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Doping-Bericht: Frühere VfB-Profis Roleder und Allgöwer distanzieren sich

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Nach Enthüllungs-Bericht  

Frühere VfB-Profis distanzieren sich von Doping

03.03.2015, 09:37 Uhr | sid, dpa

Doping-Bericht: Frühere VfB-Profis Roleder und Allgöwer distanzieren sich. Aus besseren Zeiten: Ehemalige VfB-Spieler wie Torwart Helmut Roleder (rechts) weisen Dopingvorwürfe zurück. (Quelle: imago/Baumann)

Der VfB Stuttgart wurde 1984 Meister. Waren damals einige Spieler gedopt? (Quelle: imago/Baumann)

Systematisches Anabolika-Doping im deutschen Profifußball? Die Vorwürfe der Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin haben für einen Aufschrei gesorgt. Der Ruf nach lückenloser Aufklärung ist laut, frühere Spitzensportler weisen angebliche Doping-Praktiken entschieden zurück. "Wir waren weit entfernt, über Doping nachzudenken", versicherte der frühere Stuttgarter Torwart Helmut Roleder. "Ich kann den VfB von irgendwelchen Doping-Geschichten absolut freisprechen."

Nach Erkenntnissen der Freiburger Untersuchungskommission hat in den späten Siebziger und frühen Achtziger Jahren Anabolika-Doping beim Bundesligisten VfB "in größerem Umfang" sowie in kleinerem Rahmen beim damaligen Zweitliga-Klub SC Freiburg eine Rolle gespielt. Hintermann soll der Freiburger Sportmediziner Armin Klümper sein.

Vereine distanzieren sich

Beide Vereine distanzierten sich klar von möglichen Doping-Praktiken. Der VfB schrieb in einer Pressemitteilung, dass ihm das Gutachten nicht vorliege. "Aus diesem Grund kann nach dem derzeitigen Kenntnisstand seitens des VfB Stuttgart nicht nachvollzogen werden, worauf die Vorwürfe fußen." Festzustellen sei, "dass Professor Klümper zu keinem Zeitpunkt Vereinsarzt des VfB Stuttgart war".

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Nachforschungen der Kommission zufolge ist indes beim SC Freiburg "eine Anabolika enthaltende Medikamentenlieferung auf Veranlassung von Klümper" überliefert. Der Verein teilte mit, dass dem Sport-Club bislang "keine ausführlichen Ermittlungsergebnisse oder Gutachten" über eine mögliche Medikamentenlieferung vorlägen. "Von daher lässt sich aus Sicht des Vereins aktuell nicht bewerten, wem die genannte Lieferung galt und wer sie angeordnet hat."

"Es ging nur um Diagnostik und Behandlung"

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) fordert unterdessen Aufklärung. "Hier werden gravierende Vorwürfe geäußert, die selbstverständlich umfänglich aufgeklärt werden müssen", sagte der Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB, Rainer Koch.

Bei Klümper waren früher auch Profis des VfB Stuttgart in Behandlung. "Doping war bei uns in der Mannschaft niemals ein Thema. Ich habe es so in Erinnerung, es ist ja schon einige Jahre her, dass Professor Klümper ein anerkannter Sportmediziner war, der auch von seinen Behandlungsmethoden vielleicht etwas progressiver war als die anderen", erzählte Roleder, der etwa wegen Meniskusproblemen behandelt wurde.

"Für mich war Klümper jemand, der als anerkannter Sportmediziner gesucht wurde. Da ging es aber nur um Diagnostik und Behandlung", erläuterte Roleder, der von 1972 bis 1987 beim VfB aktiv war. "Von Doping, auch innerhalb der Mannschaft, war wirklich nie die Rede." Der ehemalige VfB-Trainer Jürgen Sundermann (1976 bis 1979 und 1980 bis 1982) sagte zu den Erkenntnissen: "Das ist absurd. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen und halte das für völlig ausgeschlossen."

Strukturen von Doping im Fußball belegt

Unter anderen wehrten sich auch die ehemaligen VfB-Profis Karlheinz Förster und Karl Allgöwer gegen die Anschuldigungen. "Ich war zwar bei Dr. Klümper, habe mit diesen Dingen aber nie etwas zu tun gehabt", sagte Allgöwer dem "kicker". Für Förster sei Doping abwegig: "Ich hatte nie mit diesem Thema zu tun." Roleder, Förster und Allgöwer wurden 1984 mit Stuttgart Deutscher Meister.

Die Kommission wies in ihrem Bericht ausdrücklich daraufhin, dass "eine Zuordnung von Medikationen an einzelne, konkret zu benennende Spieler nach Auswertung der Akten der Staatsanwaltschaft Freiburg nicht möglich" sei. Zumindest könnten aber die Strukturen des Dopings im Fußball unter starker Mitwirkung Klümpers, der mittlerweile zurückgezogen in Südafrika lebt, belegt werden.

Kommissionsmitglied Andreas Singler beschrieb angebliche Praktiken beim VfB. "Klümper schickte die Präparate an den Masseur oder ließ sie dorthin schicken. Beim VfB bezahlte der Verein die Rechnung", zitierte die "Bild" Singler. "Beim VfB wurde das Anabolika-Mittel auch mindestens in einem Fall nachbestellt. Damit ist bewiesen: Es gab Anabolika im deutschen Fußball."

Das Gremium betonte, dass dem früheren Sportmediziner erst "durch politische Kreise in Stadt, Land und auf Bundesebene sowie unter Einflussnahme des organisierten Wettkampfsports die entsprechend günstigen Arbeitsbedingungen geschaffen" werden konnten.

"Keine Narrenfreiheit" mehr

Unterdessen hat Experte Fritz Sörgel den DFB zur Aufklärung der Vorwürfe eines möglicherweise systematischen Anabolika-Dopings im deutschen Profifußball aufgefordert. "Es ist ein Volkssport, der wichtigste Sport in Deutschland, und da kann man sich nicht erlauben, dass etwas ungeklärt bleibt", sagte der Nürnberger Pharmakologe.

Der DFB werde darüber nachdenken müssen, ob die "Narrenfreiheit", die der Fußball nun mal habe, weiter gelten könne, und der Verband "in Zukunft nicht eine Schippe drauflegen muss, damit er glaubwürdig wird".

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