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Fußball: Blatters skurriler Feldzug geht weiter

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Fußball  

Blatters skurriler Feldzug geht weiter

31.05.2015, 14:48 Uhr | dpa

Fußball: Blatters skurriler Feldzug geht weiter. FIFA-Chef Joseph Blatter geht weiter gegen seine Gegner vor.

FIFA-Chef Joseph Blatter geht weiter gegen seine Gegner vor. Foto: Patrick Seeger. (Quelle: dpa)

Zürich (dpa) - Nach wilden Tiraden gegen die USA und die UEFA hat FIFA-Präsident Joseph Blatter den Verbal-Feldzug gegen seine Widersacher fortgesetzt. Seinen Freund Franz Beckenbauer benutzte er dabei als vermeintlichen Kronzeugen für einen Frontalangriff gegen die Spitze des deutschen Fußballs.

"Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte", sagte Blatter der Schweizer Zeitung "Sonntagsblick". Beckenbauer und der damit massiv angegangene DFB-Chef Wolfgang Niersbach dementierten den kompromittierenden Vorwurf umgehend.

"Ich habe mit Wolfgang Niersbach freundschaftlich diskutiert. Von Zusammenfalten kann überhaupt keine Rede sein", sagte Beckenbauer der "Bild"-Zeitung. Niersbach, seit Freitag Mitglied in dem vom weltweit kritisierten Blatter angeführten FIFA-Exekutivkomitee, ließ über DFB-Mediendirektor Ralf Köttker verlauten: "Keine Ahnung, wie Blatter auf sowas kommt, ein Telefonat mit dem Inhalt hat überhaupt nicht stattgefunden."

Mit den obskuren Anschuldigungen aus der Schweiz setzte Blatter sein unsouveränes Gebaren nach der knapper als erwarteten Wiederwahl zum FIFA-Boss fort. Eine Strategie für den Weg aus der größten Krise des Weltverbandes nach dem jüngsten Korruptionsskandal gab der 79-Jährige nicht vor. Schon bei der Pressekonferenz am Samstag hatte sich Blatter zu Beginn seiner fünften Amtszeit mehr mit der Verunglimpfung der Konkurrenten aufgehalten.

Mit Verschwörungstheorien und drohenden Worten attackierte er die US-Justizbehörden sowie die Europäische Fußball-Union um Michel Platini und Niersbach. Vor der Weltpresse legte er einen dünnhäutigen Auftritt hin. Ob er Sorge habe, angesichts des Korruptionssumpfs irgendwann selbst hinter Gitter zu müssen? "Verhaftet, wofür? Nächste Frage", beschied Blatter und verabschiedete sich nach den wohl aufwühlendsten Tagen seiner Dauerherrschaft in ein freies Wochenende mit der Familie. "Er wird jetzt mit uns und Selena shoppen gehen", berichtete Corinne Blatter Andenmatten im "Sonntagsblick" über die Freizeitgestaltung mit ihrem Vater und ihrer Tochter.

Die nächsten offiziellen Termine des FIFA-Chefs sollen erst zu Wochenbeginn koordiniert werden. Sicher ist allerdings, dass er nicht zum Eröffnungsspiel der Frauen-WM am Samstag nach Kanada fliegen wird. Erst zum Finale am 05. Juli will er in Vancouver dabei sein. Ein pikanter Termin, denn die USA haben mit ihrem nördlichen Nachbarland eine enge Justiz-Kooperation. Eventuell könnte Blatter zu den Vorgängen um seine in Zürich am Mittwoch festgenommenen Ex-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo befragt werden.

Auch am Sonntag gab es Neuigkeiten zum Mega-Skandal um Betrug und Bestechung, die nach Ermittlungen des US-Justizministeriums auch die WM-Vergabe 2010 betraf. Der frühere Chef des Organisationskomitees in Südafrika hat einem Bericht zufolge eine Sonderzahlung von zehn Millionen Dollar eingeräumt. Das Geld sei jedoch entgegen einer Anklageschrift der US-Justizbehörden keine Bestechung der FIFA gewesen, sagte Danny Jordaan der Zeitung "Sunday Independent".

Jordaan zufolge wurde das Geld 2008 an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika CONCACAF bezahlt, um den Sport dort zu fördern. CONCACAF-Präsident war zu dem Zeitpunkt der damalige FIFA-Vize und Blatter-Vertraute Jack Warner, der diese Woche aufgrund der Bestechungsvorwürfe der US-Justiz zeitweise festgenommen worden war. 

Blatter hatte sich eher flapsig zu den Vorwürfen geäußert. "Ich nehme keine Stellung zu den Anklagen. Wenn das jetzt irgendwo untersucht wird, sollen die Untersuchungen abgeschlossen werden", sagte er auf die Frage, ob er die Identität des FIFA-Funktionärs kenne, der die Zahlung veranlasst habe. "Ich kann nur sagen, dass ich es nicht war."

Im Gefühl der Genugtuung über den Wahlerfolg legte sich der Schweizer sofort mit seinen Lieblingsfeinden an. Es gebe "einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der UEFA kommt, aber von der UEFA als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin", wetterte Blatter im Schweizer Sender RTS. Vor 17 Jahren hatte sich er gegen UEFA-Widersacher Lennart Johansson durchgesetzt.

Ein großer Unterstützer von damals ist mittlerweile sein größter Kontrahent. UEFA-Chef Michel Platini bekam noch die nächste Breitseite ab. Bei einem Vier-Augen-Gespräch in seinem Büro in der FIFA-Zentrale zur Mittagszeit am Donnerstag habe dieser ihm vorgeschlagen, "einen guten Whisky unter Freunden" zu trinken. Dies habe er aber abgelehnt. Anschließend habe ihm der Franzose offenbar eine Goldene Brücke bauen wollen: "Und dann meinte er allen Ernstes: 'Sepp, du machst den Kongress und am Schluss gibst du bekannt, dass du zurücktrittst. Du bekommst ein gigantisches Fest und dein Büro hier bei der FIFA kannst du behalten'", berichtete Blatter im "Sonntagsblick". Eine Platini-Reaktion hierzu gab es vorerst nicht.

Obwohl die Europäer bei der Sitzung des Exekutivkomitees am Samstag mit der Bestätigung der WM-Startplätze für 2018 und 2022 zumindest keine fußballpolitische Niederlage hinnehmen mussten, spitzt sich der Konflikt weiter zu. "Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht", sagte Blatter zu den direkten Rücktrittsforderungen von Platini. Die UEFA will vor dem Champions-League-Finale in Berlin in der kommenden Woche ihre Strategie beraten. Die Zeichen deuten jedoch darauf hin, dass Niersbach auf seinen Sitz im FIFA-Exko im Gegensatz zum Engländer David Gill nicht verzichtet.

Der Vorstoß Platinis und die Festnahmen von sieben Funktionären in Zürich zwei Tage vor der Wahl auf Antrag von US-Behörden seien "kein Zufall", vermutete Blatter. Zudem wollte er einen Zusammenhang zwischen seinem Herausforderer, dem Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein, und den USA erkennen. "Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut", sagte Blatter.

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