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Deutschem Sport droht Doping-Skandal im Fußball und Radsport

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Profi-Fußball im Fadenkreuz  

Neue Beweise aus Freiburg: Doping-Skandal im Fußball und Radsport

02.03.2015, 18:11 Uhr | sid

Deutschem Sport droht Doping-Skandal im Fußball und Radsport. VfB Stuttgart und SC Freiburg im Visier: Wurde in den 70er- und 80er-Jahren Anabolika auch bei den Bundesligisten verabreicht? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

VfB Stuttgart und SC Freiburg im Visier: Wurde in den 70er- und 80er-Jahren Anabolika auch bei den Bundesligisten verabreicht? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Dem deutschen Sport droht ein Doping-Skandal bisher unbekannten Ausmaßes. Erstmals steht dabei auch der Profi-Fußball im Fadenkreuz: Die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin, die sich mit der Doping-Vergangenheit an der dortigen Universität beschäftigt, hat Beweise für flächendeckendes Doping im Radsport sowie für die Verabreichung von Anabolika bei den Bundesligisten VfB Stuttgart und SC Freiburg gefunden.

Diese Beweise gehen aus den gut 60 "Klümper-Akten" hervor, die sich mit dem abgeschlossenen Betrugsverfahren gegen den damaligen Leiter der Sporttraumatologischen Spezialambulanz Armin Klümper befassen. "Erstmals" sei der "sichere Befund möglich, dass Anabolika-Doping auch im Profi-Fußball eine signifikante Rolle spielte", schrieb Andreas Singler, Mitglied der Evaluierungskommission. Er veröffentlichte die Details ohne Rücksprache mit seinen Kollegen und gegen den Willen der Kommissionsvorsitzenden Letizia Paoli. Diese bestätigte in einer eigenen Mitteilung aber die inhaltliche Korrektheit der Doping-Vorwürfe.

Kommissionsmitglied Singler betonte: "Gezeigt werden können erstmalig die Strukturen des Dopings im Fußball am Beispiel der hauptverantwortlichen Mitwirkung von Prof. Dr. Klümper inklusive der Finanzierung solcher Aktivitäten durch die Vereine."

Doping-Einzelfälle hat es in der Geschichte des deutschen Fußballs bereits mehrfach gegeben. Über flächendeckende Vergehen gab es bislang nur Spekulationen aufgrund von Verdachtsmomenten, die aber von den Beteiligten stets bestritten wurden.

Erkenntnisse werfen einen dunklen Schatten auf VfB und SC

In den "späten 1970er und frühen 1980er Jahren" sei beim Bundesligisten aus Stuttgart "im größeren Umfang" und "wenn auch nur punktuell nachweisbar" auch beim damaligen Zweitligisten aus Freiburg Anabolika-Doping vorgenommen worden. Die Schlüsselfigur ist Klümper. Es geht vor allem um das Anabolikum Megagrisevit, das auch von der von Klümper behandelten und 1987 verstorbenen Leichtathletin Birgit Dressel zeitweise eingenommen worden war.

Die Erkenntnisse werfen einen dunklen Schatten auf beide Vereine, für die damals auch der heutige Bundestrainer Joachim Löw gespielt hatte. Von 1978 bis 1980 sowie 1982 bis 1984 in Freiburg, 1980/81 in Stuttgart. Die Kommission hielt in ihrem Zwischenbericht aber ausdrücklich fest, "dass eine Zuordnung von Medikationen an einzelne, konkret zu benennende Spieler nach Auswertung der Akten der Staatsanwaltschaft Freiburg nicht möglich ist".

Stellungnahmen der beiden Klubs

Der VfB - seinerzeit mit Spielern wie Bernd und Karlheinz Förster, Karl Allgöwer und Hansi Müller im Höhenflug und 1984 Deutscher Meister - schrieb in einer Pressemitteilung, dass ihm das Gutachten nicht vorliege. "Aus diesem Grund kann nach dem derzeitigen Kenntnisstand seitens des VfB Stuttgart nicht nachvollzogen werden, worauf die Vorwürfe fußen beziehungsweise ob und wenn ja in welcher Form sie zutreffend sind". Festzustellen sei, "dass Prof. Klümper zu keinem Zeitpunkt Vereinsarzt des VfB Stuttgart war". Der Klub betonte, dass er "im Sinne eines sauberen Sports an der lückenlosen Aufklärung des Sachverhaltes interessiert" sei.

Nachforschungen der Kommission zufolge ist indes beim SC Freiburg "eine Anabolika enthaltende Medikamentenlieferung auf Veranlassung" von Klümper überliefert. Der Verein teilte mit: "Der Sport-Club als Bundesliga-Verein erteilt jeglichen Maßnahmen zu Medikamentenmissbrauch und unerlaubter Leistungssteigerung eine klare Absage." Dem Verein lägen bislang "keine ausführlichen Ermittlungsergebnisse oder Gutachten" über eine mögliche Medikamentenlieferung vor. "Von daher lässt sich aus Sicht des Vereins aktuell nicht bewerten, wem die genannte Lieferung galt und wer sie angeordnet hat." Unabhängig davon will der Klub die Aufklärungsarbeit der Freiburger Untersuchungskommission "komplett unterstützen".

Sundermann: "Das ist absurd"

Der ehemalige VfB-Trainer Jürgen Sundermann (1976 bis 1979 und 1980 bis 1982) sagte zu den Erkenntnissen: "Das ist absurd. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen und halte das für völlig ausgeschlossen." Und Allgöwer sagte dem "kicker": "Ich war zwar bei Dr. Klümper, habe mit diesen Dingen aber nie etwas zu tun gehabt."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) fordert eine Aufklärung der Dopingvorwürfe. "Hier werden gravierende Vorwürfe geäußert, die selbstverständlich umfänglich aufgeklärt werden müssen", sagte Dr. Rainer Koch als Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB. Gleichzeitig bemängelte Koch, dass der DFB von der Evaluierungskommission über die Fälle noch nicht in Kenntnis gesetzt worden ist.

Beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) fand "Doping vor allem mit anabolen Steroiden in den Jahren zwischen 1975 und 1980 nicht nur in fast flächendeckender Manier auf Veranlassung Klümpers statt", schrieb die Kommission: "Dieses Doping wurde, wie hierrstmals bewiesen werden kann, auch vom BDR aus einem eigenen 'Ärzteplan' finanziert. Dabei ist derzeit nicht auszuschließen, dass auch Minderjährige Dopingmittel erhalten haben könnten." Der BDR hat nach eigener Aussage weiterhin "keine Informationen" zu den damaligen Vorgängen.

60-seitiges Sondergutachten

Die neuen Erkenntnisse zum Doping im BDR und im Profi-Fußball sind in einem etwa 60-seitigen Sondergutachten zusammengefasst worden. Die Evaluierungskommission werde laut Singler in den nächsten Wochen darüber beraten, ob sie diesen Text als Zwischenbericht gegebenenfalls vor Abschluss sämtlicher Arbeiten veröffentlichen will. Er veröffentlichte die Details, da das "berechtigte Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit so zeitnah bedient werden soll, wie dies der Kommission nach wochenlanger intensiver Sichtung und Auswertung der Akten möglich war". Gleichzeitig bot er den übrigen Kommissionsmitgliedern seinen Rücktritt an.

Seiner Meinung nach sei mit den Ermittlungen der Nachweis möglich, "dass Doping in der Bundesrepublik Deutschland keineswegs nur der individuellen Verantwortung einzelner Sportler überstellt war, sondern dass es über einzelne Sportverbände oder Sportvereine mitunter zentral organisiert und finanziert wurde".

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