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Fußball: Blatters Kampf um die Deutungshoheit - "Leide nicht mehr"

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Fußball  

Blatters Kampf um die Deutungshoheit - "Leide nicht mehr"

21.04.2016, 16:06 Uhr | dpa

Fußball: Blatters Kampf um die Deutungshoheit - "Leide nicht mehr". Joseph Blatter war in Zürich sichtlich gut gelaunt.

Joseph Blatter war in Zürich sichtlich gut gelaunt. Foto: Walter Bieri. (Quelle: dpa)

Zürich (dpa) - Nach 53 Minuten huscht ein Lächeln über das Gesicht von Joseph Blatter. Knapp eine Stunde hat es bei der Vorstellung einer neuen Biografie über ihn gedauert, bis endlich eines seiner Lieblingsthemen zur Sprache kommt.

"Eigentlich", führt ein Teilnehmer der Podiumsdiskussion aus, "eigentlich wäre Sepp Blatter ein würdiger Träger des Friedensnobelpreises gewesen." Das Publikum applaudiert devot in Richtung des gesperrten Ex-FIFA-Präsidenten.

Nur unweit der Zentrale des Weltverbands, im Restaurant Sonnenberg mit Blick auf den malerischen Zürichsee, offenbart sich, dass Blatter trotz seiner sechsjährigen Verbannung aus dem Fußball den Kampf um die Deutungshoheit seines Erbes längst nicht aufgegeben hat.

Der Hang zum Vergleich mit den ganz Großen ist dabei auch im erzwungenen Ruhestand geblieben. "Ich habe gelitten. Die Passion Christi war auch Leiden, aber ich leide nicht mehr", berichtet er über sein FIFA-Aus und verbreitet weiter mantrahaft seine Unschuldsbeteuerungen. "Ich kann mit allem leben, weil ich ein reines Gewissen habe. Ich habe nichts verbrochen." Der Bann wegen einer ominösen Zahlung an UEFA-Chef Michel Platini aus dem Jahr 2011? Ein "von der amerikanischen Justiz gesteuerter Komplott". Der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS: "Selbstverständlich".

Auf 293 Seiten plus angehängtem Interview lässt Blatter durch den Autoren Thomas Renggli in "Sepp Blatter Mission & Passion Fussball" seine Version der Wahrheit über seine 14 991 Tage bei der FIFA verbreiten. Die große Abrechnung oder bahnbrechende News bleiben aus in dem Werk, das sich auf eine weitgehende kritiklose Huldigung Blatters beschränkt. Stattdessen verteilt der 80-Jährige darin fleißig kleine Nadelstiche.

Der blatterkritische FIFA-Aufseher Domenico Scala wird als "Chef-Moralist" bezeichnet. Über Präsidentschafts-Nachfolger Gianni Infantino weiß Blatter zu berichten, dass sein Landsmann sich vor der Zeit als Generalsekretär bei der Europäischen Fußball-Union einmal für eine Stelle bei der FIFA-Rechtsabteilung beworben habe - "ohne Erfolg", wie er genüsslich hinzufügt.

Zudem berichtet Blatter, dass ihn das Schweizer Außenministerium noch im vergangenen Jahr gebeten haben soll, den burundischen Staatschef Pierre Nkurunziza eine Rolle als FIFA-Botschafter anzubieten und damit zum Verzicht auf eine dritte Amtszeit zu bewegen.

Neben derartiger Anekdoten zeigt das Buch die Bilder, wie sich Blatter am liebsten gesehen hat: Bei der Trikotübergabe bei Barack Obama im Weißen Haus, auf Augenhöhe mit Wladimir Putin, scherzend an der Seite von Papst Franziskus, auf der Tribüne neben einer jubelnden Angela Merkel.

Am Donnerstag hat sich neben Weggefährten wie dem geschassten FIFA-Mediendirektor Walter de Gregorio oder dem früheren Schweizer Nationaltrainer Köbi Kuhn allerdings eher die Züricher B-Prominenz versammelt. Die Rückkehr ins Rampenlicht genießt Blatter jedoch sichtlich - mitsamt der Insignien vergangener Macht: Vor dem Restaurant weht die blau-weiße FIFA-Fahne.

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