Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport >

Sportpolitik: "Machtanspruch seitens des DOSB"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Sportpolitik  

Dagmar Freitag: "Machtanspruch seitens des DOSB"

19.05.2016, 14:01 Uhr | dpa

Sportpolitik: "Machtanspruch seitens des DOSB". Dagmar Freitag ist die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages.

Dagmar Freitag ist die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages. Foto: Gregor Fischer. (Quelle: dpa)

Düsseldorf (dpa) - Die Sportausschussvorsitzende des Bundestages Dagmar Freitag zieht zum 10. Geburtstag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eine kritische Bilanz.

"Es gibt erkennbar atmosphärische Störungen zwischen Teilen der DOSB-Spitze und weiteren auf der sportpolitischen Bühne agierenden Personen und Institutionen", sagte Freitag im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte ausdrücklich auch für den Bereich der Politik. "Wir haben feststellen müssen, dass es einen sehr deutlichen Machtanspruch seitens des DOSB gibt, den die Politik in allen Bereichen so nicht teilen kann."

Wie fällt Ihre Bilanz nach zehn Jahren DOSB aus?

Dagmar Freitag:  Es gibt keine Bilanz, die nur schwarz oder weiß ist. Das gilt auch nach zehn Jahren DOSB. Die Grundidee, die Stimme des Sports stärker und zu einer zu machen, war sicherlich grundsätzlich erst einmal eine vertretbare, auch wenn es ja im Vorfeld durchaus heftigen Widerstand einiger Spitzenverbände gab. Ob das aber so gelungen ist, wie es sich die Gründungsväter des DOSB gedacht haben? Die Frage ist für mich zumindest mehr als offen.

Warum?

Freitag:  Es gibt erkennbar atmosphärische Störungen zwischen Teilen der DOSB-Spitze und weiteren auf der sportpolitischen Bühne agierenden Personen und Institutionen. Das gilt ausdrücklich auch für den Bereich der Politik. Wir haben feststellen müssen, dass es einen sehr deutlichen Machtanspruch seitens des DOSB gibt, den die Politik in allen Bereichen so nicht teilen kann. Da würde ich mir eine sachlichere Gesprächsebene wünschen. Wir sollten eines im Auge behalten: Ziel ist es, zum Wohle der Athleten zu agieren. Das würde ich viel mehr in den Mittelpunkt stellen wollen, als es in den letzten zehn Jahren der Fall war.

Betrifft das auch die geplante Leistungssportstrukturreform und die zukünftige Lenkung und Förderung des Spitzensportes?

Freitag:  Das ist ein Beispiel. Da wird hinter verschlossenen Türen verhandelt und der Hauptgeldgeber, das Parlament, ist von Informationen weitgehend ausgeschlossen. Ob das ein Weg der Vertrauensbildung ist, lasse ich dahingestellt sein.

Gibt es noch andere Kritikpunkte am DOSB?

Freitag:  Es gibt noch andere Beispiele. Die Frage, wie Zielvereinbarungen für Olympische Spiele im DOSB diskutiert und formuliert werden. Da hat es in der Vergangenheit zumindest zweimal eine katastrophale Fehleinschätzung bei der Kalkulation der erwarteten Medaillen gegeben. Da frage doch nicht nur ich mich, auf welcher Basis solche Entscheidungen fallen. Das schaut sich der "Hauptsponsor" Deutscher Bundestag mit Interesse an und erlaubt sich gelegentlich auch die ein oder andere eine kritische Anmerkung.

Der DOSB ist mit den Olympia-Bewerbungen von München und Hamburg gescheitert. Gehört das zur Negativbilanz des DOSB?

Freitag:  Ganz eindeutig. Es hat drei ernsthafte Versuche gegeben: Zweimal mit München und zuletzt mit Hamburg. Und dreimal ist man krachend gescheitert, wie man es sich in einem sportbegeisterten Land wie Deutschland hat nicht vorstellen können. Das ist ganz sicher ein Punkt, der auf der Negativseite der Bilanz zu finden ist.

Hat der DOSB auch etwas gut gemacht?

Freitag:  Alfons Hörmann hat sich nach seinem Amtsantritt auf den Weg durch alle Institutionen des organisierten Breiten- und Spitzensports gemacht, was ich als sehr hoffnungsvollen Ansatz empfunden habe. Er hat sich dadurch zunächst ein umfangreiches, breites Bild machen wollen. Ich hoffe, dass dieser Kommunikationsstil auch DOSB-intern gelebt wird, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass es unter den DOSB-Hauptamtlichen exzellente Fachkompetenz gibt. Ich habe aber auch die Erfahrung machen müssen, dass diese zumindest bei Fachdiskussionen im Sportausschuss des Bundestages zu selten in Erscheinung getreten sind - oder vielleicht treten durften.

Was erwarten Sie in Zukunft vom DOSB?

Freitag:  Ich wünsche mir, dass es eine Leistungssportreform im Sinne der Athleten gibt, die denjenigen, die täglich hart für ihre Ziele trainieren, die bestmöglichen Rahmenbedingungen beschert. Dazu gehört für mich eine bessere Einbindung der sportwissenschaftlichen Erkenntnisse in unserem Land. Wir haben exzellente sportwissenschaftliche Institute und Hochschulen. Nach meiner Einschätzung wird das bislang nicht in ausreichendem Maße einbezogen. Sportwissenschaft ist ein ganz wichtiger Faktor, um ein gutes leistungssportliches Ergebnis zu erzielen.

Welche zukünftigen Schwerpunkte des DOSB wünschen Sie sich?

Freitag:  Ich denke, dass in Deutschland wieder eine richtige Begeisterung für Sport und damit Spitzensport erzeugt werden muss. Wir haben in Hamburg gesehen, dass es nicht gelungen ist, die Bevölkerung in ausreichendem Maße von der großartigen Idee Olympischer Spiele zu begeistern. Da sehe ich eine der Hauptaufgaben für den Dachverband des deutschen Sports. Dass das angesichts des massiven Verlustes von Glaubwürdigkeit durch die Skandale der jüngsten Zeit - ich denke da an FIFA, IAAF, die Dopingskandale in Russland - nicht einfach ist, ist unbestritten. Aber gerade hier sind unmissverständliche Statements von Seiten des DOSB notwendig, auch in Richtung IOC. Auch das vermisse ich zur Zeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Gast des Festaktes in der Frankfurter Paulskirche. Der DOSB hat sie wegen ihres mangelnden Engagements für die Olympia-Bewerbung Hamburgs kritisiert...

Freitag:  Ich kann ein mangelndes Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Hamburger Bewerbung nicht erkennen. Da teile ich die bei der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2015 in Hannover von Hörmann gemachten Vorwürfe ausdrücklich nicht. Von daher gibt es auch nichts gutzumachen.

IOC-Präsident Thomas Bach war der Gründungspräsident des DOSB. Was für ein Verdienst hat er um den DOSB?

Freitag:  Nicht nur ich bin neugierig, was er in seiner Rede rückblickend auf zehn Jahre DOSB sagen wird. Das ist in Teilbereichen ja seine eigene Bilanz." ZUR PERSON: Dagmar Freitag ist die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Die SPD-Politikerin ist zudem Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Wahnsinn 
Cleverer Hund überwindet Gartenzaun mit Trick

Kaum zu glauben, wie der Hund es schafft zu seinen Freunden zu gelangen. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal