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Tischtennis - Plastik oder Zelluloid: Ball-Varianten im Tischtennis

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Tischtennis  

Plastik oder Zelluloid: Ball-Varianten im Tischtennis

28.04.2015, 08:06 Uhr | dpa

Tischtennis - Plastik oder Zelluloid: Ball-Varianten im Tischtennis. Dimitrij Ovtcharov ist die Umstellung auf den neuen Ball gelungen.

Dimitrij Ovtcharov ist die Umstellung auf den neuen Ball gelungen. Foto: Anatoly Maltsev. (Quelle: dpa)

Suzhou (dpa) - Die Profis murren, die Basis boykottiert. Selten ist eine Neuerung im Tischtennis so uneinheitlich umgesetzt worden wie die Einführung des Plastikballs.

Die Kunststoffkugel ersetzt seit dem 1. Juli 2014 den Zelluloidball auf internationaler Ebene, Suzhou sieht die erste WM mit dem sogenannten "neuen Poly-Ball". Die Top-Leute versuchen, sich mit diesem Spielgerät zu arrangieren, zufrieden aber sind sie nicht.

"Die Plastikbälle gehen schnell kaputt und haben eine schlechte Qualität. Die meisten sind Eier", lautete das vernichtende Urteil von Nationalspielerin Irene Ivancan. "Der Ball fliegt langsamer. Ich habe das im vorigen Herbst etwas auf die leichte Schulter genommen, da stand ich schlecht zum Ball. Jetzt ist mir die Umstellung zu 100 Prozent gelungen", erklärte Europameister Dimitrij Ovtcharov.

Auch er beklagte die "extremen Schwankungen" der Qualität. In Suzhou bereitete sich das deutsche Team mit "baugleichen Bällen" aus der Heimat auf die Turnierbälle aus Plastik vor. Sie werden ebenso wie ihre Vorgänger in China hergestellt. Die Zelluloidbälle wurden als Gefahrengut per Schiff nach Europa transportiert, weil das Material leicht entflammbar ist. Der Weltverband ITTF stufte die Bälle als gesundheitsschädlich ein und beendete damit eine lange Ära.

Für die mehr als 400 000 aktiven Spieler von der Kreisklasse bis in die Regionalliga ist das Zelluloidball-Zeitalter aber noch längst nicht vorbei. Die Tischtennis Bundesliga (TTBL) und der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) haben den Plastikball nur für die höchsten Spielklassen zwingend vorgeschrieben. Ansonsten hat es der DTTB den Landesverbänden freigestellt, mit welchen Bällen gespielt wird.

Das Resultat ist ein ziemliches Durcheinander. Der Westen setzt auf Plastik, der Norden nicht. "Wir haben unseren Vereinen empfohlen, weiterhin mit Zelluloidbällen zu spielen. Das wird auf Kreis- und Bezirksebene zu fast 100 Prozent befolgt", erklärte Niedersachsens Geschäftsführer Heinz Löwer. "Plastik ist teurer, die Bälle gehen häufiger kaputt, und es gibt keine Trainingsbälle", fügte er hinzu.

Die diversen Ausrüsterfirmen stufen die Bälle je nach Härtegrad und Form in Kategorien ein. Ein perfekter Drei-Sterne-Ball kostet mehr als ein Euro. Da muss auch ein Regionalligaclub wie Ovtcharovs Heimatclub Schwalbe Tündern rechnen. "Wir haben vorige Saison mit Zelluloid gespielt. In der Zehnerliga gab es nur einen Verein, der Plastikbälle wählte", sagte Tünderns Tischtennis-Chef Andreas Rose.

Der DTTB bemüht sich um mehr Einheitlichkeit, aber das ist nicht ganz einfach. Die Firmen haben Probleme, die Plastikbälle flächendeckend anzubieten. Andererseits besitzen sie noch größere Lagerbestände mit Zelluloidbällen, die möglichst verkauft werden sollen. Das Thema birgt jede Menge Zündstoff, nicht nur wegen des explosiven Materials.

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