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Eisschnelllauf: Auswirkungen des möglichen Pechstein-Urteils schon in Rio

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Eisschnelllauf  

Auswirkungen des möglichen Pechstein-Urteils schon in Rio

09.03.2016, 14:27 Uhr | dpa

Eisschnelllauf: Auswirkungen des möglichen Pechstein-Urteils schon in Rio. Ein Urteil im Fall Pechstein fällt der BGH erst zwei Monate vor den Olympischen Spielen.

Ein Urteil im Fall Pechstein fällt der BGH erst zwei Monate vor den Olympischen Spielen. Foto: Uli Deck. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Claudia Pechstein muss sich noch lange gedulden. Erst zwei Monate vor den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro weiß die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin, ob sie in ihrem Kampf gegen den Welt-Eislaufverband ISU weiter auf Schadenersatz hoffen darf.

Sportrechtler sehen aber schon jetzt in dem am 7. Juni möglichen Richterspruch des Bundesgerichtshofes gravierende Auswirkungen für die Spiele in Brasilien und auch für das deutsche Anti-Doping-Gesetz.

"Es gäbe dann eine riesige Diskrepanz", sagte Sportrechtler Michael Lehner am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf Rio. Für einen Olympia-Start müssten deutsche Sportler nach wie vor die Athletenvereinbarung (Entry Form) unterschreiben und sich damit dem Internationalen Sportgerichtshof CAS und seinem Ad-hoc-Gericht unterwerfen. "Aber in Deutschland könnte er gegen eine mögliche CAS-Entscheidung klagen", erklärte der Heidelberger.

Das Problem sieht auch Sebastian Longrée von der Essener Kanzlei Kümmerlein. Er würde dennoch jedem Sportler empfehlen, die Klausel unter Vorbehalt zu unterzeichnen. "Die deutschen Verbände und der DOSB wären dann echt in einem Dilemma", sagte der Jurist, der zum Thema "Schadenersatz von Sportlern bei Dopingsperren" promoviert hat. "Dieser Zielkonflikt lässt sich nicht von heute auf morgen klären", befürchtet er.

Longrée ist aber vorsichtig mit der Bewertung der Verhandlung am Dienstag. "Nicht zufällig nimmt sich der BGH so viel Zeit bis zum Urteil", meinte er. Jedoch sei in der Verhandlung deutlich geworden, dass "der CAS möglicherweise nicht jenen Anforderungen entspricht, die wir in Deutschland an echte Schiedsgerichte stellen".

Unstrittig ist unter Experten, dass eine BGH-Entscheidung zunächst nur für Deutschland bindend sei. "Da aber Deutschland ein wichtiger Player ist und großen Einfluss hat, muss man sich auch beim Sportgerichtshof CAS mit der Kritik auseinandersetzen und über weitere Reformen nachdenken", sgate Longrée. Auf jeden Fall sei ein solches Urteil am 7. Juni "nur ein Etappensieg für Pechstein, mehr zunächst nicht". Gerichte hätten dann "wieder freies Feld. Dann sind Richter nicht mehr an Entscheidungen des CAS gebunden."

Longrée setzte sich zugleich für den Erhalt des CAS ein. "Die Auffassung, Schiedsgerichte sind Teufelszeug und Zivilgerichte der bessere Weg, ist falsch. Athleten haben großes Eigeninteresse, in der Schiedsgerichtsbarkeit zu bleiben." Die völlig freie Wahlmöglichkeit in Deutschland funktioniere im internationalen Kontext nicht, weil DOSB und deutsche Verbände an internationale Regeln gebunden sind.

Würde der Zwang, sich Sportgerichten zu unterwerfen, weltweit aufgelöst, hätte man "Sportlern auch in Deutschland einen Bärendienst erwiesen. Ohne einheitliche Schiedsgerichtbarkeit würden Dopingfälle in Russland oder Jamaika völlig anders betracht als in Deutschland", meinte Longrée. "Gedopte Sportler würden dort vielleicht für drei Monate oder überhaupt nicht gesperrt, und die deutschen Sportler gucken in die Röhre."

Lehner forderte den CAS mit Blick auf das BGH-Urteil auf, sich "schnellstens zu bewegen, damit es kein Chaos gibt". Reformen seien praktikabel. Sein Kollege Longrée fasste zusammen: "Nach einem solchen Urteil geht es darum, die Scherben aufzusammeln und zu sortieren. Das ist nicht einfach, aber dem muss man sich stellen."

Einen anderen Aspekt des möglichen BGH-Urteils stellt Jurist Mario Merget in den Mittelpunkt. Er erwartet, dass auch das deutsche Anti-Doping-Gesetz mit einer Entscheidung pro Pechstein auf den Prüfstand kommt. "Das Gesetz mit seinem Paragrafen 11 wird keineswegs unwirksam. Aber es könnte sein, dass bei Ablehnung der Revision durch den BGH ein Nachbesserungsverfahren nötig wäre", sagte der Sportrechtler der international wirkenden Kanzlei CMS Hasch Sigl. Mit diesem Paragrafen wird die Zulässigkeit von Schiedsvereinbarungen auf eine gesetzliche Grundlage gestellt.

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