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FIFA: Skandal um Jerôme Valcke überschattet WM-Fest

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Jerôme Valcke  

Skandal um Blatter-Vertrauten überschattet WM-Zeremonie

18.09.2015, 18:59 Uhr | dpa

FIFA: Skandal um Jerôme Valcke überschattet WM-Fest. Die FIFA enthüllte 1000 Tage vor der WM in Russland eine Countdown-Uhr in Moskau.

Die FIFA enthüllte 1000 Tage vor der WM in Russland eine Countdown-Uhr in Moskau. Foto: Yuri Kochetkov. (Quelle: dpa)

Zürich (dpa) - Auf dem Roten Platz von Moskau lieferte die skandalgeplagte FIFA das nächste Sinnbild für ihre tiefe Krise.

Ohne den als Festredner eingeplanten Generalsekretär Jerôme Valcke, der wegen des Vorwurfs persönlicher Bereicherung nur Stunden zuvor suspendiert worden war, enthüllte der Fußball-Weltverband 1000 Tage vor der WM in Russland eine Countdown-Uhr. Doch die Ermittlungen gegen den Vertrauten von FIFA-Chef Joseph Blatter drückten die Partystimmung. "Unangenehm" seien die Korruptionsvorwürfe, räumte der russische Sportminister Witali Mutko ein. "Es wäre wünschenswert, dass sich die Lage um die FIFA beruhigt", meinte Mutko.

Damit aber ist kaum zu rechnen. In Valcke, der sich schon mehrfach gegen Anschuldigungen unsauberer Amtsführung zur Wehr setzen musste und auch diesmal alles abstreitet, hat Blatter einen weiteren Gefährten verloren. Auch der Schweizer selbst nahm nicht an der Zeremonie in Moskau teil. Medien berichteten bereits, dem 79-Jährigen sei von seinen Anwälten geraten worden, wegen der laufenden Ermittlungen der US-Justiz gegen die FIFA und zahlreiche Funktionäre die Schweiz vorerst nicht mehr zu verlassen.

Valcke seinerseits war Berichten zufolge am Donnerstag auf dem Weg nach Moskau mit einem Privatjet umgekehrt, nachdem die FIFA ihn vorläufig aus dem Verkehr gezogen hatte. Ein ehemaliger FIFA-Partner wirft dem Franzosen im Zusammenhang mit einem Ticketing-Vertrag für die WM-Turniere 2010 bis 2022 Bestechlichkeit vor.

Valcke bestritt dies umgehend über einen Anwalt als "frei erfunden" und "ungeheuerlich". Die FIFA erklärte in einer Mitteilung, dass gegen Valcke eine "formelle Untersuchung durch die FIFA-Ethikkommission" in Auftrag gegeben worden sei.

Wie die FIFA erklärte, hat der stellvertretende Generalsekretär Markus Kattner die Aufgaben Valckes bis auf weiteres übernommen. Der Deutsche Kattner war einst FIFA-Finanzdirektor. Die FIFA-Rede auf dem Roten Platz hielt an Valckes Stelle Wettbewerbsdirektor Colin Smith.

Die Anschuldigungen gegen Valcke sind erheblich, auch wenn sie auf einer eher seltsamen Pressekonferenz in Zürich erhoben wurden. Ein Vertreter der Marketingagentur JB Sports hatte dabei einen Ticketingvertrag mit der FIFA für die WM-Turniere 2010 bis 2022 vorgelegt, in dessen Kontext Valcke eine "diskrete Gewinnbeteiligung zugesichert worden sein soll". Dann wurde auch noch ein Koffer präsentiert, in dem angeblich das Bargeld an Valcke transportiert worden sei. Zu einer Geldübergabe sei es nicht gekommen, weil Valcke per Mail einen vereinbarten Termin abgesagt habe.

Valcke soll Zeugenaussagen zufolge zudem bereits vor der offiziellen Vergabe-Entscheidung mehrmals angekündigt haben, dass die Fußball-WM 2022 fest an Katar zugesagt sei. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Vermutungen, die UEFA habe möglicherweise eine Rolle beim Bekanntwerden der Vorwürfe gespielt, trat der europäische Dachverband entgegen. "Wir waren nicht involviert als UEFA", sagte UEFA-General Gianni Infantino am Freitag nach der Sitzung des Exekutivkomitees in St. Julian's/Malta. Man sei "betrübt und enttäuscht. Das sind schwerwiegende Vorwürfe", sagte Infantino.

UEFA-Präsident Michel Platini, der am 26. Februar die Nachfolge von FIFA-Boss Blatter antreten will, äußerte sich zur Causa Valcke nicht. Valcke ist seit 2007 im Amt und hatte wie Blatter für Februar 2016 seinen Rücktritt angekündigt.

Die neuen Entwicklungen dürften die im FIFA-Skandal ermittelnden Behörden in der Schweiz und in den USA aufhorchen lassen. "Es handelt sich um interessante Aussagen, welche die schweizerische Bundesanwaltschaft bei Bedarf wie andere Medienberichte analysieren wird", erklärte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft.

Bereits am Montag hatten die Ermittler auf einer Pressekonferenz in Zürich erklärt, dass sie mit den Untersuchungen noch lange nicht am Ende seien. "Ich erwarte eine nächste Runde von Festnahmen", hatte US-Justizministerin Loretta Lynch erklärt.

Erst am vergangenen Wochenende waren weitere Verdächtigungen gegen Blatter publik geworden. Der Schweizer soll 2005 TV-Rechte an seinen Vorstandskollegen Jack Warner weit unter Preis verkauft haben. Unterdessen hat die Schweiz der Auslieferung des uruguayischen FIFA-Funktionär Eugenio Figueredo an die USA zugestimmt. Der 83-Jährige war am 27. Mai mit sechs anderen FIFA-Funktionären in Zürich festgenommen worden.

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