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Fußball: Katar und die WM-Dauer-Kritik

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Fußball  

Katar und die WM-Dauer-Kritik

10.01.2017, 10:54 Uhr | dpa

Fußball: Katar und die WM-Dauer-Kritik. Die Baustelle des Al-Bayt-Stadions für die WM 2022 vor den Toren der Stadt Al Khor.

Die Baustelle des Al-Bayt-Stadions für die WM 2022 vor den Toren der Stadt Al Khor. Foto: Andreas Gebert. (Quelle: dpa)

Doha (dpa) - Es wird geschweißt, betoniert, Stahl verlegt - und es ist brütend heiß. Der Rohbau des WM-Stadions Al Bayt im Norden von Doha ist in Arbeit.

Hier sollen bei der umstrittenen Fußball-
Weltmeisterschaft 2022 in Katar Spiele bis ins Halbfinale stattfinden. Rund 2500 Arbeiter sind in Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Und wer an diesem Januar-Tag im Wüstenstaat an der Baustelle im Freien schwitzt, kann erahnen, wie quälend die Gluthitze hier erst im Sommer bei über 40 Grad sein muss. Wegen der Temperaturen wird auch im Winter gespielt, kurz vor Weihnachten. Vorgesehen ist der Zeitraum vom 21. November bis zum 18. Dezember.

Seit der Vergabe des Milliarden-Spektakels an das Emirat am Persischen Golf im Dezember 2010 hagelt es Kritik. Mit dem Termin hat man sich mittlerweile arrangiert, die immer wieder angeprangerte Situation für die vielen Gastarbeiter auf den vielen Baustellen in dem wirtschaftlichen Boomland sorgt internationale Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen dagegen weiter.

"Jede Nation, die eine WM ausrichtet, wird immer mit Kritik konfrontiert. Auch Deutschland wurde mit Kritik konfrontiert", sagt Hassan Al Thawadi. Wenngleich die Kritik an Katar aggressiv gewesen sei. Der Generalsekretär des Organisationskomitees ist ein sehr wortgewandter Mann, der im 29. Stock des Al-Bidda-Tower flankiert von mehr als einem halben Dutzend Mitstreiter einigen deutschen Journalisten die Vorzüge der ersten Fußball-WM in der arabischen Welt beschreibt. Von hier oben ist die Aussicht auf die vielen Wolkenkratzer und Baustellen imposant.

Statt von einer Herausforderung spricht Hassan Al Thawadi lieber von einer Chance. Negative Worte, sagt er, mag er nicht. Der Sportfunktionär stellt sich allen Fragen, auch denen zu den Bedingungen des kleinen Teils der insgesamt etwa 2,2 Millionen Gastarbeiter, der auf den WM-Baustellen arbeitet. In der Summe hat Katar rund 2,4 Millionen Einwohner.

Es könne vielleicht die Geschwindigkeit des Fortschritts kritisiert werden, aber es gebe einen Fortschritt, betont Al Thawadi. Der Staat, der durch den Export von Flüssiggas seinen Reichtum erlangte, wächst seit 1995 rasant. Im Fokus der Weltöffentlichkeit bewegt sich das Land, das nur halb so groß wie Hessen ist, mehr als zuvor. Im Dezember erklärte der Arbeitsminister etwa das Ende des sogenannten Kafala-Systems. Dieses stand international in der Kritik, weil es ausländische Arbeitskräfte entrechte.

"Es ist zwar positiv, dass Katar das Problem erkannt hat und auf die Forderung reagiert, das kritisierte Sponsoren-Prinzip abzuschaffen", sagte René Wildangel, Amnesty-Experte für den Nahen und Mittleren Osten, im Dezember. "Das neue Gesetz bietet aber kaum konkrete Verbesserungen und keinen ausreichenden Schutz. Arbeitsmigrantinnen und -migranten in Katar sind weiterhin von Ausbeutung und Zwangsarbeit bedroht."

Er wisse, "dass einige gesagt haben, dass die Änderung nicht weit genug geht, dass sie nur kosmetisch sei. Aber es gab Veränderungen", sagt Al Thawadi zum neuen Gesetz. "Man kann immer etwas besser machen." Für ihn sei wichtig, dass man nicht nur etwas ändert, weil man von außen kritisiert würde, sondern weil man daran glaube und von der Nachhaltigkeit überzeugt sei.

Rund 60 Kilometer nördlich von Doha am Al Bayt Stadium, einem der acht WM-Spielorte, sind die Arbeiten in vollem Gange. Die Unterkünfte für die Arbeiter aus 27 Nationen sehen neu aus. Basketballplatz, Fitnessraum, Tischtennisplatten, Kicker sind noch nicht sonderlich oft benutzt worden. Arzt, Wäscherei, Mensa - all das gehöre zum Standard, sagen die leitenden Personen.

Vier Mann teilen sich einen Raum, jeder hat hinter einem Vorhang sechs Quadratmeter für sich, heißt es. Arbeitsschutz sei wichtig. Auch die Journalisten müssen wie die Bauarbeiter Helm, Sicherheitsschuhe und eine grell-gelbe Weste tragen. Mit den Arbeitern selbst gibt es an diesem Tag keine Möglichkeit für Gespräche, auch nicht mit dem jungen Mann im Dortmund-Trikot.

Das dürfte im März anders sein. Dann sollen Inspektoren im Rahmen eines Abkommen zwischen der "Bau- und Holzarbeiter Internationale" (BHI) und den WM-Machern in Katar im November in die Erbmonarchie reisen.

"Wir schauen uns zum Beispiel an, ob die Arbeiter ausreichend mit Wasser versorgt sind, ob sie Schutzausrüstung tragen, ob ihre Helme ein Kühlsystem haben, bei der Hitze dort", sagte der deutsche Bau-Gewerkschafter Dietmar Schäfers kürzlich der "Süddeutschen Zeitung". Westliche Standards bei den Arbeitsbedingungen sind das Ziel. "Wir fragen die Arbeiter nach der Höhe ihres Einkommens und ob sie das Geld tatsächlich überwiesen bekommen." Geschätzte 15 Milliarden Dollar werden von über 1,5 Millionen dieser Arbeiter in deren Heimat zurücküberwiesen, lautet eine Schätzung in Katar.

Nach aller Kritik ist Katar bestrebt, die WM so herzurichten, dass die erwarteten 1,5 Millionen Gäste im Dezember 2022 gerne zur geplanten Party kommen. Die eigenen Talente werden seit langem zielgerichtet aufgebaut. Als Al Thawadi auf Pep Guardiola, der einst in Katar seine aktive Karriere ausklingen ließ und eine Nähe zum Land hat, als möglichen Trainer angesprochen wird, lacht er. Egal mit wem an der Linie, dass eigene Team soll das fußballbegeisterte Volk stolz machen. Davon ist Katar aber noch entfernt - in der dritten Qualifikationsrunde Asiens für die WM 2018 in Russland steht die Auswahl wieder einmal vor dem Aus.

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