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IOC-Chef Bach zu Winterspiele-Wahl: "Es wird Diskussionen geben"

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Sportpolitik  

Bach zu Winterspiele-Wahl: "Es wird Diskussionen geben"

28.07.2015, 09:56 Uhr | dpa

IOC-Chef Bach zu Winterspiele-Wahl: "Es wird Diskussionen geben". IOC-Präsident Thomas Bach rechnet mit Kritik über die Vergabe der Winterspiele 2022.

IOC-Präsident Thomas Bach rechnet mit Kritik über die Vergabe der Winterspiele 2022. Foto: Bernd Thissen. (Quelle: dpa)

Kuala Lumpur (dpa) - IOC-Präsident Thomas Bach weiß, dass es nach der Wahl von Almaty oder Peking zur Winterspiele-Stadt 2022 am Freitag Kritik geben wird. "Es wird sicherlich Diskussionen geben, aber die Position des IOC ist klar.

Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst", sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur vor dem Kongress des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Kuala Lumpur. Kasachstan und China stehen wegen Menschenrechtsverletzungen im Fokus.

Der IOC-Kongress wird am Freitag in Kuala Lumpur über die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 an Almaty oder Peking entscheiden. Haben die IOC-Mitglieder eine gute Wahl?

Thomas Bach: Sie haben eine sehr schwierige Wahl. Beide Städte haben - obwohl sie aus dem letzten Bewerbungsverfahren vor der Olympischen Agenda 2020 hervorgegangen sind - die Grundgedanken dieser Agenda in vielen Teilen schon aufgenommen. Es stehen zwei unterschiedliche Konzepte zur Wahl.

Was sind die wesentlichen Unterschiede der Konzepte für Sie?

Bach: Peking nutzt auf der einen Seite das Erbe der Olympischen Spiele 2008 für die Eissportarten und die Infrastruktur. Auf der anderen Seite eröffnet es mehr als 300 Millionen Menschen den Zugang zum Wintersport. Almaty belebt hingegen ein traditionsreiches Wintersport-Resort neu.

Almaty und Peking sind Staaten mit autoritären Regierungen und werden wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Fürchten Sie, dass das IOC in die Kritik gerät wie bei den Peking-Spielen 2008?

Bach: Es wird sicherlich Diskussionen geben, aber die Position des IOC ist klar. Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst. Die Agenda 2020 kam diesbezüglich bereits zur Anwendung. Bei der Evaluierung haben wir Berichte von Nichtregierungsorganisationen berücksichtigt. Zudem haben wir eigene, unabhängige Berichte in Auftrag geben, zum Beispiel zum Thema Umweltschutz. Die Olympische Charta und der Gastgebervertrag müssen vollumfänglich für die Dauer der Spiele Anwendung finden. Dies gilt für alle Teilnehmer und im Zusammenhang mit allen direkt Olympia-bezogenen Aktivitäten. Diese Themen wurden mit den Regierungsvertretern beider Bewerber besprochen. Deren Einhaltung wurde von beiden Kandidaten garantiert. Außerhalb dieser olympischen Zeit hat auch das IOC die Gesetze und Regeln eines souveränen Staates zu akzeptieren. Wir sind keine Weltregierung.

Sind Sie erleichtert, dass sich für die Sommerspiele 2024 unter anderem mit Deutschland wieder demokratische Staaten bewerben?

Bach: Die ganze Diskussion um die angebliche Zurückhaltung von demokratischen Ländern ist eine Mär. Schauen Sie die Austragungsorte der Spiele an: Angefangen 1988 mit Südkorea und Seoul, 1992 mit Spanien und Barcelona, 1996 die USA mit Atlanta, 2000 Australien mit Sydney, 2004 Griechenland mit Athen, dem Mutterland der Demokratie, 2008 China mit Peking, 2012 Großbritannien mit London, 2016 Brasilien mit Rio de Janeiro, 2020 Japan mit Tokio und für 2024 ein Bewerberfeld mit fünf Städten. Damit müsste diese Mär begraben sein.

