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Formel 1 bietet Langeweile pur: "Fahrer sind wie Buchhalter"

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"Fahrer sind wie Buchhalter"  

Langeweile pur: Krise in der Formel 1 verschärft sich

09.06.2015, 12:56 Uhr | sid

Formel 1 bietet Langeweile pur: "Fahrer sind wie Buchhalter". Kaum Überholmanöver, wenig Show: Das Rennen in Montreal hätte spannender sein können. (Quelle: imago/LAT Photographic)

Kaum Überholmanöver, wenig Show: Das Rennen in Montreal hätte spannender sein können. (Quelle: LAT Photographic/imago)

Der Star des vergangenen Wochenendes hatte es nicht eilig, als er die Formel 1 in ihre nächste Sinnkrise stürzte. Seelenruhig saß das kleine Murmeltier auf der Rennstrecke in Montreal, unbeeindruckt blickte es den heranrasenden Autos entgegen. Erst im letzten Moment brachte sich der Nager hoppelnd in Sicherheit - und hatte mit diesem kurzen Auftritt offengelegt, wie schlecht es der Königsklasse tatsächlich geht.

Denn beim Start-Ziel-Sieg von Weltmeister Lewis Hamilton vor seinem Mercedes-Rivalen Nico Rosberg herrschte wieder einmal Langeweile über 70 Runden. Und so waren die internationalen Blätter voll mit Berichten über das Tier.

"Nur ein Murmeltier sorgt für Aufregung", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung", vom "spannendsten Moment des Rennens" war in den sozialen Netzwerken vielfach die Rede. Die "Gazzetta dello Sport" sah in Kanada zudem "Langweile vom Anfang bis zum Ende", der englische "Mirror" schrieb vom "schlechtesten Montreal-Rennen der vergangenen Jahre".

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Fußball-Frauen stechen Formel 1 aus

Die Berichte über das Murmeltier wurden damit zum Gleichnis für die größten Probleme der Formel 1, für Langeweile und stetig schwindendes Interesse bei TV-Zuschauern und Fans an der Strecke. In Deutschland etwa stachen die Fußball-Frauen im ZDF bei ihrem WM-Auftakt (10:0 gegen die Elfenbeinküste) die Formel 1 auf RTL in der Gunst der TV-Zuschauer klar aus.

Gründe für den Trend gibt es viele, zu komplizierte Regeln und steril wirkende Piloten gehören dazu. Am Wochenende sprach der streitbare Ex-Teamchef Flavio Briatore vielen Fans aus der Seele."Die Fahrer sind zu Buchhaltern geworden: Reifen sparen, Benzin sparen, Knöpfe drücken und das ganze technische Blablabla", sagte der 65-Jährige der "Bild am Sonntag" und warf einen Blick zurück in die gute alte Zeit: "Wir sagten dem Fahrer damals: 'Geh raus, fahre jede Runde, als wäre es eine Qualifying-Runde.' Jetzt wird alles von der Box und den Computern kontrolliert. Das mögen die Fans nicht."

"Es gibt zu viele Chefs"

Den Entscheidern in der Formel 1 sind die Probleme bewusst, der Wille zur Veränderung wird immer wieder kundgetan. So erarbeitete die sogenannte Strategiegruppe kürzlich Vorschläge, breitere Reifen und aggressivere Autos sollen die Königsklasse in ferner Zukunft wieder aufregender machen. Doch all das sind bislang nur Gedankenspiele, die ziemlich berechenbare Gegenwart sieht so aus: Mercedes ist besser als der Rest, und wenn alles normal läuft, schlägt Hamilton seinen Silberpfeil-Kollegen Rosberg.

Auf dem Weg zu grundlegenden Neuerungen lähmt sich die Serie zudem selbst, selten herrscht die notwendige Einigkeit unter den Teams, um etwas Neues auszuprobieren. Nicht wenige wünschen sich vor diesem Hintergrund unumwunden ein wenig mehr Diktatur zurück, wieder mehr Macht für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone also, auch in Bezug auf die Regeln. "Es gibt zu viele Chefs", sagt etwa Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Bernie und Jean Todt (FIA-Präsident, Anm. d. Red.) sollten entscheiden. Wenn man die Teams fragt, wird nie etwas passieren."

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