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Doping: Russland will Olympia-Ausschluss abwenden

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Doping  

Russland will Olympia-Ausschluss abwenden

07.06.2016, 12:04 Uhr | dpa

Doping: Russland will Olympia-Ausschluss abwenden. Die russischen Athleten bangen vor einem möglichen Olympia-Ausschluss.

Die russischen Athleten bangen vor einem möglichen Olympia-Ausschluss. Foto: Hannibal Hanschke. (Quelle: dpa)

Moskau (dpa) - Im russischen Doping-Kontrolllabor in Moskau steht alles still. Die Zentrifugen drehen sich nicht, die Ständer für Gläschen mit Urinproben sind leer. "Wir warten auf eine Entscheidung über uns", sagt die neue Laborleiterin Marina Dikunez.

Im vergangenen November hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA dem Labor die Anerkennung entzogen. Es war einer der Hauptschauplätze in den Doping-Skandalen, die Russlands Ansehen als Sportnation erschüttern.

Im schlimmsten Fall kann das Massendoping die russischen Leichtathleten die Teilnahme an den Olympischen Spielen vom 5. bis 21. August in Rio des Janeiro kosten. Der russische Verband ist einstweilen von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Am 17. Juni will der Leichtathletik-Weltverband IAAF entscheiden, was mit den Russen und Rio wird. Deshalb versucht Russland zu zeigen, was an der Dopingaufsicht schon verändert worden ist und zukünftig noch besser werden soll. Es ist Glasnost (Offenheit) in letzter Minute.

Die freundliche Laborchefin Dikunez hat dieser Tage viel damit zu tun, Journalisten ihr abgeschirmtes Reich zu zeigen: die Registratur für eingehende Proben, die Analysetechnik, den Gefrierschrank zum Aufbewahren der B-Proben. Alle Mitarbeiter sind an ihrem Platz. Abteilungsleiter Grigori Dudko sagt: "Früher haben wir im Jahr bis zu 15 000 Dopingproben analysiert." Und jetzt: "Hier passiert nichts."

Seit April darf das Labor immerhin wieder mit Blutproben arbeiten, die nicht haltbar genug sind, um sie zur Untersuchung ins Ausland zu bringen. Doch vor allem führen die Mitarbeiter einen Papierkrieg, um erneut die Akkreditierung bei der WADA zu erlangen.

War die Schließung des Labors gerechtfertigt? "Es hatte seinen Grund", sagt Dikunez. Es sei gegen "ethische Grundsätze" verstoßen worden. Nach dem Bericht der WADA-Untersuchungskommission vom November 2015 sind unter ihrem Vorgänger Grigori Rodschenkow etwa 1400 verdächtige Proben vernichtet worden.

Rodschenkow outete sich jüngst in der "New York Times" als einen der Chefdoper. Er beschrieb auch einen ausgeklügelten Betrug: Russische Kontrolleure hätten 2014 bei den Winterspielen im heimischen Sotschi belastete Dopingproben verschwinden lassen. Sein Vorwurf: Mindestens 15 russische Medaillengewinner hätten verbotene Mittel genommen.

Außerdem wartet Russland noch auf Hiobsbotschaften aus den Nachanalysen zu den Sommerspielen 2008 und 2012: In Peking sollen 14 russische Athleten gedopt gewesen sein, in London 8. Auch diese Sportler, so noch aktiv, würden für Olympia in Rio gesperrt.

"Wir verleugnen unsere Vergangenheit nicht", sagt die neue Leiterin der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA, Anna Anzeliowitsch. Ihre Behörde ist ebenfalls von der WADA einstweilen suspendiert. Rodschenkows Vorwürfe will sie nicht auf Russland sitzen lassen: "Bislang ist nichts von dem bewiesen, was er gesagt hat." Zugleich sagt sie: "Er war genial, ein genialer Wissenschaftler."

Anzeliowitsch listet auf, was sich bei RUSADA alles geändert hat. Zwei unabhängige ausländische Experten der WADA arbeiten seit April in ihrer Agentur mit. Derzeit werden Proben russischer Sportler mit Hilfe der britischen Anti-Doping-Agentur UKAD analysiert, so ist die Vorbereitung auf Rio gesichert. Und sie kündigt Bildungsprogramme an Schulen und Hochschulen an, um eine künftige Generation russischer Sportler zu "Null Toleranz" gegenüber Doping zu erziehen.

Einiges an der russischen Argumentation ändert sich trotzdem nicht. Die Sportgroßmacht sieht sich zu Unrecht allein an den Pranger gestellt. "Das Doping-Problem beschränkt sich nicht auf Russland", sagt Anzeliowitsch. Von Staatsdoping will sie weiter nichts wissen: "Das letzte Wort haben immer die Sportler." Anzeliowitsch nennt die Doper in sowjetischem Zungenschlag "Verräter", die dem Land schaden.

Auch Ex-Weltklasseschwimmer Alexander Popow, eingespannt in die Charmeoffensive der russischen Sportführung, sieht nur "individuelles Verhalten", kein Systemversagen: "Es gibt leider Sportler, die nutzen solche Mittel, um aufs Podium zu kommen."

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