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Sportpolitik  

Hörmann: Olympische Familie als Vorbild

08.06.2015, 19:39 Uhr | dpa

Sportpolitik - Hörmann: Olympische Familie als Vorbild. Alfons Hörmann sieht den IOC als hervorragendes Reform-Beispiel an.

Alfons Hörmann sieht den IOC als hervorragendes Reform-Beispiel an. Foto: Kay Nietfeld. (Quelle: dpa)

Lausanne (dpa) - Der FIFA-Skandal ist auch im Hauptquartier des (IOC) in Lausanne ein Topthema. Auch dort liegen die Zeitungsartikel aus, die über die Empfehlung von IOC-Präsident Thomas Bach berichten, dass der Fußball-Weltverband sich nach Vorbild der olympischen Familie reformieren soll.

"Wir können die FIFA nur ermutigen, den Weg der Reformen, der offensichtlich schon initiiert worden ist, weiter zu gehen", bekräftigte der deutsche Chef des Internationalen Olympischen Komitees nach zweitägiger Sitzung des Exekutivkomitees. "Wir begrüßen die Bereitschaft für substanzielle Reformen. Es steht dem IOC aber nicht an, Ratschläge über die Medien zu geben."

Bachs Nachfolger an der DOSB-Spitze, Alfons Hörmann, wurde da schon deutlicher. "Am Beispiel des IOC kann man wunderschön erkennen, wie man Themen regeln kann und wie man sie regeln muss, um wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Deutschen Presse Agentur in Berlin. "Man sieht aber auch, wie lange es dauert, bis dann ein anderes Bild vermittelt wird."

Das IOC war Ende der 90er Jahre selbst durch einen Bestechungsskandal vor den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City erschüttert worden. Dabei waren zehn IOC-Mitglieder ausgeschlossen worden oder zurückgetreten. Daraufhin wurde eine Null- Toleranz-Politik in der olympischen Agenda verankert und der Kampf gegen Korruption gestärkt. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es schmerzhaft ist, alles auf den Tisch zu legen, aber es ist absolut notwendig", sagte Bach. Die FIFA-Struktur sei aber anders als die des IOC: "Der Unterschied ist riesig."

Als Folge des Skandals um Salt Lake City sind seit damals Visiten von IOC-Mitgliedern in Olympia-Bewerberstädten verboten. Zudem wurde die Amtszeit des Präsidenten auf 12 Jahre begrenzt und das Höchstalter der IOC-Mitglieder auf 70 Jahre limitiert. "Alles, was mit den Regeln der Transparenz zu tun hat, wird nach meinem Verständnis im IOC-Bereich mustergültig gelebt", meinte Hörmann.

Auch für die FIFA könnte eine Beschränkung der Amtszeit des Präsidenten eine Reformmaßnahme sein: "Dass man sagt, acht plus vier Jahre, wie im IOC, wäre vielleicht eine denkbare Variante." FIFA-Präsident Joseph Blatter war bis zu seinem Rücktritt nach der Wiederwahl 17 Jahre im Amt.

"Wenn Dinge möglich sind, wie es bei der FIFA der Fall ist, bei denen stark über finanzielle Zuwendungen gestaltet wird, ist die Gefahr sehr groß, dass ein Amtsinhaber Möglichkeiten hat, das Wohlwollen sehr kreativ so zu gestalten, wie er das für richtig hält", sagte Hörmann. Dann könne eine Amtszeitbeschränkung Sinn ergeben.

"Bei der FIFA scheinen mehrere Komponenten und besondere strukturelle und personelle Probleme auf einmal aufgetreten zu sein", analysierte der DOSB-Chef. Dazu gehöre auch, dass Blatter als Präsident "in diesem System gefangen" gewesen sei. Die Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees werden nicht vom Präsidenten ausgewählt, sondern vom Kongress gewählt. "Ich habe keinen Grund, Blatter zu verteidigen, aber es ist schon interessant, dass er sich permanent dafür rechtfertigen muss, wer in diesem Vorstand sitzt", so Hörmann.

Ein gutes Beispiel gebe das IOC auch bei der Wahl der Olympia-Städte. "Im IOC vergibt immerhin die 100 plus x-köpfige IOC-Familie die Spiele", sagte er. Im Falle der FIFA sei es bislang nur der kleine Kreis der Exekutivmitglieder.

Mittlerweile hat die FIFA das Verfahren aber geändert. Erstmals entscheiden im Mai 2017 alle 209 Mitgliedsverbände darüber, welches Land die Fußball-WM 2026 ausrichten darf.

Um die FIFA zu reformieren und sie auf einen Weg der Glaubwürdigkeit zu führen, müsse man mit einem "schlagkräftigen Team" einen eigenen Weg gehen. "Da steht und fällt sicher vieles mit der Frage, wer Nachfolger von Sepp Blatter wird. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist nach Hörmanns Ansicht ein geeigneter FIFA-Chef: "Ob er das könnte und die Fähigkeiten dazu hat, diese Frage kann man klar und messerscharf mit einem Ja und einem Ausrufezeichen versehen."

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