bei den Füchsen seien zehn Spieler von den neuen Regelungen betroffen.

Auch Fußballclubs bereitet der Mindestlohn Sorgen. "Bei mir haben sich schon einige Geschäftsführer und Manager gemeldet und haben sich nach dem Thema Mindestlohn erkundigt. Es herrscht eine gewisse Verunsicherung in der Branche", schilderte jüngst Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der "Welt am Sonntag". Der Jurist ist beim DFB für die Amateure zuständig, er erklärte das Dilemma: "Einige Vereine, deren Verträge mit Spielern und Trainern betroffen sind, werden es schwer haben, die nötigen Budgets für die Bezahlung des Mindestlohns zu finanzieren."

Die Spielergewerkschaft begrüßt den Mindestlohn. Für die Spieler sei die neue Regelung grundsätzlich gut. Viele von ihnen verdienten in den unteren Ligen derzeit vier Euro und weniger pro Stunde - und arbeiteten teilweise hundert Stunden im Monat unter Profi-Bedingungen, schildert VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Er räumt aber ein, dass klamme Clubs unterhalb der 3. Liga wegen des Mindestlohns durchaus in die Bredouille geraten könnten. Es sei zu befürchten, dass einige Vereine Verträge mit bislang geringfügig beschäftigten Spieler nicht verlängern, um dem Mindestlohn zu entkommen.

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