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Schwimm-WM 2015: Paul Biedermann schwimmt erstmals im WM-Stadion

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Schwimmen  

Zum Gähnen - Biedermann schwimmt erstmals im WM-Stadion

29.07.2015, 15:42 Uhr | dpa

Schwimm-WM 2015: Paul Biedermann schwimmt erstmals im WM-Stadion. Paul Biedermann stecken die Strapazen der Reise noch in den Knochen.

Paul Biedermann stecken die Strapazen der Reise noch in den Knochen. Foto: Martin Schutt. (Quelle: dpa)

Kasan (dpa) - In aller Ruhe begutachtet Paul Biedermann den Arbeitsplatz seiner letzten Schwimm-WM. Der Weltrekordler streckt und reckt sich, gähnt und scherzt mit den Teamkollegen.

Um 08.43 Uhr Ortszeit springt er das erste Mal in das 50-Meter-Becken im umgebauten Fußballstadion von Kasan. Unrasiert und in kurzer Badehose, sein erstes WM-Rennen hat der diesmal noch durchtrainierter wirkende Freistil-Weltrekordler ja erst am Sonntag mit der Staffel. Bis dahin heißt es: Nicht krank werden und vertraut machen mit den besonderen Begebenheiten der ersten Schwimm-WM in einem Fußballstadion.

"Eine sehr schöne Atmosphäre. Der Pool ist sehr gut, das Drumherum, da stimmt einfach alles. Das Wasser fühlt sich gut an", ließ Weltrekordler Biedermann nach einer Dreiviertelstunde lockeren Trainings über den Pressesprecher des Deutschen Schwimm-Verbandes ausrichten. Zu viel reden kurz vor einem Großereignis war nie die Sache Biedermanns. Erst am Freitag will der Weltjahresbeste über 200 Meter Freistil Rede und Antwort stehen.

Vor der Abreise nach Russland hatte sich Biedermann im dpa-Interview gewohnt defensiv zu seinen Ambitionen geäußert. Medaillenprognosen sind ihm eh' nicht zu entlocken. "Ich will versuchen, das bestmögliche Rennen zu schwimmen und dann hoffentlich zufrieden sein mit dem, was ich geleistet habe", sagte er.

Seine Weltjahresbestzeit über 200 Meter Freistil ist für den 28-Jährigen nur "Standortbestimmung für den Moment". Dass die Chance auf zumindest eine WM-Medaille groß ist wie seit Jahren nicht angesichts vieler Absagen wie von Frankreichs Olympiasieger Yannick Agnel, der zwangsweisen Auszeit von US-Superstar Michael Phelps oder der Dopingsperre des südkoreanischen Ex-Weltmeisters Park Tae-Hwan - für Biedermann nach außen hin kein Thema: "Da gebe ich nichts drauf."

Sein Heimtrainer Frank Embacher erklärte, Biedermann sei gesund und gut drauf. Auch Chefbundestrainer Henning Lambertz scheut zu forsche Prognosen, zählt aber Biedermann natürlich zu den Medaillenaspiranten. Er ist für die angestrebte Zahl von viermal Edelmetall im Becken sowieso fest eingeplant. Zunächst aber pirscht sich dass Team langsam an das Wochenende heran. "Jetzt ist erstmal wichtig, dass man sich im Wettkampfpool wohlfühlt", erklärte Embacher.

Sein Schüler kann und soll sich ganz auf seine letzte WM  konzentrieren. Freundin Britta Steffen wird sich seine Rennen auf der heimischen Couch mit der "Schwiegermutter in spe" anschauen, auch die Familie ist im Gegensatz zu früheren Weltmeisterschaften in Kasan diesmal nicht dabei. Selbst wenn Biedermann in diesem Jahr die 400 Meter Freistil auslässt, so wird es ihm an Beschäftigung nicht mangeln: Zum Auftakt am Sonntag verstärkt er die Staffel über 4 x 100 Meter, Montag und Dienstag stehen Vorläufe, Halbfinale und Endlauf über seine Spezialstrecke 200 Meter an. Es folgen noch mindestens zwei weitere Staffeln.

Nach dem olympischen Schlusspunkt 2016 in Rio soll dann die berufliche Perspektive klarer sein. Einen Funktionärs-Job im DSV schließt Biedermann lachend weiter aus, aber der Heimat will er schon verbunden bleiben. "Etwas wo ich dem Sport in Halle und Umgebung mit eigenen Ideen unter die Arme greifen kann und versuchen kann, die Bedingungen noch zu verbessern", sagte der Doppel-Weltmeister von 2009 über das nicht weiter konkretisierte Vorhaben. "Es ist eine Entlastung zu wissen, man steht danach nicht vor dem Nichts."

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