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Bayer Leverkusen im Check: Dem Wespenschwarm fehlt der Feinschliff

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Bayer Leverkusen im Teamcheck  

Dem Wespenschwarm der Werkself fehlt der Feinschliff

04.08.2015, 07:32 Uhr | t-online.de

Bayer Leverkusen im Check: Dem Wespenschwarm fehlt der Feinschliff. Steng genommen kein Neuzugang, in jedem Fall aber ein Gewinn für Bayer: Christoph Kramer. (Quelle: imago/Uwe Kraft)

Steng genommen kein Neuzugang, in jedem Fall aber ein Gewinn für Bayer: Christoph Kramer. (Quelle: Uwe Kraft/imago)

Von Maximilian Miguletz

Bei Bayer Leverkusen bilden Spielanlage und Klub-Umfeld eine höchst unterschiedliche Mischung. Während es auf dem Platz intensiv und zeitweise chaotisch zugeht, ist die Stimmung unter dem Bayer-Kreuz von Ruhe geprägt. Für frischen Wind auf und neben dem Platz soll Rückkehrer Christoph Kramer sorgen. "Ich bin nicht nach Leverkusen gegangen, um jedes Jahr Vierter zu werden", sagte der Weltmeister im "tz"-Interview. Bayers Hoffnungsträger will die Meisterschaft. "In vier Jahren", schränkte er ein. Zurecht. Auch in der kommenden Saison kann das Maximalziel der Werkself nur das Erreichen der Champions League sein.

Denn dem Team von Trainer Roger Schmidt fehlt noch der Feinschliff. Während die Offensive teils atemberaubend wirbelt, fehlt der Defensive allzu oft Stabilität. Obendrein sorgen Abgänge und Verletzungen für ein Zerbröckeln des ohnehin labilen Defensivverbunds.

1. Personelle Situation

Im letzten Test vor Saisonstart erlitt Ömer Toprak einen Sehnenriss im Oberschenkel, das Hinrunden-Aus droht. Noch ist Zeit, Ersatz zu finden. Heiko Westermann soll ein Kandidat sein. Doch die Verletzung des Abwehrchefs reißt eine nicht zu stopfende Lücke in Bayers Hintermannschaft.

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Wo landet Bayer Leverkusen am Ende der Saison?

Davor haben mit Kapitän Simon Rolfes (Karriereende), Eigengewächs Gonzalo Castro (Borussia Dortmund) und Stefan Reinartz (Eintracht Frankfurt) gleich drei zentrale Mittelfeldspieler den Verein verlassen. "Dass auf einer Position drei Spieler gehen, die sehr lange das Bild von Bayer geprägt haben, ist schon ungewöhnlich", gab Schmidt im "kicker" zu. Außerdem trennte man sich von Stürmer Josip Drmic (Borussia Mönchengladbach) und gab die bereits verliehenen Philipp Wollscheid (Stoke City), Arkadiusz Milik (Ajax Amsterdam) und Dominik Kohr (FC Augsburg) endgültig ab.

Den Aderlass im Zentrum soll – sowohl fußballerisch als auch in der Hierarchie – Kramer auffangen. Nach vier Jahren externer Ausbildung in Bochum und Gladbach kehrt der 24-Jährige als gestandener Profi zurück und soll laut Coach Schmidt "in einer zentralen Rolle im Mittelfeld spielen" und "die anderen in einem gewissen Maße führen".

Für die Abwehr wurden der junge Kyriakos Papadopoulos (zuvor bereits von Schalke ausgeliehen) und der noch jüngere Jonathan Tah (Hamburger SV) verpflichtet. Schmidts früherer Defensivspieler André Ramalho (Red Bull Salzburg) kann sowohl hinten drin als auch im Zentrum agieren. Mit Admir Mehmedi (SC Freiburg) wurde zudem eine spielstarke Option für die Offensive geholt. Die Rückkehrer Seung-Woo Ryu (Braunschweig) und Konstantinos Stafylidis (FC Fulham) haben dagegen wenig Perspektive bei Bayer.

Ein Hochkaräter befindet sich noch in der Warteschleife: Charles Aranguiz (Internacional Porto Alegre) wäre die nötige Soforthilfe im Zentrum. Der Chilene will auch zu Bayer, doch englische Angebote treiben den Preis hoch und das zähe Ringen wird mehr und mehr zum Ärgernis.

2. Stärken und Schwächen

Die Offensive ist das Prunkstück und mitsamt dem überfallartigen Pressing ein Spektakel sondergleichen. Wie ein Wespenschwarm attackieren die Leverkusener den Gegner und stürmen bei Ballgewinn wild nach vorne. Die logische Folge: Vergangene Saison standen die meisten Balleroberungen der Liga (mit Bremen) zu Buche, aber auch die meisten Ballverluste und die mit nur 69,9 Prozent drittschlechteste Passgenauigkeit. Noch fehlen Rhythmuswechsel und ein klarer Spielaufbau bei kontrolliertem Ballbesitz.

Die enorme Dynamik des Angriffs ist dennoch ein großer Trumpf und schon jetzt sehr gute Spieler wie Karim Bellarabi, Julian Brandt, Hakan Calhanoglu, Heung-Min Son und Mehmedi haben noch Steigerungspotenzial.

Diese offensive Urgewalt wird allerdings nicht durch entsprechende Defensivqualitäten ergänzt. Mit den Abgängen und nach dem längerfristigen Ausfall von Toprak fehlt Bayer in Abwehr und Mittelfeld internationale Erfahrung. Die oft nicht abgeklärt agierende Hintermannschaft wird durch das teils vogelwilde Angriffsspiel vor riesige Aufgaben gestellt. Sollte hier keine bessere Balance gefunden werden, wird Bayer sowohl die Torfabrik als auch die Schießbude der Liga sein.

3. Der Trainer

Um diese Probleme weiß Schmidt natürlich. Seine Philosophie vom extremen Gegenpressing und zeitweisen Zocken in der Deckungsarbeit wird er nicht aufgeben, doch er muss an den Stellschrauben drehen. Nach der Grundlagenschaffung im ersten Jahr ist der Feinschliff nun seine bedeutendste Aufgabe. Sein Vorteil: Seine Spieler kennen ihn inzwischen und haben sich vollends auf sein Verständnis vom Fußball eingelassen.

Auch aus der Führungsetage erhält der Trainer nichts anderes als Rückendeckung und Lob. Kurz vor Ende der letzten Saison wurde der Vertrag des 48-Jährigen bis 2019 verlängert. Schmidt genießt vollstes Vertrauen und soll die Werkself langfristig leiten. Mit ihm soll eine Ära der Kontinuität gestaltet werden.

4. Die Prognose

Langfristige Planung muss kurzfristige Erfolge natürlich nicht ausschließen, doch die Konkurrenz in der Spitzengruppe der Liga ist potenter denn je. Den Sprung vorbei an den erstmals Champions League spielenden Fohlen ist zu schaffen, doch von hinten drängen mit Schalke 04 und vor allem Borussia Dortmund arrivierte Top-Teams zurück nach ganz oben. Am Ende wird sich Kramer wohl oder übel doch noch einmal mit dem ungeliebten vierten Platz zufriedengeben müssen.

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