Ist die Agenda 2020 schon ein Erfolg? Und hat das IOC durch das Reformwerk nach Kritik am Gigantismus der Spiele und mangelnder Transparenz Ansehen zurückgewonnen?

Bach: Es geht nicht um das IOC, sondern um die Athleten und die Spiele. Es geht darum, diese Olympischen Spiele für die Athleten unter wirtschaftlich vertretbaren Gesichtspunkten veranstalten zu können. Da sehen wir unmittelbare Wirkungen der Agenda 2020. So sind mit dem Ausrichter der Sommerspiele in Tokio 2020 in den sieben Monaten nach Verabschiedung der Agenda 2020 Einsparungen von 1,7 Milliarden US-Dollar erreicht worden. Nach der neuen Entscheidung, die Kosten für den Bau des Olympiastadions zu senken, werden noch einmal mehrere hundert Millionen Dollar an Einsparungen hinzukommen. Wirkung und Erfolg dieser Agenda 2020 wird damit sehr greifbar.

Sie haben ein Viertel der achtjährigen Amtszeit hinter sich. Was haben Sie erreicht, wo möchten Sie noch hin? Ist es ein Traumjob?

Bach: Ich glaube, die Agenda 2020 ist ein wichtiger Schritt der ersten beiden Jahre. Sie umfasst sehr weitreichende und tiefgreifende Reformen, die schon umgesetzt werden oder umgesetzt worden sind. Dies bezieht sich nicht nur auf das Bewerbungsverfahren. Schon heute haben wir alle Empfehlungen zur Verbesserung der Good Governance und Transparenz umgesetzt. Das alles zusammen stimmt mich zufrieden. Meine Aufgabe macht mir Freude, sonst hätte ich mich nicht beworben.

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat im Zuge der jüngsten Korruptionsaffäre im Fußball-Weltverband seinen Rücktritt angekündigt. Erst am 26. Februar soll es auf einem FIFA-Kongress einen Führungswechsel geben. Gehen die Reformen und der personelle Wandel nicht arg langsam voran?

Bach: Das hängt sehr davon ab, was nun geschieht. Man sollte und darf das nicht auf eine Personaldiskussion verengen. Es geht bei der FIFA um mehr: Es geht um strukturelle Änderungen, die herbeigeführt werden müssen. Deshalb wird es sehr davon abhängen, ob und inwieweit die Exekutive der FIFA jetzt Maßnahmen ergreift und bereit ist, wirklich Reformen anzustoßen, damit diese dann möglichst im Februar schon umgesetzt werden können.

Hat es nicht einen faden Beigeschmack, dass Präsident Blatter nach seiner Rücktrittsankündigung noch so lange im Amt bleibt?

Bach: Noch einmal: Es geht nicht nur um die Personaldiskussion. Es geht um mehr als um einzelne Personen. Wer glaubt, die Probleme der FIFA wären alleine mit der Neuwahl eines Präsidenten beendet, der irrt.

Hielten Sie es nach den Korruptionsvorwürfen für richtig, wenn die Vergabe der Fußball-WM für 2022 an Katar zurückgezogen würde?

Bach: Nein, hier gibt es Untersuchungen und keine Beweise.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat heftig kritisiert, dass angesichts der Förderung durch den Bund zu wenig an Medaillen und Erfolgen im deutschen Sport herausspringt. Ist die Kritik berechtigt?

Bach: Ich begrüße zunächst sehr dieses grundsätzliche Bekenntnis zur Leistung. Das ist wirklich wichtig. Denn gerade Athleten wollen Leistung und Erfolgschancen haben. Der Leistungssport, wie der Name schon sagt, orientiert sich an Leistung. Von daher ist das eine positive Botschaft. Die Zielsetzung des Ministers, von der ich gelesen habe, ist eine ehrgeizige angesichts der weltweit wachsenden Konkurrenz, an der das IOC mit seinen weltweiten Entwicklungsprogrammen nicht ganz unschuldig ist.

ZUR PERSON: Thomas Bach (61) ist seit September 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). 1976 wurde der Tauberbischofsheimer Olympiasieger mit dem deutschen Florettteam. Der Jurist war von 2006 bis 2013 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

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