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Druck auf DFB-Chef Wolfgang Niersbach nach Razzia wächst

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Skandal um WM 2006  

Druck auf DFB-Chef Wolfgang Niersbach nach Razzia immer größer

03.11.2015, 17:15 Uhr | dpa

Druck auf DFB-Chef Wolfgang Niersbach nach Razzia wächst. Wolfgang Niersbach ist der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Wolfgang Niersbach ist der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Foto: Arne Dedert. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Der Parkplatz des DFB-Präsidenten blieb am Dienstag leer. Während in der Verbands-Zentrale die Ermittler der Frankfurter Staatsanwaltschaft Akten rund um die WM 2006 sichteten und beschlagnahmten, weilte Wolfgang Niersbach daheim in Dreieich.

Schließlich waren die Fahnder auch bei ihm zu Hause vorstellig geworden, wie auch in den Wohnsitzen seines Vorgängers Theo Zwanziger und des damaligen Generalsekretärs Horst R. Schmidt.

Das Fußball-Fest von vor neun Jahren bekommt damit immer tiefere Kratzer, die auf den Bildern von damals um die Wette strahlende Führungscrew des Organisationskomitees mit Franz Beckenbauer an der Spitze gerät in größte Bedrängnis. Der Kaiser blieb von den Untersuchungen am Dienstag wohl nur deshalb verschont, weil er seinen Wohnsitz in Österreich hat und für die Ermittler damit nicht so einfach greifbar war wie Niersbach, Zwanziger und Schmidt.

Vor allem Niersbach gerät damit nach einer knappen Woche Ruhe wieder gewaltig unter Druck. Der 64-Jährige ist seit der offiziellen Razzia vom Dienstag als DFB-Präsident wohl nur noch schwer zu halten. Es sind schon Sportfunktionäre, Politiker und Wirtschaftsbosse wegen sehr viel weniger zurückgetreten.

Die Fehler von Niersbach seit Bekanntwerden der Affäre im Überblick:

- Bis heute hat der DFB-Präsident mit seinen damaligen Kollegen aus dem Organisationskomitee keine schlüssige Erklärung dafür liefern können, was mit den 6,7 Millionen Euro geschehen ist.

- Genauso wenig hat er bislang plausibel darlegen können, ab wann er von den einzelnen Zahlungen genau wusste. Seine Aussagen auf seiner bizarren Pressekonferenz standen im Widerspruch zu den Darstellungen seiner OK-Kollegen Zwanziger und Schmidt. Was den Gesamteindruck aber noch verheerender machte, war die Tatsache, dass er auf keine Nachfrage eine schlüssige Antwort geben konnte.

- Niersbach verwies zuletzt immer wieder auf die externen Ermittlungen des Verbandes, die allerdings so unabhängig gar nicht zu sein scheinen. Schließlich saß Niersbachs Büroleiter Friedrich Curtius bis zum 30. Juni 2015 noch gemeinsam mit Christian Duve, Partner der für die Untersuchungen zuständigen Wirtschaftskanzlei Freshfields, im Vorstand des Frankfurter Rotary Clubs

- Zudem versäumte es Niersbach, seine Präsidiumsmitglieder rechtzeitig über den Vorgang zu informieren.

Nach außen hin demonstrierte der DFB zuletzt dennoch Geschlossenheit und stärkte seinem arg in die Bedrängnis geratenen Präsidenten den Rücken. Doch hinter den Kulissen sollen nach Berichten des Nachrichtenmagazins "Spiegel" und des "Kicker" schon vor der Razzia am Dienstag bereits die Beratungen über einen Nachfolger begonnen haben.

Doch wer kommt für seine Nachfolge an der Spitze des größten Sportfachverbandes der Welt infrage?

- RAINER KOCH: Der Vize-Präsident des DFB hat Ambitionen auf die Niersbach-Nachfolge - und als Chef des Süddeutschen Fußball-Verbandes eine starke Hausmacht im Rücken. Kandidat der Amateurbasis.

- REINHARD RAUBALL: Der Ligapräsident und Chef von Borussia Dortmund genießt einen exzellenten Ruf und ist vom Führungsstil durch und durch präsidiabel. Steht aber kurz vor der DFB-Altersgrenze (70).

- REINHARD GRINDEL: Der CDU-Bundestagsabgeordnete gehört seit zwei Jahren als Schatzmeister zum DFB-Führungszirkel. Als Nachfolger von Horst R. Schmidt hat er sich in der DFB-Zentrale schnell etabliert.

- HELMUT SANDROCK: Der frühere Vorstandschef des MSV Duisburg rückte als Nachfolger von Niersbach auf den Posten des DFB-Generalsekretärs. Den Job verrichtet er eher im Hintergrund als im Scheinwerferlicht.

Niersbach äußerte sich am Dienstag nicht zu der neuesten Entwicklung in der Affäre um die WM 2006. Vom DFB gab es lediglich ein Statement, dass der Verband der Staatsanwaltschaft Frankfurt seine "vollumfängliche Unterstützung" zusagt.

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