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Doping: Russisches Staatsdoping schockiert die Sportwelt

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Doping  

Russisches Staatsdoping schockiert die Sportwelt

18.07.2016, 19:55 Uhr | dpa

Doping: Russisches Staatsdoping schockiert die Sportwelt. Auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi gingen gedopte Athleten an den Start.

Auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi gingen gedopte Athleten an den Start. Foto: Barbara Walton. (Quelle: dpa)

Toronto (dpa) - Droht Russlands Sportlern nach dem Doping-Beben das Olympia-Aus? Das IOC will nach dem Bericht der Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA über staatlich gesteuertes Doping im russischen Leistungssport schnell entscheiden.

Das Internationale Olympische Komitee kündigt bereits die "härtest möglichen Sanktionen" an. Auch Fußball spielt in dem Dossier eine Rolle - das Wladimir Putin sogleich als Rückfall in Zeiten des Kalten Krieges wertete.

"Die Ergebnisse des Berichts zeigen einen schockierenden und beispiellosen Angriff auf die Integrität des Sports und die Olympischen Spiele", sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Montag. "Daher wird das IOC nicht zögern, die härtest möglichen Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation zu ergreifen."

Wie die genau aussehen ist unklar. Bei den Leichtathleten verhängten die Sportverbände bereits die Höchststrafe: die russischen Sportler dürfen nicht nach Rio.

Die Vorwürfe sind erdrückend: Manipulierte Dopingproben, erschwindelte Medaillen und konspirative Hilfe durch den Geheimdienst. Russland hat nach Ansicht der WADA-Ermittler jahrelang Doping im Spitzensport staatlich geschützt und gefördert. Zwischen 2012 und 2015 seien 643 positive Doping-Proben russischer Athleten in rund 30 Sportarten, darunter auch elf aus dem Fußball, verschwunden - und sind damit negativ geworden.

Die Ermittlungen hätten zudem gravierende Beweise für die Verwicklung staatlicher Stellen in den Sportbetrug erbracht, sagte WADA-Chefermittler Richard McLaren am Montag in Toronto. Betroffen seien neben den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 auch die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und die Schwimm-WM 2015 in Kasan.

Das russische Sportministerium habe die Manipulationen "geleitet, kontrolliert und überwacht", sagte McLaren. Auch der russische Inlandsgeheimdienst FSB und das Trainingszentrum der russischen Top-Athleten, CSP, seien an den Betrügereien aktiv beteiligt gewesen. Das Doping-Beben bringt das IOC drei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele arg in Bedrängnis.

Wladimir Putin kündigte bereits Maßnahmen an. "Funktionäre, die in dem Bericht als direkt Beteiligte genannt werden, sollen bis zum Ende der Untersuchungen suspendiert werden", teilte der Kremlchef mit.

Allerdings kritisierte der Präsident, dass der Bericht auf den Aussagen eines Mannes mit "skandalösem Ruf" basiere - er meinte den Whistleblower Grigori Rodschenkow. Zudem forderte Putin von der WADA mehr Fakten und kritisierte den Bericht als Rückfall in die 1980er-Jahre, als der Westen die Spiele 1980 in Moskau und die UdSSR die Spiele 1984 in Los Angeles boykottierten. Damals sei der Sport als Geisel genommen worden, sagte Putin. "Jetzt beobachten wir einen gefährlichen Rückfall einer Einmischung der Politik in den Sport."

Bereits am Dienstag werde die IOC-Exekutive zu einer Telefonkonferenz einberufen und vorläufige Maßnahmen und Sanktionen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio besprechen. Bislang hat Bach einen kompletten Ausschluss Russlands von Olympia abgelehnt. Vor dem Bericht hatte Bach - selbst Fecht-Olympiasieger von 1976 - betont, das IOC müsse die Balance zwischen kollektiver Verantwortung und individueller Gerechtigkeit finden. "Jeder, der nicht involviert war, kann nicht für das Fehlverhalten anderer bestraft werden."

Empfehlungen der WADA-Ermittler für Sanktionen gegen russische Sportler und Verbände gab McLaren nicht. Sein Job sei gewesen, Fakten zu sammeln und zusammenzustellen, nicht aber Empfehlungen zu geben. Das tat die WADA: Sie empfiehlt dem IOC, den Komplettausschluss zu prüfen. Zudem sollte russischen Regierungsvertretern der Zugang zu Wettkämpfen untersagt werden.

Und auch den Fußball-Weltverband FIFA bringt die WADA ins Spiel: Dieser solle den russischen Sportminister und Verbandschef Witali Mutko überprüfen, der Mitglied im FIFA-Council ist. Im McLaren-Report wird eine Mitwisserschaft Mutkos an Doping-Vertuschungen angedeutet.

Die deutsche Nationale Anti-Doping-Agentur NADA fordert weiter den Komplettausschluss russischer Athleten. "Der McLaren-Report lässt nur einen Schluss zu: Die NADA fordert das Internationale Olympische Komitee auf, dafür zu sorgen, dass russische Sportlerinnen und Sportler nicht zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zugelassen werden", sagte NADA-Chefin Andrea Gotzmann. Der Deutsche Olympische Sportbund schließt eine komplette Sperre für Russland nicht aus. "Das Ausmaß der nun bestätigten Vorwürfe ist schockierend", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

McLaren und sein Team hatten für ihren Bericht tausende Daten und Dokumente ausgewertet, auch gelöschte Dateien seien wiederhergestellt worden. Zudem seien Interviews mit Zeugen geführt worden, auch mit Rodschenkow, dem ehemalige Chef des russischen Doping-Kontrolllabors. Er gilt als Kronzeuge und hatte die Untersuchung der WADA erst ins Rollen gebracht.

Rodschenkow, der sich inzwischen in die USA abgesetzt hat, habe sich als glaubwürdiger Zeuge erwiesen, sagte McLaren. Der Russe hatte behauptet, dass er in Sotschi positive Dopingproben russischer Athleten zusammen mit der Anti-Doping-Agentur Rusada sowie dem Geheimdienst auf Anordnung des Staates vertuscht habe. 15 der russischen Medaillengewinner in Sotschi seien gedopt gewesen.

Der Vorsitzende des Sportausschusses im russischen Parlament, Dmitri Swischtschjow, forderte Haft für Rodschenkow. "Internationale Organisationen glauben Verleumdern und Schurken wie Rodschenkow, der erklärt hat, selbst (Doping-)Proben ausgetauscht zu haben", sagte Swischtschjow, der Agentur Tass. "Er sollte festgenommen und an unsere Justiz ausgeliefert werden." Die WADA liefere keine Beweise.

Russische Leichtathleten erwarten in dieser Woche eine Sportgerichts-Entscheidung über ihre Teilnahme an den Sommerspielen. "Wir hoffen, dass dieser Bericht nicht die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs beeinflusst", sagte der Chef des Leichathletikverbandes WFLA, Dmitri Schljachtin, der Agentur R-Sport.

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