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Doping: WADA im Meldonium-Dilemma - und am Ende keine Sünder?

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Doping  

WADA im Meldonium-Dilemma - und am Ende keine Sünder?

15.04.2016, 15:56 Uhr | dpa

Doping: WADA im Meldonium-Dilemma - und am Ende keine Sünder?. Produktion der verbotenen Substanz Meldonium.

Produktion der verbotenen Substanz Meldonium. Foto: Valda Kalnina. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Ratlosigkeit unter den Athleten, Verwirrung bei den Verbänden, scharfe Kritik von Experten - und am Ende Dutzende Meldonium-Fälle ohne Sanktionen? Dreieinhalb Monate vor Olympia steckt die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) tief in einem hausgemachten Dilemma.

Die obersten Saubermänner des internationalen Leistungssports haben mit Grenzwerten in Bezug auf die verbotene Substanz eine fragwürdige Rolle rückwärts vollzogen. Die bisher ertappten "Sünder" können nun auf Gnade und Straffreiheit hoffen. Doch so ein Freispruch zweiter Klasse hätte einen bitteren Beigeschmack.

Von 172 positiven Proben mit dem ominösen und in der Wirkung umstrittenen Herzmedikament hatte WADA-Präsident Craig Reedie gesprochen. Da kannte der Chef Fall Nr. 173 noch nicht: Auch die ukrainische Leichtathletin Anastasia Mochnjuk wurde positiv auf die seit dem 1. Januar 2016 verbotene Substanz Meldonium getestet. Für die WADA könnte die Kursänderung noch unangenehme Folgen haben, sollten Sportler wegen ihrer vorübergehenden Suspendierung Schadensersatzansprüche geltend machen.

Die prominentesten Athleten in diesem Kreis sind Tennisstar Maria Scharapowa und der fünffache Eisschnelllauf-Weltmeister Pawel Kulischnikow. Auch die beiden Russen wurden vorübergehend suspendiert, wie allen anderen steht ihnen das Recht auf Anhörung zu.

Aufgrund einer noch geheimen Pilotstudie hatte die WADA ihre Regularien in Bezug auf Meldonium gelockert - viereinhalb Monate nach Inkrafttreten der neuen Verbotsliste. Bei einem Wert von unter einem Mikrogramm pro Milliliter hätten Athleten künftig nichts zu befürchten. Bei Ausschlägen zwischen 1 und 15 wären weitere Untersuchungen fällig. Eine sehr geringe Konzentration könnte dafür sprechen, dass die Substanz schon im Vorjahr eingenommen wurde, als Meldonium noch gar nicht verboten war.

Aus diesem Grund sind am Freitag die vorläufig verhängten Sperren von 14 Athleten aus Russland und Georgien wieder aufgehoben worden. Dies betrifft acht russische Sportler - Leichtathleten, Bahnrad-, Bob- und Skeletonfahrer - sowie sechs georgische Ringer. "In ihrem Blut wurde weniger als ein Mikrogramm Meldonium gefunden", sagte der Vizepräsident der georgischen Anti-Doping-Agentur, Temuri Ukleba.

Die Zäsur der WADA kam reichlich spät, offenbar haben Wissenschaftler ihre Hausaufgaben nicht gut erledigt. Auch den Dopingexperten Fritz Sörgel regt das mächtig auf. "Wenn es einen Grund gibt, eine Amnestie in Erwägung zu ziehen, dann den, dass die WADA einer Fehleischätzung unterlag und ihren Job wieder mal nicht richtig gemacht hat", sagte der Pharmakologe aus Nürnberg der dpa. Die von der WADA festgelegte Konzentration sei "völlig willkürlich". Es habe schon seit einiger Zeit wissenschaftliche Untersuchungen gegeben, "die belegen, dass die Substanz nicht lange im Körper bleibt".

Der Kölner Dopingexperte Mario Thevis verwies darauf, dass die WADA ihre Verbotsliste vorab an viele Beteiligte geschickt habe. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen sollten sich zu den Modifikationen äußern. "Offenbar gab es auch zum damaligen Zeitpunkt keine Anmerkung, die Literaturdatenlage bezüglich Nachweis und Ausscheidungsphasen von Meldonium zu hinterfragen", beklagte Thevis.

Wer bei Tests in diesem Jahr unzulässig viel des profanen "Wundermittels" intus hatte, der muss mit Sanktionen rechnen. "Es gibt keine Zweifel am Status von Meldonium als verbotene Substanz", bekräftigte Sir Reedie.

Auf die WADA wirft der Fall jedenfalls kein gutes Licht - mal wieder. Für Verwirrung hatte der 74 Jahre alte Schotte im vorigen Jahr mit einer wohlwollenden E-Mail Richtung Russland gesorgt. Als im April 2015 plötzlich das Gerücht aufgetaucht sei, es gebe einen "Angriff auf Russland", habe Reedie in einer Mail vom 30. April an die russische Anti-Doping-Beauftragte diesen "total falschen Vorwurf" ausräumen wollen. Der Brite konterte sofort: "Ich streite kategorisch ab, dass es irgendwelche Absprachen zwischen mir und dem russischen Ministerium für Sport gegeben hat."

Bevorteilung hin oder her - die Russen dürfen sich jedenfalls über die WADA-Lockerung freuen. Der Großteil der ertappten Sportler kam aus ihrem Land.

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