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Fußball  

100 Tage FIFA-Chef Infantino

03.06.2016, 17:14 Uhr | dpa

Fußball: 100 Tage FIFA-Chef Infantino. Gianni Infantino hat die FIFA nach 100 Tagen noch nicht beruhigen können.

Gianni Infantino hat die FIFA nach 100 Tagen noch nicht beruhigen können. Foto: Jose Mendez. (Quelle: dpa)

Zürich (dpa) - Gianni Infantino hat es bis zu seinem ersten kleinen Jubiläum als mächtigster Mann im Weltfußball fast geschafft. Am Sonntag ist der Schweizer exakt 100 Tage im Amt als Präsident der FIFA.

Und nicht wenige Kritiker würden ketzerisch behaupten, dass er es in diesem so kurzen Zeitraum schon geschafft hat, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Joseph Blatter zu treten.

Panama-Papers, ein Kongress mit höchst umstrittenen Entscheidungen, Komplottvorwürfe bis hin zur möglichen Verschwendung von Verbandsgeldern - Nebengeräusche in der Häufigkeit haben nicht einmal den Anfang der von vielen Skandalen geprägten Ära Blatter begleitet, die 1998 mit Korruptionsvorwürfen am Wahltag begann.

100 Tage und inzwischen scheint gar nicht mal sicher, ob weitere 100 Tage dazukommen. Wie die Zeitung "Die Welt" berichtet, droht Infantino eine provisorische Sperre von 90 Tagen wegen des Verdachts auf verschiedene Ethikvergehen. Die Ethikkammer hält sich zur Causa Infantino derzeit bedeckt, zu möglichen Voruntersuchungen bezieht sie generell keine Stellung. Ein formelles Verfahren gebe es derzeit aber nicht.

Das Internationale Olympische Komittee allerdings verwehrt dem bereits umstrittenen Infantino zumindest vorerst die Aufnahme in den exklusiven Ringe-Zirkel. Waren Infantinos Vorgänger wie Blatter für gewöhnlich stets ins IOC berufen worden, fehlte der Name des neuen FIFA-Chefs nun auf der am Freitag in Lausanne veröffentlichten Liste der acht Kandidaten. Anscheinend erteilte das IOC damit Infantino die Quittung für die wachsenden Zweifel an seiner Amtsführung.

Die Vorwürfe sind hochbrisant. Ausgangspunkt sind die Anschuldigungen gegen Infantino, wonach es auf dem Kongress Ende Mai in Mexiko zu einem Komplott gegen den schließlich zurückgetretenen FIFA-Chefaufseher Domenico Scala gekommen sei. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte Zitate aus einer Sitzung des FIFA-Council öffentlich gemacht, die einen von Infantino betriebenen Sturz Scalas praktisch belegen würden.

Doch damit nicht genug: Laut Medienberichten soll Infantino den Befehl zur Löschung der brisanten Tonaufnahmen von der Council-Sitzung am 9. und 10. Mai in Mexiko-Stadt angeordnet haben, was die FIFA umgehend als falsch zurückwies.

"Der E-Mail-Verkehr, in dem die Löschung von Audio-Dateien erwähnt wird, bezieht sich auf eine Kopie der Original-Dateien der Sitzung, die fälschlicherweise auf einem lokalen Laufwerk gespeichert waren", hieß es in einer Mitteilung des Weltverbandes. Die Originalaufnahme sei "ordnungsgemäß bei der FIFA gespeichert."

Alles also nur ein Missverständnis, vielleicht aber auch nicht. Der "FAZ" liegt der E-Mail-Verkehr vor, in dem Marco Villiger als Chef der FIFA-Rechtsabteilung einen Mitarbeiter aus dem Generalsekretariat zur Löschung der Dateien veranlasst haben soll. Außerdem solle das Protokoll der ominösen Sitzung aus dem Präsidentenamt und nicht wie üblich aus dem Generalsekretariat verfasst werden, hieß es weiter.

Pikanterweise wurde wenige Stunden nach der digitalen Konversation der geschäftsführende Generalsekretär Markus Kattner entlassen. Der Deutsche habe gegen seine treuhänderische Verantwortung verstoßen, lautete die Begründung. Am Freitag teilte die FIFA mit, dass sich Kattner gemeinsam mit Blatter und dem ehemaligen Generalsekretär Jérôme Valcke um zig Millionen bereichert haben soll.

Kattners Nachfolgerin ist Fatma Samoura aus dem Senegal, die Infantino noch vor der Vollversammlung durchdrückte. Laut "Welt" habe es aber vorher gar keine Integritätsprüfung durch die bis zuletzt von Scala angeführte Audit- und Compliance-Kommission gegeben. Der Machtbereich dieses Gremiums wurde schließlich zum großen Ärger von Scala auf dem Kongress beschnitten, indem das Council ermächtigt wurde, für ein Jahr seine Kontrolleure selbst ernennen und entlassen zu können.

Dazu gibt es weitere Vorwürfe gegen Infantino. So soll er mit Privatjets die WM-Gastgeber Russland (2018) und Katar (2022) besucht und so die Verbandsgelder verschwendet haben. Dass er bei seinem Besuch in Moskau Sportminister Witali Mutko in höchsten Tönen lobte und betonte, dass der riesige russische Dopingskandal die WM 2018 nicht beeinflusse, wirkte für manch einen Beobachter irritierend.

Schon kurz nach seinem Amtsantritt war Infantino erstmals in Erklärungsnot geraten, als sein Name in Verbindung mit den Panama Papers gebracht wurde. Damals ging es um zweifelhafte Geschäfte zwischen der UEFA und der Briefkastenfirma Cross Trading.

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