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Vor Olympia 2016  

Russland will im Dopingskandal kooperieren

18.05.2016, 14:46 Uhr | dpa

Olympia: Russland will im Dopingskandal kooperieren. Russland steht im Mittelpunkt des Dopingskandals.

Russland steht im Mittelpunkt des Dopingskandals. Foto: Hannibal Hanschke. (Quelle: dpa)

Moskau (dpa) - Auch nach neuen Doping-Enthüllungen stellt sich Russland schützend vor seine Sportler.

Gut elf Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro weist die Regierung in Moskau einen Generalverdacht zurück und zeigt sich verärgert über angebliche Ermittlungen der US-Justiz gegen Athleten und Funktionäre. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA erhöhen angesichts des Verdachts staatlich organisierten Dopings den Druck auf Russland, den Doping-Sumpf trockenzulegen und Betrügern das Handwerk zu legen.

Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin reagierte "mit Skepsis und Unverständnis" auf den Bericht der "New York Times" zum Vorgehen der US-Justiz. Russland würde das als einen weiteren Versuch Washingtons werten, die Zuständigkeit von US-Gerichten auf andere Länder auszudehnen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Russland sei grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit internationalen Ermittlern bereit. Es müsse aber die Unschuldsvermutung gelten. Sauberen Sportlern sollte die Teilnahme an Wettbewerben nicht verwehrt werden, sagte Peskow, ein enger Mitarbeiter Putins.

Sportminister Witali Mutko reagierte erstaunt auf angebliche US-Ermittlungen. "Ich würde den USA empfehlen, sich mit der eigenen Nationalmannschaft zu beschäftigen - dort gibt es auch Probleme", sagte er der Agentur Tass zufolge, ohne Details zu nennen.

Im schlimmsten Fall droht Russland nun der Ausschluss von den Spielen in Rio de Janeiro im August. Angesichts der schweren Vorwürfe hält das selbst IOC-Präsident Thomas Bach für möglich.

"Sollte es Hinweise auf ein organisiertes und flächendeckendes Doping-System geben, das weitere Sportarten betrifft, müssten die Internationalen Verbände und das IOC die schwierige Entscheidung zwischen kollektiver Verantwortung und individueller Gerechtigkeit treffen", schrieb Bach in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Russlands Leichtathleten stehen schon unter verschärfter Beobachtung. Im November hatte der Leichtathletik-Weltverband IAAF die Sportler auf Grundlage eines WADA-Berichts über systematisches Doping suspendiert. Am 17. Juni will die IAAF entscheiden, ob der Olympia-Bann aufgehoben wird.

Nun behauptet der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodschenkow, dass auch russische Wintersportler im großen Stil betrogen hätten. Er selbst habe systematische Manipulationen im Team während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi mitorganisiert. Laut Rodschenkow, der jetzt in Los Angeles lebt, waren 15 der russischen Medaillengewinner gedopt. Dafür gibt es bisher aber keine unabhängigen Beweise.

In die Vorgänge von Sotschi schaltete sich das US-Justizministerium ein und ermittelt laut "New York Times" wegen möglicher Verschwörung und Betrugs. Das Blatt berief sich auf zwei namentlich nicht genannte Quellen, die mit dem Fall vertraut seien.

Die US-Staatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von New York sei federführend. Die Behörde habe russische Offizielle, Athleten, Trainer sowie Anti-Doping-Verantwortliche im Visier, hieß es.

Auf dpa-Anfrage sagte Nellin N. McIntosh: "Es ist Politik des Justizministeriums, etwaige Ermittlungen nicht zu kommentieren." Ermittlungen der USA wie diese sind schon bei geringsten vermuteten Verbindungen in die Vereinigten Staaten möglich - oder wenn eventuell Gelder über eine US-Bank geflossen sind.

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